FC Bayern München: Mats Hummels droht das Abstellgleis

Verlierer des Trainingslagers: Mats Hummels droht das Abstellgleis bei den Bayern

Im Abwehrzentrum des FC Bayern München steht ein Generationenwechsel bevor. Mats Hummels könnte das prominenteste Opfer der Umbauarbeiten beim Rekordmeister sein.

Zu seinem 30. Geburtstag am 16. Dezember bezeichnete sich Mats Hummels selbst als "alten Sack". Das war natürlich ironisch gemeint, doch beim FC Bayern scheint Hummels inzwischen zum alten Eisen zu gehören.

Der Weltmeister von 2014 gilt neben Franck Ribery und Javi Martinez als großer Verlierer des Trainingslagers in Katar. Zwar zeigte Hummels dort wie gewohnt großen Einsatz, doch als Trainer Niko Kovac die Leibchen für seine aktuelle Startelf verteilte, ging er leer aus.

Selbst wenn Hummels bei der Rückrunden-Generalprobe Telekom Cup mit zwei Spielen am Sonntag in Düsseldorf (ab 12.45 Uhr/Sat.1) Einsatzzeit bekommen dürfte: Ein Platz in der Startelf beim Rückrunden-Auftakt am 18. Januar in Hoffenheim ist für ihn weit weg. "Ich weiß, was Mats kann und was er geleistet hat. Man kann sich auf ihn verlassen", sagte Kovac zuletzt, ansonsten müsse sich aber auch Hummels "dem Mannschaftsgeist unterordnen".

Die Beziehung zwischen Coach und Profi gilt als belastet, seit der damalige Frankfurter Kovac den Münchner Hummels vor dem Pokalfinale 2018 als Schwachstelle ausgemacht hatte und lange Bälle in dessen Richtung schlagen ließ. Prompt rannte Ante Rebic dem Bayern-Star vor dem 2:1 davon. Das WM-Debakel wenige Wochen später hat auch Hummels' Wahrnehmung in der Öffentlichkeit weiter geschadet.

Als die Bayern dann im Herbst in die Krise schlitterten, mussten er und Abwehrpartner Jerome Boateng sich als "Altherrenfußballer" verspotten lassen. Boateng verlor seinen Platz in der Nationalmannschaft, Hummels jenen als Stammspieler des FC Bayern. Die Konsequenz: In der traditionellen Winter-Umfrage des kicker unter 214 Bundesligaprofis sahen die Kollegen Hummels (15,4 Prozent) und Boateng (13,6) als die "Absteiger der Hinrunde".

Während sich Boateng zum Jahreswechsel ebenso selbstkritisch wie kämpferisch ("Ich bin noch längst nicht am Ende") äußerte, zog sich Hummels in den Schmollwinkel zurück. Seine "persönliche Hinrundenbilanz" von 15 Spielen mit zwei Niederlagen ("9 Mal 'zu Null'") dürfe "jeder für sich selbst interpretieren", schrieb er vor wenigen Tagen bei Twitter.

Hummels scheint sein letzter Fürsprecher in München zu sein. "Er wird in der Rückrunde gesichert bei uns spielen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich. Ab Sommer plant der Rekordmeister offenbar nicht mehr zwingend mit dem früheren Dortmunder - trotz Vertrags bis 2021 (wie Boateng). Das zeigen auch die aktuellen Transferaktivitäten des FC Bayern.

Mit Benjamin Pavard (22/VfB Stuttgart) wurde für Sommer bereits ein möglicher neuer Partner für den gesetzten Niklas Süle verpflichtet, dessen französischer Weltmeisterkollege Lucas Hernandez (22/Atletico Madrid) dürfte folgen. Auch am Niederländer Matthijs de Ligt (19/Ajax Amsterdam) besteht weiter Interesse.

Hummels schweigt dazu. Während in Doha Führungsspieler wie Kapitän Manuel Neuer und Thomas Müller oder Joshua Kimmich als Anführer der Jungen Hof hielten, machte er sich rar - wie Boateng übrigens. Das Duo will schnellstmöglich wieder Leistungen sprechen lassen - wenn es denn darf.

(sef/sid)
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