FC Bayern München: Lucas Hernandez kann endlich mittrainieren

Bayerns Lucas Hernandez : Der Rekordtransfer kann endlich mittrainieren

Bayern München hat den teuersten Spieler in der Geschichte der Bundesliga verpflichtet: Lucas Hernandez. Der Franzose steht seit Dienstag im Mannschaftstraining.

Hasan Salihamidzic sah entspannt aus. Der Sportdirektor von Bayern München saß auf einer Bank vor einem weißen Fitnesszelt am Rande des Trainingsplatzes in Rottach-Egern, ab und an telefonierte er. Auf der anderen Seite der roten Laufbahn trainierte endlich der teuerste Spieler in der Geschichte der Bundesliga. Salihamidzic käme es freilich sehr gelegen, wenn Lucas Hernandez bald nur noch die Nummer zwei hinter Leroy Sane wäre.

Für Hernandez, 23 Jahre alt, Weltmeister mit Frankreich, hat der FC Bayern die Rekordsumme von immerhin 80 Millionen Euro an Atletico Madrid überwiesen. Sane wäre erheblich teurer, ob er kommt, wird vielleicht am Donnerstag etwas klarer werden: Ab 18.00 Uhr MEZ dürfen die 20 Klubs der Premier League keine Spieler mehr verpflichten. Das bedeutet: Wenn Manchester City Sane tatsächlich gehen ließe und folglich Ersatz benötigte, müsste es ziemlich schnell gehen.

Auch bei Hernandez hat es ein wenig gedauert, ehe ihn die Münchner bekamen - und ehe er dann am Dienstag erstmals mit seinen neuen Mitspielern trainieren konnte. Grund für die Verzögerung: eine Innenbandverletzung, die unmittelbar nach seiner Verpflichtung Ende März operiert wurde. "Ich hoffe", sagte Hernandez dann Anfang Juli bei seiner Vorstellung in München, "dass ich zum Saisonstart zu hundert Prozent fit bin". Wie es aussieht, könnte das klappen.

"Er hat sich als Top-Spieler gezeigt", sagte Niklas Süle im Anschluss an die erste gemeinsame Einheit über den künftigen Nebenmann. Hernandez ist als Innenverteidiger eingeplant, er kann aber auch links in der Vierer-Abwehr spielen - wie beim Gewinn des WM-Titels mit Frankreich. Abwehrspieler mit seinen Qualitäten sind längst sündhaft teuer: Gerade hat Manchester United 87,5 Millionen Euro für Harry Maguire bezahlt, der FC Liverpool gab 2018 84,5 Millionen für Virgil van Dijk aus.

Auch beim FC Bayern glauben sie, dass sich die Erhöhung des Verteidigungsetats, aus dem außerdem die 35 Millionen Euro Ablöse an den VfB Stuttgart für Benjamin Pavard flossen, in Zukunft auszahlt. Hernandez jedenfalls genießt bereits einen sehr guten Ruf. "Er ist ein Kämpfer, ein Krieger", lobt der französische Nationaltrainer Didier Deschamps. "Der Stürmer Rummenigge hätte nur ungern gegen den Verteidiger Hernandez gespielt", sagt Münchens Klubchef Karl-Heinz Rummenigge.

Hernandez selbst erklärte im Bayern-Vereinsmagazin "51", es gebe auf dem Spielfeld "nichts, was mich unruhig oder nervös werden lässt". Und bereits als kleiner Junge habe er "zu kämpfen gelernt". Der Vater verließ die Familie früh. Sein Bruder Theo, der bei Real Madrid unter Vertrag steht, und seine Mutter Laurence mussten "immer an einem Strang ziehen". Vor allem seiner Mutter sei er "sehr dankbar, sie war immer für uns da. Wir konnten unseren Weg gehen."

Dieser Weg führte den in Frankreich geborenen und in Spanien aufgewachsenen Hernandez nur durch einen Zufall zu Atletico. Sein Bruder hatte im Alter von zehn Jahren ein Probetraining bei den "Rojiblancos". Lucas, ein Jahr älter als Theo, war als Zuschauer dabei und kickte mit einem Kumpel auf einem nahen Ascheplatz. Dies fiel einem Scout auf, der Lucas später bei seinem Heimatklub Rayo Majadahonda beobachtete - und los ging die Karriere.

Bei der Fortsetzung in München hilft ihm sein designierter Nebenmann. "Ich versuche mich bei Lucas etwas einzubringen", sagte Süle nach dem ersten Training: "Ich hatte Französisch in der Schule."

(sid/old)
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