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FC Bayern München: Josep Guardiola jammert über sein Lazarett

Der FC Bayern schlägt Alarm : Guardiola jammert über sein Lazarett: "Wir killen die Spieler"

Bayern München hat zahlreiche verletzte Spieler zu beklagen. Karl-Heinz Rummenigge hat deshalb wieder einmal die vielen Länderspiele ins Visier seiner Kritik genommen.

Die VIP-Tribüne in der Allianz Arena ist derzeit fast prominenter besetzt als der Kader von Pep Guardiola. Auch beim Spitzenspiel gegen Sensations-Tabellenführer SC Paderborn am Dienstagabend sitzt neben Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wegen diverser Verletzungen fast eine halbe Weltauswahl.

Dem deutschen Rekordmeister fehlen derzeit neben Superstar Franck Ribery noch Weltmeister Bastian Schweinsteiger, die beiden Spanier Thiago und Javi Martinez sowie Holger Badstuber. Auch Arjen Robben ist vor der Partie mal wieder angeschlagen.

"Wir verlangen zu viel"

Grund genug für die Bayern, erneut Alarm zu schlagen und eine Reduzierung der Länderspiele zu fordern — zumal auch andere Spitzenklubs in Europa nach der Weltmeisterschaft in Brasilien vom Verletzungspech verfolgt werden. "Wir verlangen zu viel von den Spielern. Wir killen sie. Die großen Vereine verlieren Punkte, sie sind müde, brauchen Zeit", sagte Trainer Pep Guardiola am Montag über die Schwierigkeiten, mit denen auch Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Schalke 04 zu kämpfen hätten. BVB-Trainer Jürgen Klopp pflichtete Guardiola bei.

Klar, in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA hätten die Spieler auch viele Spiele, gab Guardiola zu. "Aber die haben auch fünf Monate Urlaub." Seine Weltmeister dagegen: "Zwei Wochen!" Die Fans erwarteten "frische Beine, einen frischen Kopf", doch das sei bei diesem Rhythmus unmöglich. "Die Spieler brauchen Luft zum Atmen", äußerte Guardiola. Es klang wie ein Hilferuf.

Laut Rummenigge hat "die Belastung der Spieler ein gesundes Maß längst überschritten und ist am absoluten oberen Limit angelangt". Dafür seien "die Dachverbände mit ihrer Flut von Länderspielen verantwortlich", kritisiert er vor dem Paderborn-Spiel im Bayern-Magazin.

Der Vorsitzende der Europäischen Klub-Vereinigung ECA fordert deshalb erneut die Fifa und Uefa auf, "dieser Entwicklung dringend Einhalt zu gebieten". Er appelliere, "den Fußball zugunsten der Spieler zu verbessern und dieser Hatz ein Ende zu setzen".

Während die Bundesliga mit einer Ausnahme nach der Wiedervereinigung bei 18 Vereinen geblieben sei und die Champions League die Zahl der Spiele sogar reduziert habe, würden die Verbände "sofort jede Lücke im Terminkalender mit neuen Länderspielen okkupieren".

Zu viele Länderspiele?

Rummenigge bemühte die Statistik. Ein Franz Beckenbauer habe in seiner Karriere "rechnerisch 8,5 Spiele pro Jahr" bestritten, ein Thomas Müller käme derzeit auf etwa 13, "und das Rad wird immer noch weiter gedreht".

In der Tat: Künftig wird etwa die Europameisterschaft mit 24 Teams ausgetragen. Aus "Freundschaftsspielen wird der Nations Cup", auch die Copa America 2016 werde "aufgeblasen", monierte Rummenigge, der sich bei seiner Kritik breiter Unterstützung auch bei den (deutschen) Spitzenklubs sicher sein kann.

Den Preis für die "ausufernden Termine" bezahlen laut Rummenigge nämlich Spieler — und Vereine. "Die Regenerationsphasen reichen längst nicht mehr aus", betonte der 58-Jährige: "Es kann nicht angehen, dass wir irgendwann 40 Spieler unter Vertrag nehmen müssen, um einigermaßen qualitativ hochwertig durch die Saison zu kommen."

Derzeit sind es 25 Profis inklusive Mehdi Benatia und Xabi Alonso, die eigens wegen der Verletzten-Misere nachgekauft wurden. Wie lange Ribery noch fehlt, ist schwer einzuschätzen. Schweinsteiger und Badstuber fallen noch mehrere Wochen aus, Martinez kehrt frühestens zu Beginn 2015 zurück. Lediglich bei Thiago gibt es Hoffnung: Der Spanier hatte zuletzt wieder leicht trainieren können. Vielleicht wird schon bald ein Platz auf der Tribüne frei.

(sid)