FC Bayern München: Diese Trainer saßen 1987 beim Heynckes-Debüt auf der Bank

30 Jahre nach Heynckes' Bayern-Debüt : Die Klasse von 1987

Jupp Heynckes ist zurück beim FC Bayern München. Der 72-Jährige beginnt gut 30 Jahre nach seiner Bayern-Premiere seine vierte Amtszeit beim Rekordmeister mit dem Heimspiel gegen den SC Freiburg. Doch wer waren eigentlich seine Trainerkollegen von 1987?

Aus der Klasse von 1987 sind neben Heynckes lediglich drei Trainer überhaupt noch im Geschäft, einer davon als Cheftrainer: Winfried "Winnie" Schäfer. Schäfer, seines Zeichens für das legendäre Karlsruher Europapokal-Wunder 1993 gegen den FC Valencia verantwortlich, trainiert seit wenigen Tagen den iranischen Erstligisten Esteghlal Teheran. Warum das vergleichbar mit Heynckes' Job an der Säbener Straße ist? Weil Schäfer das selbst so erklärt: "Mein Klub, die Blauen, ist so in etwa das Bayern München von Iran."

Und die anderen zwei? Die haben auch eine besondere Beziehung zu Heynckes und den Bayern. Da wäre zum einen Hermann Gerland. Der "Tiger" sitzt gegen Freiburg neben Heynckes auf der Bayern-Bank. Als Co-Trainer. Das war Heynckes' Bedingung für sein Comeback. Bliebe noch der Dritte im Bunde: Christoph Daum will ebenfalls nichts von Rente wissen. Momentan ist der große Motivator — als Trainer des 1. FC Köln brach er einst im Titelkampf einen unvergleichlichen Streit mit Heynckes vom Zaun, der in einem legendären Showdown der Protagonisten im ZDF-Sportstudio gipfelte — arbeitslos.

Die Trainer des 1. Bundesliga-Spieltags 1987/88 im Überblick:

Bayer Leverkusen - Waldhof Mannheim 1:0

Erich Ribbeck: "Sir Erich", heute 80 Jahre alt, ist schon seit Jahren raus aus dem Geschäft. Seine letzte Station war der Deutsche Fußball-Bund (DFB), bei dem er 1998 unterschrieb. Den Job des Bundestrainers bekam Ribbeck, der schon Mitte der 90er aus dem Trainergeschäft ausgestiegen war, ohnehin nur, weil der designierte Bundestrainer Paul Breitner über ein kritisches Interview stolperte, noch bevor er überhaupt offiziell im Amt war. Nach der verkorksten EM 2000 musste Ribbeck gehen — und kehrte dem Fußball endgültig den Rücken. 1988 holte er mit Leverkusen den Uefa-Pokal, 1992 wurde er Nach-Nachfolger von Heynckes bei den Bayern. Heute pendelt er zwischen seinen Wohnorten Pulheim und den Kanarischen Inseln.

Felix Latzke: Felix wer? Deutschen Fußball-Fans dürfte Latzke kein großer Begriff sein, denn beim SV Waldhof war der Österreicher, der auf Kult-Trainer Klaus Schlappner folgte, lediglich eineinhalb Jahre tätig. Ihm gelang es damals nicht die prominenten Abgänge von Jürgen Kohler, Maurizio Gaudino und Fritz Walter aufzufangen. Der 72-Jährige saß zuletzt 2010 beim österreichischen SC Münchendorf auf der Bank.

Bayer Uerdingen - 1. FC Nürnberg 0:2

Horst Köppel: Köppel, der als Spieler mit Gladbach fünf Meisterschaften gewann, trainierte nach Uerdingen noch Borussia Dortmund, Fortuna Düsseldorf, den FC Tirol Innsbruck, die Urawa Red Diamonds, Borussia Mönchengladbach, Al Wahda FC aus Abu Dhabi und den FC Ingolstadt. Mit den Schanzern stieg Köppel 2008/09 aus der 2. Bundesliga ab und wurde nach einem schwachen Saisonstart 09/10 entlassen. Es war Köppels letzte Station. Mittlerweile lebt Köppel im norddeutschen Großheide, der Borussia aus Mönchengladbach ist er aber immer noch verbunden. Nach eigener Aussage trägt er die Raute immer noch im Herzen und verpasst nahezu kein Heimspiel der "Fohlen", für die er neun Jahre spielte.

Heinz Höher: Höher, ein echtes Kind der Bundesliga, befand sich 1987 schon im Spätherbst seiner Trainerkarriere. 1988 war in Nürnberg Schluss, danach ging es für ihn für ein Jahr zu al-Ittihad aus Saudi-Arabien, ehe sein Trainer-Comeback 1996 beim VfB Lübeck mit einem Kreislaufkollaps auf dem Trainingsplatz am ersten Tag jäh endete. Der gebürtige Leverkusener lebt heute in Franken, ist seit 2010 trockener Alkoholiker. 2013 landete er gemeinsam mit dem Buchautor Ronald Reng zum 50-jährigen Jubiläum der Bundesliga mit dem Buch "Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga" einen großen Erfolg.

VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach 1:2

Hermann Gerland: Der heutige Co-Trainer von Jupp Heynckes war beim Bayern-Debüt seines Chefs selbst Cheftrainer in der Bundesliga. Nach seiner Zeit beim VfL Bochum, für den er auch schon als Spieler tätig war, trainierte er noch Nürnberg, die Bayern-Amateure, Tennis Borussia Berlin, Arminia Bielefeld und den SSV Ulm. Seine Bilanz als Bundesligatrainer liest sich mit 42 Siegen, 53 Unentschieden und 68 Niederlagen eher bescheiden, doch seine Verdienste im Nachwuchsbereich sind unbestritten. 2009 wurde der heute 63-Jährige erstmals unter Heynckes bei den Bayern Co-Trainer und behielt diesen Job bis zur laufenden Saison. Der "Tiger" sollte die Leitung im neuen Nachwuchsleistungszentrum der Bayern übernehmen, springt nun aber wieder seinem Freund Heynckes zur Seite.

Wolf Werner: Werners Trainerlaufbahn ist überschaubar. Von 1979 bis 1987 arbeitete er als Co-Trainer von Heynckes in Mönchengladbach, dann beerbte er Heynckes, den es erstmals nach München zog. Er wurde mit Gladbach einmal Sechster, einmal Siebter, ging jedoch in die Vereinsgeschichte als erster Trainer ein, der vorzeitig beurlaubt wurde. Es folgten nur noch kleinere Stationen, ehe Werner die Manager-Laufbahn einschlug. Von 2007 bis 2014 war der heute 75-Jährige in dieser Funktion bei Fortuna Düsseldorf tätig.

Karlsruher SC - 1. FC Köln 1:1

Winfried Schäfer: "Früher war man mit 60 alt, aber heute ist 60 kein Alter mehr. Gerade als Trainer ist man in den besten Jahren, wie man an Jupp Heynckes (...) sieht", erkannte Schäfer schon 2010 mit Weitblick in einem Interview. Schäfer blieb dem KSC nach 1987 noch viele Jahre treu. Erst 1998 verließ er den Wildpark. In Stuttgart und bei TeBe Berlin konnte er nicht an seine Erfolge aus Karlsruhe anknüpfen. Danach startete Schäfer seine Reise als Weltenbummler: Er trainierte Kameruns Nationalteam, Al-Ahli aus Dubai, Al Ain Club (VAE), FK Baku, die thailändische sowie die jamaikanische Nationalelf. Im Oktober 2017 heuerte er bei Esteghlal Teheran an, dem "FC Bayern von Iran", wie der 67-Jährige zuletzt erklärte.

Christoph Daum: Ebenfalls noch aktiv, allerdings derzeit arbeitslos ist Christoph Daum, der auf ein bewegtes Leben samt Karriere zurückblicken kann. Nach Stationen beim 1. FC Köln, VfB Stuttgart, Besiktas, Bayer Leverkusen, Austria Wien, Fenerbahce, Eintracht Frankfurt, FC Brügge und Bursaspor wurde er zuletzt bei der rumänischen Nationalmannschaft entlassen. Unrühmlicher Tiefpunkt seiner Laufbahn: die Kokain-Affäre, die ihm letztlich auch den Job als Bundestrainer kostete. Mit Heynckes verbindet Daum vor allem der Titelkampf 1989 und ein verbaler Schlagabtausch. Daum hatte Heynckes unter anderem mit einer Schlaftablette verglichen und gesagt, eine Wetterkarte sei interessanter als sein Gegenüber aus München. Uli Hoeneß sprang Heynckes im "Sportstudio" vor dem Spitzenspiel zur Seite und prophezeite Daums Ende nach dem Spiel. Die Bayern siegten in Köln 3:1 und wurden mit Heynckes Meister.

1. FC Kaiserslautern - Eintracht Frankfurt 2:2

Hannes Bongartz: Als Spieler erarbeitete er sich aufgrund seiner Statur den Spitznamen "Spargeltarzan", war als Trainer nach dem Rauswurf in Lautern im November 1987 noch in Wattenscheid, Duisburg, Mönchengladbach, erneut Wattenscheid und Siegen tätig. Abgeschlossen hat der 66-Jährige mit dem Fußball aber noch nicht, er arbeitet immer noch als Spielerberater. Sein größtes Hobby sind aber seine Pferde, seit 40 Jahren hält er Traber, reitet regelmäßig und sitzt auch heute noch häufig selbst im Sulky.

Karl-Heinz Feldkamp: "Kalli" Feldkamp, dem 1986 mit Uerdingen gegen Dresden das legendäre "Wunder von der Grotenburg" gelang, heuerte 87/88 in Frankfurt an, bevor er seine Auslandskarriere in Kairo und Istanbul startete. Besonders in der Türkei machte sich Feldkamp einen Namen, wird noch heute von Galatasaray-Anhängern regelrecht verehrt. Der 83-Jährige lebt mit seiner Familie seit Jahren in Andalusien, ganz in der Nähe von Marbella.

Hannover 96 - Werder Bremen 0:1

Jürgen Wähling: Der 67 Jahre alte Hamburger trainierte von 1986 bis 1988 Hannover 96. Nach dem Bundesliga-Abstieg hielt er mit den Niedersachsen souverän die Klasse, doch in der folgenden Saison wurde ihm ein Fehlstart zum Verhängnis. Der Job in Hannover sollte seine letzte Trainerstation in der Bundesliga sein. Wähling wurde später noch Manager beim FC St. Pauli und versuchte sich 1999 kurzzeitig als Trainer in der Türkei bei Trabzonspor.

Otto Rehhagel: Die Erfolge von "König Otto" sind bekannt. Bis 1995 blieb er in Bremen, nach seinem Scheitern beim FC Bayern 95/96 schrieb Rehhagel mit dem 1. FC Kaiserslautern Bundesliga-Geschichte, als er 97/98 erstmals einen Aufsteiger zur Meisterschaft führte. Nach seiner Zeit bei den "Roten Teufeln" gelang ihm auf seiner nächsten Station das nächste Fußball-Wunder: Als "Rehakles" gewann er mit der griechischen Nationalmannschaft 2004 sensationell den EM-Titel. 2011/12 wagte er sein Bundesliga-Comeback, konnte aber mit Hertha BSC den Abstieg nicht verhindern. In der Relegation scheiterten die Hauptstädter spektakulär an Fortuna Düsseldorf. Nach dem Platzsturm der rheinischen Fans hatte Hertha Protest eingelegt, bei der Verhandlung gab Rehhagel zu Protokoll, "nicht so richtig Angst" gehabt zu haben, sondern "Halbangst".

Hamburger SV - FC Schalke 04 5:2

Josip Skoblar: Die Trainergeschichte des jugoslawischen WM-Teilnehmers von 1962 in der Bundesliga war nach 15 Spielen beim HSV auserzählt. Skoblar legte mit dem damaligen Vizemeister und Pokalsieger einen Fehlstart hin. Mitverantwortlich: Der von Skoblar verpflichtete und überaus unglücklich agierende Torhüter Mladen Pralija. Er kassierte in 14 Spielen 30 Tore. Nach dem HSV trainierte Skoblar noch Dinamo Zagreb, Real Valladolid, Hajduk Split und Olympique Nimes. Sein letztes Traineramt übernahm der heute 76-Jährige im Jahr 2000: das libanesische Nationalteam.

Rolf Schafstall: Der gebürtige Duisburger, der heute in Krefeld lebt, blickt auf zahlreiche Trainerstationen und eine belebte Karriere zurück. Seine größten Erfolge feierte der "harte Hund" in Bochum (1981 - 1986) als er mit dem VfL den Mythos der "Unabsteigbaren" begründete. 1999 sorgte er bei Dynamo Dresden für Negativ-Schlagzeilen, als er in einem "Spiegel"-Interview Ostdeutsche beleidigte und nach 57 Tagen entlassen wurde. 2001 kehrte er ein drittes Mal nach Bochum zurück, er konnte diesmal aber nicht den Abstieg verhindern. Heute verfolgt er Fußball nur noch im heimischen Wohnzimmer: "Der VfL Bochum oder Fortuna Düsseldorf wären in der Nähe, aber was soll ich da? Da ist eh nichts mehr los", sagte er anlässlich seines 80. Geburtstags im Februar 2017.

VfB Stuttgart - FC Homburg 2:1

Arie Haan: Als Spieler erreichte der Niederländer gleich sieben Mal ein Europapokal-Endspiel, wurde 1974 und 1978 Vize-Weltmeister mit Oranje. Als Trainer war er weniger erfolgreich. Nach zwei Stationen in Belgien heuerte Haan 1987 in Stuttgart an, 1989 verlor er mit den Schwaben das Finale des Uefa-Cups gegen Neapel mit Diego Maradona. Nach Stuttgart trainierte er noch ein Jahr Nürnberg in der Bundesliga, bevor Haan als Trainer regelrecht zum Weltenbummler avancierte: Thessaloniki, Nikosia, Wien, Teheran und drei Klubs in China waren vorübergehend sein sportliches Zuhause. Außerdem trainierte er noch die Nationalmannschaften Chinas, Kameruns und Albaniens. 2016 wurden beim damaligen 67-Jährigen Herzrhythmusstörungen festgestellt, weshalb Haan seine Karriere beendete.

Uwe Klimaschefski: Das Magazin "11Freunde" schrieb über ihn: "Uwe Klimaschewski ist der Mario Balotelli der deutschen Trainerszene. Mit einem Unterschied: Die meisten Geschichten über ihn stimmen." Damit ist eigentlich schon alles über "Klima", einst als beinharter Verteidiger gefürchtet, gesagt. Oder doch nicht? Franco Foda sagte einmal: "Wer unter Klimaschefski ein Jahr durchhält, der ist einen großen Schritt weiter im Leben gekommen und braucht sich vor nichts mehr zu fürchten." Die großen Trainer-Erfolge blieben dennoch aus, beim SV Darmstadt 98 hatte er im April 1990 zudem ein regelrechtes Kurz-Gastspiel, es dauerte lediglich fünf Tage. Heute lebt der 78-Jährige mit seiner Familie in Homburg.

Borussia Dortmund - Bayern München 1:3

Reinhard Saftig: Über die Co-Trainerstelle bei den Bayern unter Pal Csernai arbeitete sich Saftig nach oben, wurde Chefcoach in München, beim BVB, in Hannover, Bochum, Leverkusen, Mainz und in der Türkei. Seine letzte Station im deutschen Profifußball war Arminia Bielefeld, wo er von 2005 bis 2008 als Sportgeschäftsführer tätig war. Der Kontakt zu seinen früheren Klubs ist abgerissen, doch das stört den 65-Jährigen nicht. "Ich hatte meine Zeit", sagt er heute ganz ohne Groll.

Jupp Heynckes: Seine Zeit gehabt zu haben schien eigentlich auch "Don Jupp". Doch dann meldete sich sein Freund Uli Hoeneß und holte Heynckes zurück aus dem wohl verdienten Ruhestand. Nun steht der Triple-Sieger von 2013 vor einer schweren Mission, soll den zuletzt kriselnden Rekordmeister wieder zu Titeln führen. Heynckes bleibt bis zum Sommer. Dann, sagt er, ist endgültig Schluss.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das waren die Trainer beim Bayern-Debüt von Heynckes

(can)
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