FC Bayern München: Abschied von Uli Hoeneß - ein Brief an den scheidenden Präsidenten

Brief an scheidenden Bayern-Präsidenten : „Sie werden immer Uli Hoeneß bleiben“

Uli Hoeneß, 67, tritt am Freitag als Präsident des FC Bayern München ab. Fast 50 Jahre hat er in unterschiedlichen Funktionen im Dienst des Klubs gestanden. Ein Brief. Kein Abschied.

Lieber Uli Hoeneß,

kurz bevor Sie wegen Ihres Steuervergehens die Haft antraten, riefen Sie den Mitgliedern des FC Bayern München bei einer außerordentlichen Versammlung zu: „Das war’s noch nicht.“ Halb Drohung, halb Versprechen. Fünf Jahre später war’s das dann doch. Am Freitag haben Sie Ihren letzten Tag als Präsident des deutschen Rekordmeisters. Sie haben dieses Ereignis selbst mit allerhand Tamtam befeuert.

Ein Uli Hoeneß geht niemals durch den Hintereingang. Das unterscheidet Sie von vielen in der Branche. Sie haben sich selten um Etikette geschert, wenn Sie von einer Sache überzeugt waren, dann hat Sie niemand aufgehalten. Sie haben so vielen Freude bereitet, aber auch einige hart getroffen.

Sie werden verehrt und gehasst – das ist bis heute so geblieben. Auch wenn es einsam um Sie geworden ist. Die Zahlenmenschen verdrängen die Gefühlsmenschen immer mehr. Sie sind mittlerweile mehr ein Alleinunterhalter in einer Branche, in der jedes Wort solange umgedreht wird, bis alles so weichgespült, so austauschbar ist. Sie wissen, dass Sie diese Entwicklung nicht aufhalten können und dass für Sie in dieser neuen Welt der Platz immer kleiner wird.

Sie haben lange an der Macht festgehalten. Doch Sie sehen, dass der Markt sich immer radikaler verändert. Und nicht mehr so funktioniert, wie sie es immer geschätzt haben: nach dem Gefallen-Prinzip, wie in einer Familie, wenn der Patriarch eine Bitte äußert.Ihr Netzwerk aus guten Freunden hat vieles leichter gemacht. Das Fundament des FC Bayern ist stark genug, dass es etliche Fehler zulässt, ohne dass gleich Einsturzgefahr besteht. Ihr Selbstverständnis lässt indes kein Scheitern zu. Doch das System hat sich grundsätzlich verändert.

Der Fußball hat sich verändert. Nicht mehr der FC Bayern kauft den Markt leer und kann Konkurrenten systematisch schwächen, indem er die besten Akteure wegholt. Es sind längst neue Wettbewerber dazugekommen – vor allem aus England, aber auch Spanien und Italien. Und auch die von Investoren unterstützten Klubs in der Bundesliga. Sie geben Ihr Amt im Verein ab, aber Sie bleiben auf Lebzeiten Vorsitzender der von ihnen aufgebauten Abteilung Attacke.

Natürlich war’s das noch nicht. Sie werden in Talkshows sitzen und sich zu diesem und jenem äußern. Und wenn Sie nicht eingeladen sind, rufen Sie einfach an. Sie werden immer Uli Hoeneß bleiben. Halb Drohung, halb Versprechen.

(gic)
Mehr von RP ONLINE