FC Bayern: Die Münchner straucheln im Titel-Endspurt, Niko Kovacs Zukunft offen

Trotz guten Chancen auf das Double : Kovacs Zukunft bleibt ungewiss

Kein Tor, kein Titel: Bayern München hat den vorzeitigen Gewinn der deutschen Meisterschaft in Leipzig verpasst. Uli Hoeneß fand im Videoschiedsrichter einen Schuldigen. Karl-Heinz Rummenigge vermied indes erneut ein klares Bekenntnis zu Niko Kovac.

Uli Hoeneß genehmigte sich nach der ganzen Aufregung erstmal ein Kaltgetränk, als er im abgedunkelten Mannschaftsbus angeregt mit Karl-Heinz Rummenigge debattierte. Mit Sicherheit ging es nach dem 0:0 von Bayern München bei RB Leipzig um den vergebenen Meister-Matchball und das aberkannte Tor von Leon Goretzka, über das sich Hoeneß leidenschaftlich echauffierte. Vielleicht aber auch um die Zukunft von Trainer Niko Kovac.

Denn wenige Minuten zuvor hatte Rummenigge vor den TV-Kameras ein klares Bekenntnis zum Coach erneut vermieden. "Ich bin kein Freund dieser Garantien und auch nicht davon, die Spieler und den Trainer nur zu loben. Ich habe festgestellt: Manchmal wird das mit Bequemlichkeit bezahlt und das ist bei Bayern München nicht der richtige Weg", sagte der Vorstandsboss, der schon in den vergangenen Wochen oft nach Kovac gefragt wurde, sich aber nie klar für einen Verbleib aussprach.

Einige Stunden später antwortete auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic im ZDF-Sportstudio auf die gleiche Frage nur sehr vage. Der Trainer, dessen Vertrag bis 2021 läuft, habe "die volle Unterstützung", so der 42-Jährige, der jedoch auf mehrfache Nachfrage Kovacs Verbleib über den Sommer hinaus nicht bestätigen wollte. "Die Fakten sprechen für Niko Kovac", sagte Salihamidzic: "Wir werden sehen."

Das Schicksal des Trainers wird voraussichtlich stark mit dem Ausgang der Bundesligasaison und des DFB-Pokalfinals am 25. Mai gegen RB Leipzig verknüpft sein. "Wenn wir Meister werden, wird es eine Zwei plus. Wenn nicht, war das eine Scheiß-Saison", sagte Salihamidzic.

Nach dem Remis von Leipzig und dem 3:2-Sieg von Verfolger Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf hat Bayern vor dem letzten Spieltag am kommenden Samstag zwei Punkte Vorsprung. Die Münchner treffen auf Kovacs Ex-Verein Eintracht Frankfurt, der BVB reist zu Borussia Mönchengladbach.

Dass nicht schon am Samstag in Leipzig mit Weißbier geduscht werden durfte, lag auch an dem Treffer, den Goretzka in der 50. Minute per sehenswertem Scherenschlag erzielt hatte, der aber wegen einer Abseitsstellung von Robert Lewandowski im Vorfeld von Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) nach Rücksprache mit dem Videoassistenten zurückgenommen wurde.

Zum Entsetzen von Hoeneß. "Das ist der Witz des Jahres", polterte der Präsident. Seine Bayern sah er wegen des "sogenannten Abseits" betrogen.

Der 67-Jährige stieg sogar ein zweites Mal aus dem Bus aus, um mit Smartphone bewaffnet die Journalisten per Screenshot der fraglichen Szene von seiner Meinung zu überzeugen. "Das war keine klare Fehlentscheidung. Der Videobeweis ist dafür da, klare Fehlentscheidungen zu korrigieren. Es war gleiche Höhe", sagte Hoeneß.

An der Tatsache, dass die Bayern in Leipzig den ersten Matchball zum Titelgewinn vergeben hatten, änderte der Hoeneß'sche Ausbruch freilich nichts. Trainer Kovac ("Es war Abseits, darüber will ich jetzt gar nicht diskutieren") blickte viel lieber in die Zukunft und auf das Duell gegen "seine" Frankfurter.

"Das Leben schreibt die schönsten Geschichten", sagte Kovac mit Blick auf das Duell mit der Eintracht, mit der er im vergangenen Sommer den DFB-Pokal gewonnen hatte. Angesichts der klar besseren Tordifferenz reicht den Bayern ein Unentschieden, um erstmals seit 19 Jahren wieder im eigenen Stadion Meister zu werden.

"Die Stimmung wird sicher außerordentlich gut werden in München. Wenn es am Ende ein Happy End ist, kann ich damit leben, dass ich jetzt noch eine Woche warten muss", sagte Kovac.

Hoeneß, das ließ er vor dem endgültigen Verschwinden in den Mannschaftsbus wissen, macht sich keine Sorgen über einen späten Meister-K.o. Er könne wunderbar schlafen, versicherte er, "weil ich weiß, dass, wenn sie so kämpfen und sich so reinhängen wie heute, sind wir am Samstag deutscher Meister."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Niko Kovac

(eh/sid)
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