DFB-Pokal-Finale ist für Ribéry und Robben der letzte Bayern-Auftritt

Finale für Bayerns Flügelzange : Abschied von Robbery

Franck Ribéry und Arjen Robben stehen beim DFB-Pokal-Finale gegen Leipzig zum letzten Mal in Bayerns Aufgebot. Dabei ist die legendäre Flügelzange beim Rekordmeister kaum wegzudenken.

Vielleicht denken sie manchmal zurück an diesen lauen Londoner Mai-Abend vor sechs Jahren. Bestimmt tun sie das, denn es war der größte Fußball-Moment von Franck Ribéry und Arjen Robben. Er trug sich kurz vor dem Abpfiff des Champions-League-Finales zwischen Bayern München und Borussia Dortmund zu.

Es stand 1:1. Da schlug Jerome Boateng einen seiner berühmten langen Bälle in den Dortmunder Strafraum. Ribéry nahm den Ball an, legte ihn mit der Hacke für Robben auf, der Holländer ignorierte die Reste der BVB-Innenverteidigung und streichelte den Ball gegen die Abwehrbewegung von Torwart Roman Weidenfeller ins Netz. Die Münchner gewannen das deutsche Endspiel, zuvor waren sie bereits Meister geworden, und anschließend holten sie noch den DFB-Pokal. Für Robben und Ribéry war das die Krönung. Am Samstag nehmen die beiden, die zehn Jahre zusammen das Spiel der Münchner prägten, im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig Abschied von den Bayern.

Der Niederländer und der Franzose stehen für einen Stilwandel, den ihr Klub vor zehn Jahren vollzog, als Robben von Real Madrid kam. Mit Ribéry bildete er, was die Fußball-Lehrbücher eine Flügelzange nennen. Seither kam das Spiel der Bayern über die Außenpositionen. Das war eine Revolution, denn die Münchner hatten sich seit ihrem Aufstieg zum erfolgreichsten deutschen Klub in den 1970er Jahren nahezu ausschließlich über die Mitte des Spielfelds definiert. Dort traten Franz Beckenbauer und Gerd Müller zu ihren legendären Doppelpass-Folgen an, dort regierten Lothar Matthäus, Stefan Effenberg und Michael Ballack. Die Flügel dienten allenfalls als Aufmarschzone für Mittelfeldspieler auf deren Weg zur beruflichen Bestimmung in der Mitte.

Robben und Ribéry schrieben diese Geschichte um. Fortan wurden Tore von den Flügeln vorbereitet oder in Einzelaktionen erzielt. Und das war gut so, denn der Fußball hatte am Ende der ersten Dekade der 2000er Jahre die Mitte derart verdichtet, dass sich nicht einmal Beckenbauer hier hätte durchschlängeln können.

Ribéry blieb im Hauptberuf Vorbereiter, in seinen Dribblings ging er mal links, mal rechts vorbei, mal mittendurch, ohne dass dafür jemand eine vernünftige Erklärung gehabt hätte. Er lief unermüdlich zu seinen Solos an, und wenn die Gegenspieler genug hatten und ratlos am Boden saßen, dann legte er gern für die Kollegen auf. Robben sieht sich eher als Solist mit eingebauter Abschlussgarantie. Seine bevorzugte Bewegung auf dem Platz ist als „Robben-Move“ in die Sportsprache eingegangen. Sie geht so: Er führt den Ball auf dem rechten Flügel mit dem linken Fuß, mit kurzen Kontakten und Stakkato-Schritten treibt er den Ball ein Stück nach innen, im höchsten Tempo legt er ihn am Gegner vorbei, und dann schießt er ihn in den gegenüberliegenden Torwinkel. Jeder weiß, wie er das macht, aber niemand, wie es zu verhindern ist.

Dadurch hat er viele Spiele der Bayern entschieden, aber er hat sich auch lange wenige Freunde gemacht, weil sein Hang zum Eigensinn nie zu übersehen war. 2012 pfiffen ihn eigene Fans aus, weil er im Champions-League-Finale „dahoam“ und beim entscheidenden Bundesliga-Spiel in Dortmund jeweils einen Elfmeter verschoss. Sein Tor in London trug ihn zurück ins Herz der Anhänger.

Ribéry hat dort seinen festen Platz. Er ist viel mehr Mann des Volkes als der Vernunftmensch Robben. Und das liegt nicht nur an seinem an den besten Tagen unwiderstehlichen Spiel, sondern auch an seinen Fehlern. Ribéry hat vieles falsch gemacht, meist außerhalb des Spielfelds. Er war mit Nationalelf-Kollegen in eine Sex-Affäre mit einer minderjährigen Prostituierten verwickelt, er schlug einen französischen Journalisten, und er beleidigte im Internet Menschen auf rüdeste Art, die ihn wegen der von ihm selbst inszenierten Posse um ein vergoldetes Steak kritisiert hatten. Die Fans lieben ihn trotzdem. Seine Aussetzer machen ihn nahbar. Als er 2010 bei einer Meisterfeier auf dem Rathausbalkon seine Vertragsverlängerung so verkündete: „Isch abe gemacht fünf Jahre mehr“, da schmolz das Volk begeistert dahin.

Der Volksheld aus Frankreich und der fliegende Holländer waren zehn Jahre ein perfektes Paar auf den Flügeln der Münchner. Die Bayern waren so wenig ohne die beiden vorstellbar wie einer der zwei ohne den anderen. „Robbery“ taufte der Boulevard das Team. Mit 35 Jahren geht es auseinander.

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