Der FC Bayern München ist fast wieder der Alte - ein Kommentar

Erfolge in Liga und Champions League : Die Bayern sind (fast) wieder die Bayern

In der Bundesliga läuft es für den FC Bayern München, in der Champions League stehen die Chancen auf das Weiterkommen gegen Liverpool gut. Vieles läuft richtig an der Säbener Straße. Aber ganz der Alte ist der FCB noch nicht.

Der FC Bayern hat in der Champions League das geschafft, was ihm viele nicht zugetraut hatten: Im Hinspiel beim FC Liverpool trotzte die Mannschaft den favorisierten Engländern ein 0:0 ab. Ja, dazu gehörte auch ein wenig Glück. Aber das ist immer im Spiel. Auch in der Bundesliga läuft es für den Rekordmeister wieder. Er ist auf drei Punkte dran an Tabellenführer Borussia Dortmund und im Meisterschaftskampf psychologisch sogar im Vorteil: Dortmund spielte zuletzt drei Mal in Folge unentschieden, das Wort Krise machte schon die Runde bei den blutjungen Schwarz-Gelben. Und die Münchner? Die gewannen neun der zehn vergangenen Bundesligaspiele – und sogar die, in denen sie schlecht spielten. Die Bayern sind wieder die Bayern. Fast zumindest.

Der Erfolg in Liverpool hat zweierlei gezeigt. Erstens: Die Ich-AGs bilden auf dem Platz wieder ein Kollektiv. Denn anders als mit einer mannschaftlich geschlossenen Defensivleistung kann man an der Anfield Road nicht ohne Gegentor bleiben. Ein Kollektiv waren die Bayern in dieser Saison nicht immer. Trainer Niko Kovac musste erst lernen, wie man aus Individualisten eine Mannschaft formt.

Zweitens: Die Mia-san-Mia-Haltung ist zurück beim FCB. Vorstandsboss Karl Heinz Rummenigge sagte nach dem Spiel wohlwollend, es habe in der Kabine keine Partystimmung gegeben, das habe ihm sehr gefallen. Warum? Schließlich war das doch ein Erfolg, der hätte bejubelt werden dürfen. Der ausbleibende Jubel zeugt von einem gesunden Selbstverständnis. Oder andersherum gedacht: Hätten die Bayern ein 0:0 ausschweifend gefeiert, hätten sie sich damit klein gemacht. Die Bayern geben schlichtweg nichts darauf, wie sie andere sehen. Diese Haltung hat sie immer stark gemacht.

Dass es bei den Bayern läuft, hat auch damit zu tun, dass sich die Oberen aktuell mal zurückhalten und ihrer Arbeit nachgehen. Statt mit wirren öffentlichen Auftritten für Unruhe zu sorgen, kümmern sie sich um den Kader für die kommende Spielzeit. Der französische Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart wird kommen, andere namhafte Zugänge sind im Gespräch. Der Kampf um die Plätze beim FCB der Zukunft hat schon in dieser Saison begonnen. Wer Teil davon sein will, tut gut daran, jetzt Leistung zu zeigen. Davon profitiert der Klub. Wer nicht mehr funktioniert, der wird aussortiert. Das haben die Bosse mehrfach betont. Also hängen sich die Wackelkandidaten rein.

Alles beim Alten ist an der Säbener Straße aber noch nicht. In den vergangenen Jahren erdrückten die Münchner ihre Gegner regelrecht. Das war vor allem unter Pep Guardiola so, der die Spieler im Training mit Taktik malträtierte und die Mannschaft so zu spielerischen Höchstleistungen trieb. Unter Niko Kovac kommt die Mannschaft insbesondere in Spitzenduellen bislang nur über den Kampf. Auch das hat das Liverpool-Spiel gezeigt. Kovac muss es nun schaffen, den Bayern auch spielerisch eine neue Identität zu geben. Im Moment kann er argumentieren, dass er dafür schlichtweg nicht die Mittel hat. Spätestens in der kommenden Saison aber wird er sie haben. Dann muss Kovac den nächsten Schritt machen als Trainer.

Aber ganz egal wie: Schon im Rückspiel brauchen die Bayern Tore. Sonst war das 0:0 von Liverpool nichts wert. Ohne Treffer hilft den Bayern auch kein Mia-san-Mia.