Bayern München: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge schimpfen auf den DFB

Hitzige Torwartdiskussion : Bierhoff kontert die Attacke der Bayern-Bosse

In der Diskussion um die Nationaltorhüter Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen attackieren Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den DFB scharf - Oliver Bierhoff konterte am Donnerstag.

Mit hochrotem Kopf und einem Bayern-Schal um den Hals startete Uli Hoeneß kurz vor Mitternacht seinen Frontalangriff auf den Deutschen Fußball-Bund. Dass sein Team kurz zuvor einen erfolgreichen Start in die Champions League hingelegt hatte, interessierte den Präsidenten des FC Bayern in diesem Moment nur noch am Rande. Überhaupt geriet das glanzlose 3:0 (1:0) der Münchner gegen Roter Stern Belgrad angesichts der Aufregung um die Nationaltorhüter Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen schnell zur Nebensache - zumal der DFB konterte.

"Ich hätte mir auch vom DFB mehr Unterstützung erwartet. Wir kriegen ständig vom DFB Theater. Erst die unwürdige Ausbootung der drei Spieler, die schlecht behandelt wurden. Jetzt mit Manuel Neuer. Wir haben eine klare Meinung und werden uns das in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler ohne Grund beschädigt werden", polterte Hoeneß am späten Mittwochabend in der Allianz Arena und sorgte in der Debatte für eine neue Eskalationsstufe.

Einmal im Abteilung-Attacke-Modus, legte der 67-Jährige in Richtung Verband und Bundestrainer Joachim Löw vehement nach: "Wir werden den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben. Das können wir." Der DFB hätte es gar nicht "zulassen dürfen, dass ein Mitspieler in die Öffentlichkeit geht mit einem Thema, das er nur mit Jogi Löw zu besprechen hat".

Vorwürfe, die DFB-Direktor Oliver Bierhoff "überraschen", wie er dem SID sagte: "Und ich habe dafür auch kein Verständnis. Man muss sich da schon die Fakten anschauen." Gerade Löw bringe seinen Spielern "immer wieder höchste Wertschätzung entgegen". Die Hierarchie im Tor sei vom Bundestrainer klar festgelegt, ergänzte Bierhoff: "Er hat schon Ende letzten Jahres gesagt, dass er bis zur EM auf Manu baut, wenn nichts Außergewöhnliches passiert. Ich weiß nicht, ob man das ständig wiederholen muss." Neuers jüngste Leistungen sprächen "doch absolut für ihn", meinte Bierhoff.

Vor Hoeneß hatte sich schon Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge von der angeblich abwartenden Haltung des DFB "irritiert" gezeigt. "Da wird nie so richtig Klartext gesprochen. In der Öffentlichkeit lässt man das wabern", sagte Rummenigge bei Sky. Das Thema werde "zum Teil schon auf dem Rücken von Manuel ausgetragen, und das finde ich nicht fair".

Zumal Barcelonas seit Monaten überragender Torwart ter Stegen doch "überhaupt keinen Anspruch" habe, in der Nationalmannschaft zu spielen, wie Hoeneß befand. Da gebe es doch "gar keine Diskussion für irgendjemanden auf der Welt, dass Manuel Neuer in Deutschland im Tor steht. Er wird immer der Beste sein", betonte der scheidende Bayern-Präsident.

Neuer selbst freute sich über die lautstarke Unterstützung der Bayern-Bosse: "Das ist immer gut." Ansonsten habe er aber keine Lust mehr, "Debatten zu führen. Ich will meinen Job erledigen und meinen Mannschaften als Kapitän helfen." Ende der Diskussion? Wohl kaum!

"Die Diskussionen bringen keinen weiter, aber wir haben Unterhaltung im Land", sagte Thomas Müller. Und außerdem, fügte er schmunzelnd an, hatte der deutsche Fußball "doch immer gute Zeiten, wenn wir eine Torhüterdiskussion hatten".

Dass die Bayern zuvor glanzlos, aber erfolgreich in die Königsklasse gestartet waren, ging bei so viel DFB-Löw-Neuer-ter-Stegen in der Allianz Arena nahezu unter. "Wir können sehr zufrieden sein", sagte Trainer Niko Kovac trotz einer wenig überzeugenden Vorstellung. Nach der Führung durch Kingsley Coman (34.) hatten Robert Lewandowski (80.) und Müller (90.+1) gegen biedere Belgrader erst spät den "standesgemäßen" (Kovac) Erfolg herbeigeführt.

Immerhin deutete Philippe Coutinho in einigen Szenen an, dass er der erhoffte Spielgestalter sein kann. Kovac stellte ein "richtig gutes Spiel" des Brasilianers heraus. Coutinho gebe den Aktionen seiner Mannschaft "mit seiner Fußballintelligenz eine andere Dimension". Müller, der mit seinem 106. Einsatz zum Münchner Rekord-Champions-League-Spieler aufstieg, lobte die "super Qualität" seines Kontrahenten. Der aufgebrachte Uli Hoeneß hatte die Allianz Arena da schon längst verlassen.

(mja/SID)