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Bayer Leverkusen: Youngster Brandt: "Ich lebe von meiner Schnelligkeit"

Bayer Leverkusen : Youngster Brandt: "Ich lebe von meiner Schnelligkeit"

Julian Brandt sitzt lässig auf einer Couch im Lounge-Bereich des Cascade-Resort. Um ihn herum haben sich die Journalisten gruppiert. Es ist Brandts erster Medientermin seit seinem vielbeachteten Wechsel von Wolfsburg nach Leverkusen vor wenigen Tagen.

Doch von Nervosität ist beim 17-Jährigen nichts zu spüren. Hier sitzt ein geerdeter, aber nichtsdestotrotz selbstbewusster Junge, der als einer des größten deutschen Talente gilt. "Ich sehe das halbe Jahr als Vorsprung für meine Eingewöhnung. Man kann es einen Bonus nennen", sagt der gebürtige Bremer zu der Tatsache, dass sich sein ehemaliger und sein neuer Verein darauf verständigen konnten, ihn, Brandt gegen Zahlung einer nicht genannten Ablöse schon jetzt, vor der Rückrunde zu transferieren.

Im Trainingslager von Bayer 04 soll er sich herantasten an die Werkself. Levin Öztunali hilft ihm dabei. "Levin hat mir viel gezeigt. Wir kennen uns ja seit der U15. Ich bin aber sowieso von der Mannschaft überragend aufgenommen worden. Es war sehr liebevoll", erzählt Brandt. Kapitän Simon Rolfes ist schon mal positiv aufgefallen, dass der Neue nicht permanent mit dem Smartphone herumläuft und "nicht mit der PlayStation verheiratet ist".

Ein Bild vom Interview - im Vordergrund sitzt RP-Redakteur Stefan Klüttermann, der für unsere Redaktion aus Portugal berichtet. Foto: KSmedianet

Chelsea, Mailand, die Bayern, Dortmund — viele Spitzenclubs wollten den Offensivspieler verpflichten, doch Julian und sein Vater entschieden sich letztlich für Bayer 04. "Ein großer Grund war, dass ich einfach etwas Neues erleben wollte — einen neuen Verein, eine neue Stadt, eine neue Aufgabe. Ich war zweieinhalb Jahre in Wolfsburg, und irgendwie wusste ich, ich kenne jetzt alles", sagt Brandt, der die Schule (erstmal) mit dem erweiterten Realschulabschluss verlassen hat und zunächst einmal im Lindner-Hotel in der BayArena wohnt. Die Eltern bleiben in Bremen.

Wenn Brandt über seine Stärken erzählt — als Schwächen nennt er Defensivarbeit und Kopfballspiel —, meint man, man höre einem Double von André Schürrle zu. "Ich lebe von meiner Schnelligkeit und davon, von der linken Seite mit meinem rechten Fuß nach innen zu ziehen", sagt er. Doch noch lieber als seinen Vor-Vorgänger in Leverkusen sieht Brandt jemand anderem beim Fußball spielen zu: Marco Reus. "Früher fand ich Diego überragend, weil ich ja aus Bremen komme", sagt er.

Brandt hat Erwartungen. Ganz klar. Allerdings vor allem an sich selbst. "Ich habe an mich selbst die Erwartung, dass ich alles gebe. Ich habe jetzt nicht die Erwartung, dass ich sofort am ersten Spieltag eine Minute kriege oder fünf", sagt er. Als Durchgangsstation sieht er Bayer 04 in der Karriereplanung beileibe nicht. "Bis jetzt plane ich nur bis zum nächsten Verein. Und das ist Bayer. Ich habe hier ja auch noch viele Jahre vor mir", sagt er.

Ob er das kommende halbe Jahr allerdings gemeinsam mit dem zweiten Neuzugang Ryu Seung-Woo bei Bayer 04 verbringen wird, steht noch nicht fest. Die Verantwortlichen im Werksklub spielen mit dem Gedanken, den koreanischen Wirbelwind eventuell bis Sommer an einen deutschen Zweitligisten auszuleihen. Im Test gegen Heerenveen hatte der kleine Tempodribbler mit seinen Aktionen jedenfalls schon mal gezeigt, was man von ihm erwarten kann.