Werkself bleibt ungeschlagen Alonsos Ansage löst Bayers Handbremse

Leverkusen · Das 1:1 beim VfB Stuttgart ist für Bayer Leverkusens Trainer Xabi Alonso ein Lehrstück, wie es nicht laufen darf, wenn ein Gegner ordentlich Druck macht. Der Coach findet in der Pause klare Worte – und initiiert damit die Wende.

Auch Leverkusens Florian Wirtz – hier im direkten Duell mit Stuttgarts Atakan Karazor (l.) – fand erst nach der Halbzeitpause zu seinem Spiel.

Auch Leverkusens Florian Wirtz – hier im direkten Duell mit Stuttgarts Atakan Karazor (l.) – fand erst nach der Halbzeitpause zu seinem Spiel.

Foto: dpa/Tom Weller

Fans der Werkself werden sich bisweilen verblüfft die Augen gerieben haben. Dass ihre Mannschaft dermaßen unter Druck gerät, wie in der ersten Halbzeit beim VfB Stuttgart, hatten sie lange nicht mehr erlebt. Die Gastgeber pressten forsch gegen den Tabellenführer, sie spielten gedankenschnell, präzise, und vor allem unbeeindruckt von der Formstärke des Gegners – und dessen Status als letztes noch ungeschlagenes Team in den besten Ligen Europas. Der hat nach dem 1:1 (0:1) bei den Schwaben zwar weiterhin bestand, doch er wackelte bedenklich.

„Das war nicht gut. Wir hatten Probleme mit dem Druck der Stuttgarter. Das Beste an der ersten Halbzeit war das Ergebnis“, sagte Trainer Xabi Alonso nach der Partie. „Wir haben in der Pause taktisch ein bisschen umgestellt und dann war es etwas total anderes – mit guter Kontrolle und mehr Chancen für uns. Der Flow von Stuttgart ist super, das haben wir alle gesehen. Das Ergebnis ist aber fair.“ Neben der Umstellung von Vierer- auf eine Dreierkette waren es aber auch die klaren Worte des Spaniers, die Bayers Profis in der Kabine wachrüttelten.

Seine Mängelliste für die ersten 45 Minuten war lang: im Zentrum zu wenig Ruhe und zu viele Ballverluste, auf der rechten Seite zu viel Druck des Gegners und insgesamt nicht die richtige Energie für ein Topspiel. „Das ist etwas, was wir analysieren und für die Zukunft korrigieren“, kündigte Alonso an. Er verwies zudem auf die „gute Besprechung“ in der Halbzeit, bei der er „so viele Dinge“ gesagt habe – einige davon auch „ein bisschen lauter“.

Das hat offenbar die Sinne der Profis geschärft. Denn nach dem Wiederanpfiff spielte die Werkself wie ausgewechselt und kam prompt durch Florian Wirtz zum Ausgleich (47.). Dass ein Tor gereicht hat, um einen Punkt aus dem Schwaben- mit ins Rheinland zu nehmen, ist aber vor allem Lukas Hradecky zu verdanken. Beim 0:1 durch Chris Führich (40.) war er machtlos, davor allerdings parierte er mehrere Großchancen teils spektakulär – wie etwa mit seiner Fußabwehr gegen Serhou Guirassy, nach der er im direkten Anschluss auch noch Führichs Versuch aus spitzem Winkel abwehren konnte (26.).

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„In der ersten Halbzeit haben wir mit angezogener Handbremse gespielt. Vielleicht war da zu viel Selbstverständlichkeit dabei“, sagte der Keeper nach dem Schlusspfiff. Überraschend sei die Spielweise der Stuttgarter indes nicht gewesen. „Wir wussten, dass sie uns stark attackieren werden, aber sie haben uns komplett überrannt, mehr zweite Bälle gewonnen und besser antizipiert. Es war Glück, dass wir zur Halbzeit nur mit einem Tor in Rückstand lagen.“

Glück und freilich das Können des Schlussmanns. Auch der 34-Jährige nennt Alonsos Ansage in der Halbzeit als einen der Gründe, warum es in den zweiten 45 Minuten viel besser lief. „Wir haben in der Kabine ein paar Sachen besprochen, danach wurde es besser. Natürlich wollten wir unbesiegt bleiben“, betonte Hradecky. „Das ist uns mit einer besseren Leistung nach der Pause gelungen. Alles in allem müssen wir mit dem Punkt leben.“

Der ist auch deswegen ein Gewinn, weil Verfolger Bayern München 1:5 gegen Frankfurt verloren hat. Das Nachholspiel gegen Union Berlin, das der Rekordmeister noch in der Hinterhand hat, ist bei nun vier Zählern Vorsprung nicht mehr ganz so relevant, wie es vor dem Remis war.

„Wir haben alle in der Halbzeit gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte Jonathan Tah. Sein Fazit: „Es hätte da auch schon 0:2 oder 0:3 stehen können. Dann haben wir es aber deutlich besser gemacht.“

Und so hat Bayers fabelhafte Serie weiterhin bestand.

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