Neustart mit der Werkself Xabi Alonso stürzt sich in das Abenteuer Bayer 04

Leverkusen · Der neue Trainer der Werkself verbreitet nach schwierigen Wochen Aufbruchsstimmung und Zuversicht unter dem Bayer-Kreuz. Seine mangelnde Erfahrung als Coach bereitet ihm vor seinem Debüt in der Bundesliga keine Sorgen.

 Bayer Leverkusens neuer Trainer Xabi Alonso bei seiner ersten Einheit auf dem Leverkusener Rasen.

Bayer Leverkusens neuer Trainer Xabi Alonso bei seiner ersten Einheit auf dem Leverkusener Rasen.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die Trennung von Gerardo Seoane ist nicht leicht gefallen. Bayers Sportgeschäftsführer Simon Rolfes bedankte sich bei dem Schweizer für die lange Zeit erfolgreiche Arbeit der vergangenen rund 15 Monate, Geschäftsführer Fernando Carro betonte die Wertschätzung für den Schweizer, der am Mittwoch dennoch gehen musste, weil Leistungen und Ergebnisse der Werkself zu lange nicht mehr gepasst haben. Sein Nachfolger ist Xabi Alonso.

„Wir haben bei unseren Gesprächen beidseitig das Gefühl bekommen, dass es wunderbar passt“, sagte Rolfes bei der Vorstellung des Spaniers. „Der dominante und dynamische Spielstil, den er bei seiner Zeit in San Sebastian gezeigt hat, passt hervorragend zu unserer Philosophie und unseren Spielern.“ Zudem sei Alonso als Profi stets eine Führungspersönlichkeit gewesen, was in der schwierigen Situation, in der Bayer stecke, wichtig sei.

Gemeint sind die sportlichen Turbulenzen der Werkself, die Seoane letztlich nicht mehr in den Griff bekam. Zwölf Spiele, acht Niederlagen, zwei Unentschieden und zwei Siege lautet die Bilanz der bislang völlig missratenen Saison. Statt Jagd auf die Champions-League-Plätze ist vorerst Abstiegskampf in Leverkusen angesagt. Los geht Alonsos Mission am Samstag mit dem Heimspiel gegen den FC Schalke (15.30 Uhr).

Mit der Mannschaft hat er viele Probleme übernommen. Die Profis wirkten zuletzt stark verunsichert, die Offensive strahlte kaum noch Torgefahr aus – und die Abwehr agierte abgesehen von wenigen Ausnahmen wackelig bis fahrlässig. Alonso ist als Trainer abgesehen von seinen drei Jahren bei Real Sociedad San Sebastian II weitgehend unerfahren, aber er hat von den weltbekannten Coaches seiner Bilderbuch-Karriere gelernt, darunter José Mourinho oder Pep Guardiola. Die Spieler müssen dir folgen und daran glauben, dass sie sich mit deiner Hilfe jeden Tag verbessern. Sie müssen wissen, dass du da bist, um ihnen zu helfen, mit Erfahrung, Wissen und Motivation“, sagte er. Nur mit Motivation alleine wird Alonso das Ruder beim Werksklub freilich nicht rumreißen, dafür sind die zuletzt offenbarten Schwächen zu vielseitig. Allerdings: Als eine der großen Persönlichkeiten des Weltfußballs dürfte alleine schon seine Aura etwas bewirken. Aktuell überstrahlt sie auch die Sorgen unter dem Bayer-Kreuz. In Leverkusen ist jetzt der Trainer der Star.

Die Konstellation birgt auch Gefahren, die aber alle Beteiligten bewusst in Kauf nehmen. „Wenn man keine Risiken eingeht, erreicht man nichts“, betonte der neue Trainer. „Es ist im Leben nichts sicher, im Fußball auch nicht. Ich bin glücklich, ich bin motiviert, denn ich bin davon überzeugt, dass wir es schaffen können.“ Rolfes stieß ins gleiche Horn: „Jede Entscheidung hat Risiken, aber auch Chancen. Wenn man nur auf die Risiken schaut, trifft man keine Entscheidungen. Ich bin von den Chancen überzeugt.“

Die erste Gelegenheit bietet sich am Samstag gegen Schalke – ein eher dankbarer Gegner zum Start. Doch auch der ersatzgeschwächte Aufsteiger muss erst geschlagen werden. Rolfes ist nach den positiven Reaktionen auf den Wechsel aus der Mannschaft guter Dinge. „Für die Spieler ist es eine große Chance, von jemandem zu lernen, der auf dem höchsten europäischen Niveau gespielt hat“, sagte er. „Diese Möglichkeit war bei ihnen wahrnehmbar.“

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