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Bayer Leverkusen: Wollscheids Wiener Wechselbad

Bayer Leverkusen : Wollscheids Wiener Wechselbad

Hinter dem Innenverteidiger von Bayer 04 liegen ereignisreiche Tage. Erst ging er seinem Team am Düsseldorfer Flughafen verloren, weil er shoppen war. Dann stieß er mit wuchtigem Kopfballtor die Tür zum 4:0 bei Rapid Wien auf. Sportlich stimmte der 23-Jährige trotzdem kein Loblied an.

Als einer der letzten schlenderte Philipp Wollscheid durch die Katakomben des Ernst-Happel-Stadions in Richtung Mannschaftsbus. Bayers Innenverteidiger wirkte entspannt, gelöst und mit sich und der Welt im Reinen. Jedenfalls kam da ein Mann daherspaziert, dessen persönliche Bilanz der Leverkusener Europa-League-Reise nach Wien durchaus ereignisreich, ja in Teilen sogar denkwürdig, ausfällt.

Immerhin schaffte es der 23-Jährige, gleich zweimal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit allein auf sich zu ziehen. Zuerst am Mittwoch am Düsseldorfer Flughafen, als seine Schuh-Shopping-Tour samt lautlosem Handy die Verantwortlichen zu nervöser Suche und später die Teamkollegen zu erwartbarer Häme veranlasste. So muss sich "Wolle" diese Geschichte wohl noch manches Mal genüsslich aufs Brot schmieren lassen — vielleicht so, wie man Stefan Kießling geneckt hatte, als der als junger Spund bei seinem zweiten Einsatz in der U 21-Nationalmannschaft im Jahr 2005 vor lauter Aufregung die Schuhe im Hotel gelassen hatte und so in den viel zu kleinen Ersatzschuhen von Torhüter Michael Rensing hatte auflaufen müssen.

Doch nachhaltig schien Wollscheid dieser eher unglückliche Auftritt im Rampenlicht nicht beschäftigt zu haben. Denn nur einen Tag später war es ausgerechnet er, der die Werkself mit seinem wuchtigen Kopfstoß gegen Rapid in Führung brachte. Es war sein erstes Tor im dritten Europapokalspiel seiner Laufbahn. So ganz nebenbei rangiert er in der wettbewerbsübergreifenden Leverkusener Torjägerliste dieser Saison hinter Stefan Kießling (sieben) und Gonzalo Castro (vier) mit drei Treffern auf Rang drei. Doch Wollscheid wäre nicht Wollscheid — das haben seine ersten Monate in Leverkusen gelehrt —, wenn er direkt nach einer Partie, selbst nach diesem verdienten 4:0-Sieg, das große Lied der Zufriedenheit anstimmen würde. "In der ersten Halbzeit haben wir aus unserer Überlegenheit zu wenig gemacht. Die Bälle kamen viel zu schnell zurück. Das war nicht gut. Letztlich musste ja auch ein Standard herhalten, um das erste Tor zu erzielen", kritisierte der Ex-Nürnberger.

Den Status desjenigen, der es sich herausnehmen darf, den Finger in die Wunde zu legen, hat sich Wollscheid in seinen bisherigen Spielen für den neuen Arbeitgeber erarbeitet. Weder in der Liga, noch im DFB-Pokal, noch in der Europa League verpasste er bislang auch nur eine Minute. Immer hieß es bei der Besetzung der Innenverteidigung: Wollscheid spielt — und wer noch? Meist ist es Ömer Toprak, im Europacup durfte zuletzt auch zweimal wieder Manuel Friedrich ran.

Was der Sieg gegen zweitklassige Wiener letztlich aussagen kann und wie es um Wollscheids Leistungsvermögen im Duell mit einem der derzeit überragenden Teams Europas bestellt sein wird, werden die Bayern schon Sonntagabend (17.30 Uhr) überprüfen. "Wir fahren bestimmt nicht dorthin, um uns einen einschenken zu lassen", sagt Wollscheid. Womöglich steht er in der Allianz-Arena einmal mehr in Mittelpunkt. Es wäre das dritte Mal in dieser Woche.

Hier geht es zur Bilderstrecke: EL 12/13: Wien - Leverkusen

(RP/ac/seeg)