Bayer Leverkusen: Simon Rolfes ist Bayers Stehaufmännchen

Bayer Leverkusen : Simon Rolfes ist Bayers Stehaufmännchen

Erst zwei schwere Verletzungen, später der Zwist mit Robin Dutt und zuletzt die Reservistenrolle zum Saisonstart – Bayers Kapitän wurde seit 2009 oft abgeschrieben und kam doch stets zurück.

Erst zwei schwere Verletzungen, später der Zwist mit Robin Dutt und zuletzt die Reservistenrolle zum Saisonstart — Bayers Kapitän wurde seit 2009 oft abgeschrieben und kam doch stets zurück.

Simon Rolfes kennt sich aus mit Aktienkursen. Beim Frühstück im Mannschaftshotel schnappt sich der 31-Jährige stets zielsicher den Wirtschaftsteil der ausliegenden Zeitungen. Die vergangenen vier Jahre seines sportlichen Wirkens ähneln einem Aktienkurs in mehreren Punkten: Es gab Aufs und Abs, der Kurs der Wertschätzung in Verein und Öffentlichkeit sank und stieg, und die Rendite der eigenen Leistung schwankte ebenfalls. Eine Qualität stellt Rolfes gerade zum dritten Mal seit 2009 unter Beweis: Rolfes ist Bayers Stehaufmännchen. Wer ihn abschrieb und das langsame Karriereende einläuten wollte, sieht sich einmal mehr eines Besseren belehrt.

Comeback Nummer eins Im Sommer 2009 erwischte es ihn, der bis dato von schwereren Verletzungen verschont geblieben war: Eine Operation am Meniskus des rechten Knies wurde notwendig. Er machte ein paar Spiele, doch im Oktober streikte das Knie erneut. Ein zweiter Eingriff folgte. Und als im Januar 2010 der Neustart erfolgen sollte, wurde ein Knorpelschaden im Knie diagnostiziert — erneute OP, ein Dreivierteljahr Pause, die WM verpasst. Doch Rolfes kam zurück, auch weil sein Protegé Jupp Heynckes zu ihm hielt. "Dass ein Trainer, unter dem ich ja erst wenige Bundesligaspiele absolviert hatte, sich so hundertprozentig hinter mich stellt, finde ich schon beeindruckend", sagte Rolfes damals.

Comeback Nummer zwei Auf Heynckes folgte Robin Dutt. Das Verhältnis zwischen beiden bewegte sich bereits nach wenigen Wochen auf Gefrierschrank-Temperatur. Dutt setzte nicht im selben Maße auf seinen Kapitän wie sein Vorgänger — Lars Bender und Stefan Reinartz schienen ihm im zentralen Mittelfeld den Rang abzulaufen —, Rolfes nutzte deswegen so manche Gelegenheit, um gegen Dutt zu sticheln. Er sagte: "Grundsätzlich bedarf das Verhältnis untereinander einer Entwicklung", er sagte auch: "Wir sind viel zu sehr in der passiven Rolle. Das sind wir nicht gewohnt." Wäre Dutt in Leverkusen geblieben, wäre Rolfes es mit ziemlicher Sicherheit nicht. Doch letztlich musste bekanntlich Dutt gehen. Und unter dessen Nachfolgern Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä, deren Arbeit Rolfes so wiederholt wie auffallend lobte, erlangte der Kapitän seinen früheren Status als Leistungsträger zurück. Die wiedergewonnene Wertschätzung äußerte sich im März in einer erneuten Vertragsverlängerung bis 2015.

Comeback Nummer drei Umso erstaunlicher war es, als Rolfes in der angelaufenen Spielzeit erst am 5. Spieltag erstmals in der Startelf auftauchte. Doch er verkniff sich öffentliches Murren und setzte stattdessen auf die Rotation der Englischen Wochen — zu recht, wie sich zeigen sollte. Denn aktuell spielt er und besticht durch konstant gute Aufritte. Am Samstag gegen Hannover glänzte er zudem als Torschütze. Heute Abend (20.45 Uhr) gegen San Sebastián wird er die Werkself aufs Feld führen. "Real Sociedad soll und wird feststellen, dass wir in der BayArena eine Macht sind und alles andere als ein Wunschgegner", sagte Rolfes im Vorfeld. Es ist ein Satz der von gewachsenem Selbstvertrauen zeugt. Dem Selbstvertrauen eines Stehaufmännchens.

(RP)
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