Bayer Leverkusen: Sie tanzten nur einen Abend

Bayer Leverkusen: Sie tanzten nur einen Abend

Bei Bayer 04 haben sie sich eine zügige Abkehr vom Schwelgen in Gedanken ans Champions-League-Achtelfinale verordnet. Robin Dutt misst am schnellen Umschalten auf den Bundesligaalltag in Berlin (Samstag, 15.30) dann auch die wahre Qualität einer guten Mannschaft.

Robin Dutt ist keiner, der den Tanzbär mimt, nur weil die Öffentlichkeit findet, es wäre an der Zeit. So waren es am späten Mittwochabend dann auch nur kurze Momente ausgelassener Freude (Dutt: "In solchen Situationen ist man nicht normal") über das vorzeitige Erreichen des Achtelfinals in der Champions League, bevor Leverkusens Trainer rasch zur nüchternen Analyse zurückkehrte. "Es gehört zu einer guten Mannschaft, das Chelsea-Spiel zügig abzuarbeiten und sich auf Berlin vorzubereiten. Nur wenn wir auch dort gewinnen, war es wirklich eine sehr gute Woche", sagte Dutt gestern Mittag.

Aller professionellen Ratio zum Trotz wabert am Tag nach dem 2:1 gegen die Londoner noch ein zartes Gefühl ungläubiger Sprachlosigkeit über das Erreichte durch die Flure der BayArena. "Wir sind direkt qualifiziert, das ist unglaublich", sagt Sportdirektor Rudi Völler. Das Ganze schon nach fünf Partien und in einer Gruppe mit alten europäischen Hasen wie Chelsea und Valencia. "Damit musste man bei der Auslosung nicht unbedingt rechnen", sagt Völler.

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser darf sich als Bayers oberster Kassenwart schon über Einnahmen aus der Königsklasse von knapp 20 Millionen Euro freuen, als er Michael Ballack nach dessen Europapokaljubiläum in der Mixed Zone innig drückt.

"Alles Weitere, was jetzt kommt, ist ein wunderschönes Zubrot", sagt Holzhäuser. Ein Zubrot, das womöglich noch einmal auf das Angebot für Bernd Leno draufgeschlagen wird, denn der 19-Jährige hielt auch gegen Chelsea so gewohnt gut, dass sich keiner an der Bismarckstraße recht vorstellen kann, dieses Juwel an den Neckar zurückziehen zu lassen.

"Es kann sowohl für als auch gegen uns laufen", sagt Holzhäuser dazu. Bis Ende des Monats wolle er Klarheit mit Stuttgart, hatte er unlängst gesagt. Dutt sagte gestern: "Bei mir bleibt der Wunsch, dass wir einen oder zwei gute Torhüter am 1. Januar bei uns haben."

Doch neben dem Optimalfall gibt es eben auch einen "Worst Case": den, dass Leno zurück zum VfB muss und René Adlers Körper sich beim Comeback im neuen Jahr nicht so leicht wieder auf Bundesligamodus schalten lässt. "Dann bekommen eben ein David Yeldell oder ein Fabian Giefer das Vertrauen", sagt Dutt. Die seien zu Saisonbeginn ohnehin zu schlecht weg gekommen, sagt er.

Den vielleicht größten Effekt, den das Aha-Erlebnis Chelsea dauerhaft bei der Werkself bewirken könnte, beschrieb Ballack derweil übrigens so: "Ich glaube, wir müssen einfach insgesamt noch mehr an uns glauben. Wir haben eine tolle Mannschaft, und manchmal verkaufen wir uns unter Wert, das ist einfach so. Ich hoffe, dass uns der Sieg für die Liga Auftrieb gibt." In das Lied vom großen Aufschwung der letzten Wochen will Dutt so recht nicht einstimmen. Man habe ja auch zu Saisonbeginn gute Phasen gehabt. "Der Abstand der schlechten Spiele wird einfach größer", sagt er. Morgen wollen sie den Abstand weiter ausbauen.

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(RP/rl)
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