Bayer Leverkusen: Sidney Sam — Antiheld an Bayers Feiertag

Bayer Leverkusen : Sidney Sam — Antiheld an Bayers Feiertag

Während die Werkself mit Ömer Toprak dessen Torpremiere zelebriert, zieht sich "Elfmeter-Dieb" Sidney Sam Sami Hyypiäs Zorn zu.

Hätte die Werkself an diesem Nachmittag in Franken nicht nur Fußball spielen, sondern im Anschluss noch ein Theaterstück aufführen müssen, die Rollen des Helden und Antihelden in der Geschichte wären schnell gefunden worden. Denn während es dem versammelten Leverkusener Tross sichtlich ein Bedürfnis war, sich mit Ömer Toprak über dessen erstes Bundesligator zu freuen, zog sich Sidney Sam mit seiner Fragezeichen aufwerfenden Ego-Aktion vor dem zweiten Elfmeter nicht nur den Zorn seines Teamchefs zu.

Sami Hyypiä brüllte. Er gestikulierte. Er schüttelte den Kopf. Doch er war ohnmächtig bei dem Versuch, Sam davon abzuhalten, den Elfmeter zu schießen. Und als dieser ihn schließlich verschossen hatte, ordnete Hyypiä umgehend die Auswechslung des 25-Jährigen an. Es war eine Aktion, die dem Verständnis des finnischen Vorzeige-Sportmannes vom Mannschaftserfolg, der über allem steht, maximal zuwider lief. Stefan Kießling, dem durch Sams Aktion das mögliche 24. Saisontor und damit die Führung in der Torjägerliste entging, schilderte die Szene so: "Ich wurde gefoult, und Sid hat sich den Ball direkt geschnappt. Er wollte schießen, natürlich wollte ich auch schießen. Dann haben wir kurz diskutiert darüber, ja, und er hat ihn dann halt leider nicht getroffen. Das kommt dann noch dazu", sagte Kießling, um dann aber versöhnlich zu enden: "Aber er kam später her und hat sich entschuldigt, und das ist alles okay, weil mir die Torjägerkanone egal ist und weil ich einen Vereinsrekord [mit 23 Saisontoren, Anm. d. Red.] aufgestellt habe."

Dass Sams Fehlverhalten an diesem Feiertag für Bayer 04 letztlich nicht das Ausmaß einer Randnotiz übertraf, lag daran, dass die Werkself das 2:0 gegen harmlose Nürnberger souverän ins Ziel brachte. Auf Kurs gebracht hatte die Gäste dabei Innenverteidiger Ömer Toprak mit seinem ersten Bundesligator im 89. Spiel. Toprak und seine Torlosigkeit — wohl kein anderer Running Gag hatte eine größere Beliebtheit im Mannschaftskreis. Dementsprechend froh war der "Betroffene" über das Ende der Durststrecke. "Die Jungs haben mich das ganze Jahr damit aufgezogen, dass ich keine Tore schießen kann. Jetzt kommen alle vielleicht mal ein bisschen runter", sagte Toprak mit einem Lächeln. Die Freude über die Rückkehr in die Champions League war ihm ins Gesicht gemeißelt. "Wir wissen alle, wie geil es in der Champions League ist. Wir haben gesehen, was Bayern und Dortmund geleistet haben, und wir wollen auch zeigen, dass wir eine Super-Mannschaft sind", sagte Toprak.

Diese "Super-Mannschaft" feierte — zwar nicht vollzählig — den dritten Platz noch bis tief in die Nacht in der rheinischen Heimat. Die Aussicht auf zwei freie Tage war dabei ein gern gesehener Begleiter.

(RP/can)