Rudi Völler nach 1:1 gegen Schalke 0:4 kritisiert Bayer-Profis und Schiedsrichter Deniz Aytekin

Völler kritisiert Schiedsrichter Aytekin : „Er hat beschlossen, nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen“

Der Sportgeschäftsführer von Bayer Leverkusen war nach dem 1:1 gegen den FC Schalke ernüchtert, blieb aber optimistisch. Kein gutes Haar ließ er an Deniz Aytekin. Der Schiedsrichter reagierte gelassen auf die Schelte des 59-Jährigen.

Alles war bereit für ein rauschendes Fußballfest in der ausverkauften BayArena. Das Wochenende in Leverkusen steht ohnehin im Zeichen der 40-jährigen Bundesligazugehörigkeit der Werkself. Seit Freitag und bis Sonntag gibt es diverse Aktionen anlässlich des Jubliäums. Das 1:1 (1:0) gegen den FC Schalke trübt die Feierlaune indes ein wenig. Kai Havertz hatte sein Team nach einer halben Stunde in Führung gebracht, doch Guido Burgstaller egalisierte den Spielstand kurz nach dem Seitenwechsel (48.). Soweit zur nüchternen Statistik.

Die Mannschaft von Trainer Peter Bosz trat in den ersten 45 Minuten selbstbewusst, souverän und spielbestimmend auf. Der Treffer von Kai Havertz lag bereits länger in der Luft. Sportgeschäftsführer Rudi Völler fasste nach 90 umkämpften Minuten das Geschehen auf dem Rasen treffend zusammen: „Leider haben wir eine schlechte zweite Halbzeit gespielt. Das muss man einfach so sagen“, betonte der 59-Jährige. „Wir haben das 2:0 verpasst und sind nach der Pause nicht gut reingekommen.“
Dann holte der Weltmeister von 1990 zu einer Schelte gegen Schiedsrichter Deniz Aytekin aus.

Hintergrund: Der Unparteiische pfiff gleich zweimal Elfmeter gegen Leverkusen. Den Ersten parierte Lukas Hradecky gegen Daniel Caligiuri, den Zweiten (Jonathan Tah an Breel Embolo) nahm Aytekin nach Überprüfung durch den Videobeweis zurück (72.). Als dann wenige Minuten später Caligiuri Julian Baumgartlinger im Strafraum zu Fall brachte, forderten Fans und Spieler der Werkself Elfmeter, doch die Pfeife des 40-Jährigen blieb stumm — sehr zum Verdruss von Rudi Völler. „Herr Aytekin hat beschlossen, dass er nur Elfmeter gibt, wenn ein Schalker Spieler fällt“, haderte der Sportgeschäftsführer und unterstellte dem Schiedsrichter damit eine bewusste Benachteiligung seiner Mannschaft. „Alle im Stadion haben sich gewünscht, dass er sich die Szene mit Baumgartlinger nochmal anschaut, wie er es vorher ja auch gemacht hat. Aber er hat beschlossen, nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen.“ Auch das abseitsverdächtige 1:1 durch Burgstaller wurde per Videobeweis überprüft und letztlich als regelkonform bewertet.

Der Gescholtene äußerte sich nach der Partie zu allen kritischen Szenen, von denen es einige während der 90 Minuten gab. „Ich denke, die Bilder zeigen, dass alles so in Ordnung war“, erklärte der Unparteiische. Er sei in diesem Spiel „heilfroh“ gewesen, auf den Videobeweis zurückgreifen zu können, um die Situationen zu klären. „Dass wir die Technik so einsetzen wie heute, ist genau das, was der Fußball will.“ Zu der Szene um Julian Baumgartlinger erklärte er, dass es klar gewesen sei, dass Caligiuri nichts gemacht habe, was einen Elfmeterpfiff rechtfertigen würde. Die Kritik von Völler nahm der erfahrene Referee gelassen. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll und welche Szene man bemühen könnte, um seine Aussagen zu untermauern.“ Alles sei korrekt bewertet worden. Baumgartlinger selbst sah es anders und reagierte angefressen: „Er hätte sich die Szene besser nochmal anschauen sollen, der Kollege“, sagte der Österreicher, der das Foul an sich durchaus als elfmeterwürdig bewertete.

Die Lage in der Tabelle hat sich für die Werkself nach dem Unentschieden verkompliziert. Der Einzug in die Europa League ist zwar gesichert, doch Platz vier und damit die Champions League scheinen vor dem Saisonfinale wieder etwas unrealistischer geworden. Den hat nun Borussia Mönchengladbach inne, nur wegen des besseren Torverhältnisses knapp vor der Werkself (beide 55 Punkte). Dahinter rangiert Frankfurt, das Sonntagabend gegen Mainz spielt (54). Wolfsburg auf Platz sieben (52) hat angesichts der deutlich schlechteren Tordifferenz bestenfalls theoretische Chancen, noch in die Top Vier zu rutschen.

Zum Abschluss geht es für Bayer 04 nach Berlin, Frankfurt spielt beim FC Bayern und Dortmund bei Borussia Mönchengladbach. Es ist eine hochinteressante Konstellation für den 34. Spieltag, die nicht nur Statistikfreunden Freude bereiten dürfte. „Wir haben gegen Schalke unsere Hausaufgaben nicht gemacht, in Berlin müssen wir es besser machen. Dann haben wir eine ordentliche Chance auf den vierten Platz“, sagte Völler. Es beruhige ihn jedenfalls, dass Aytekin aller Voraussicht nach nicht das letzte Saisonspiel der Werkself am kommenden Samstag pfeifen werde (15.30 Uhr).

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