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Rudi Völler: "Christoph Kramer kehrt nach Leverkusen zurück"

Interview mit Rudi Völler : "Kramer kehrt nach Leverkusen zurück"

Leverkusens Sportdirektor spricht im Interview über die Perspektive von Weltmeister Christoph Kramer bei Bayer, seine Meinung über die deutsche Nationalmannschaft und die Ziele mit der Werkself in der Fußball-Bundesliga.

Herr Völler, italienische Medien berichten, ihr für ein weiteres Jahr an Gladbach ausgeliehener Weltmeister Christoph Kramer sei schon mit dem SSC Neapel einig. Hat sich schon jemand bei Ihnen gemeldet?

Völler Ich bin ja halber Römer und lese italienische Zeitungen auf dem Tablet. Ich kenne diese Geschichten. Dass nach einer sehr guten Saison und dieser WM in Brasilien andere Vereine hellhörig werden, ist ganz normal. Aber Christoph Kramer spielt noch ein Jahr in Gladbach, dann wird er zu uns zurückkehren. Er ist fester Bestandteil unserer Planungen für die übernächste Saison. Das wissen Spieler, Berater und Borussia Mönchengladbach.

Seit einer Woche sind Sie nicht mehr Teil des deutschen Teams, das zum letzten Mal die WM gewonnen hat. Wie fühlt sich das an?

Völler Der Weltmeistertitel ist der einzige, der immer bleibt. Das hat sich nicht geändert. Nach 24 Jahren war es mal wieder Zeit, dass Deutschland den Titel gewinnt. Und es war beeindruckend und hochverdient. Mein Gefühl sagt mir, es wird nicht der letzte Titel sein, den diese Generation holt. In den nächsten Jahren wird der eine oder andere Pokal noch dazukommen.

Franz Beckenbauers Prognose nach dem Titelgewinn 1990, Deutschland sei auf Jahre hinweg unschlagbar, ist legendär. Ist sie auf heute übertragbar, auch wenn sie nicht eintrat?

Völler Ich bin heute noch der Meinung, dass wir 1994 das bessere Team hatten als 1990. Zwei, drei Männer waren zwar schon ein bisschen älter, ich war 34, aber wir haben den jungen Sammer und den jungen Effenberg dazubekommen. Von der Qualität her hätten wir ohne weiteres den Titel verteidigen können. Aber es war Unruhe da. Und es muss einfach - wie auch die diesjährige Mannschaft gezeigt hat - immer ein besonderer Teamgeist herrschen. Die paar Prozentpunkte haben gefehlt.

Unlängst sind Videoaufnahmen von Sepp Maier vom Titelgewinn 1990 gezeigt worden. Da wurde am Abend Bier getrunken und Zigaretten geraucht. Könnte man so in der heutigen, durchgeplanten Fußballwelt auch noch einen großen Titel gewinnen?

Völler Ich bin davon überzeugt, dass der eine oder andere auch bei diesem Titelgewinn mal ein Bierchen zum Abendessen getrunken oder eine geraucht hat. Ich weiß es nicht, es würde mich aber nicht überraschen. Bei uns hat auch nur Auge (Klaus Augenthaler, Anm. d. Red.) geraucht. Hauptsache, man ist topfit. Und das waren wir damals auch.

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Was ist denn die größte Veränderung zwischen 1990 und 2014?

Völler Der Fußball ist noch einmal schneller geworden, und die Berichterstattung ist natürlich viel intensiver.

Großer Empfang für Kramer in Solingen

Wird der Fußball mittlerweile zu wichtig genommen?

Völler Was heißt zu wichtig? Die Leute gucken es. Es ist die schönste Nebensache der Welt. Die Menschen können schon einschätzen, dass es noch den Alltag gibt.

Ihr Alltag heißt Bayer 04 Leverkusen. Welche Chancen sehen Sie für die neue Saison?

Völler Wir stecken uns ja schon seit jeher vernünftige Ziele. Wir wollen auf jeden Fall in die Europa League. Das ist unser Minimalziel. Der Wunsch ist wieder die Champions League.

Wie wichtig ist für diesen Wunsch Ihr zuletzt verpflichteter Baustein, Hakan Calhanoglu?

Völler Er gibt uns den zusätzlichen Schub, um noch besser zu spielen, um erfolgreicher zu sein. Standardsituationen sind zwar seine Spezialität, aber ich will ihn nicht darauf reduzieren. Dafür ist er aus dem Spiel heraus viel zu stark. Er ist ein außergewöhnlicher Fußballer, der noch Luft nach oben hat.

Neben dem Platz gab es einigen Wirbel um Calhanoglu. Auch seine Aussage zum Vertrag in Leverkusen war unglücklich. Nutzen Spieler Bayer 04 nur als Sprungbrett, um sich ins Rampenlicht für Vereine zu spielen, mit denen sie Titel gewinnen können?

Völler Wir sind hin und wieder das Sprungbrett für Spieler. Wir wissen, dass es Vereine gibt, bei denen es mehr Gloria zu gewinnen gibt und auch bessere Verträge abzuschließen sind. Das hängt aber immer von der Qualität des Spielers ab. Ich sehe das positiv. Wenn wir einen Spieler haben, der solche Anfragen bekommt, haben wir alles richtig gemacht. Ich fände es enttäuschend, wenn wir keine Anfragen für unsere Spieler von den ganz großen Klubs in Europa bekommen würden.

Ist denn langfristig angedacht, irgendwann aus dieser Rolle auszubrechen? Nicht mehr nur Platz drei als Wunsch auszugeben, sondern offensiver Titelgewinne zum Ziel zu machen?

Völler Die Bayern sind schon seit Jahrzehnten führend in der Bundesliga und haben wirtschaftlich in den vergangenen Jahren noch einmal zugelegt. Bis auf Borussia Dortmund kommt da kaum ein Verein auch nur annähernd mit. Da sind wir meilenweit weg. Du kannst denen mal ein Bein stellen, aber das war es auch. Die waren in den vergangenen fünf Jahren drei Mal im Champions League Finale.

Ist der FC Bayern daher eine Bedrohung für die Bundesliga?

Völler Letzte Saison war es ein bisschen langweilig, ja, das muss man sagen. Auch weil Borussia Dortmund am Anfang nicht Schritt halten konnte. Man wird sehen, was passiert.

Und Ihre Rolle dabei?

Völler Man muss sich immer Ziele in seinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Ziele im Gegensatz zu anderen Vereinen in der Liga mit den gleichen finanziellen Möglichkeiten immer erreicht. Natürlich wollen wir alle mal einen Titel gewinnen, aber Deutscher Meister zu werden, ist durch die Übermacht der Bayern sehr schwierig geworden. Das ist einfach so.

Müssten die Bayern noch solidarischer denken, zum Beispiel was die Fernsehgelder angeht, um der Liga zu helfen?

Völler Nein. Die sind ja solidarisch. Da, muss man sagen, sind die Bayern schon korrekt. Das ist okay, wenn man das mal mit Italien oder Spanien vergleicht.

Also muss ein anderer Titel her. Welcher?

Völler Gut, man muss kein großer Experte sein, um zu sagen, dass der DFB-Pokal das realistischste Ziel ist. Wir hatten das Losglück im letzten Jahr. Bei vielen bitteren Niederlagen in der vergangenen Rückrunde war die gegen Kaiserslautern zuhause im Pokal-Viertelfinale sicher die schlimmste - vor allem die Art und Weise.

Ihr neuer Trainer Roger Schmidt will Erfolg durch offensive Verteidigung, schnelle Ballgewinne. Wir haben bei der WM gesehen, dass gegen stark pressende Teams lange Bälle ein probates Mittel sind. Ist Ihre Innenverteidigung dafür schnell genug? Sind Zugänge geplant?

Völler Es gibt kaum einen schnelleren Innenverteidiger in der Liga als Ömer Toprak. Emir Spahic ist Kapitän der bosnischen Nationalelf, hat eine top WM gespielt, ist ein erfahrener Spieler. Wir haben in Philipp Wollscheid einen kopfballstarken Spieler. Und in Tin Jedvaj haben wir einen schnellen Spieler geholt. Alle vier werden ihre Einsätze haben, bei dem Programm mit den englischen Wochen, das auf uns zukommt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Christoph Kramer

(RP)