Bayer Leverkusen: Reinartz-Kritik stößt Image-Debatte an

Bayer Leverkusen : Reinartz-Kritik stößt Image-Debatte an

Der Klage des Bayer 04-Mittelfeldspielers über mangelndes Image und geringe Wertschätzung stimmt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser grundsätzlich zu. Er gibt als Ziel aus, "der beliebteste Zweitverein Deutschlands zu sein".

In Bayer Leverkusens Trainingslager sorgte am Dienstag ein Thema für Gesprächsstoff: Die Klage von Stefan Reinartz in unserer Zeitung über ein fehlendes, greifbares Image des Werksclubs in der Öffentlichkeit. "Grundsätzlich hat der Stefan Recht mit seinen Äußerungen, aber das Gallier-Image ist mir zu abgedroschen. Jeder kleine Ort will sich heute ein Gallier-Image zulegen", sagte Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Rande des morgendlichen Trainings in Zell am See. Reinartz hatte zuvor exklusiv in der Rheinischen Post vorgeschlagen, Bayer 04 solle sich ein Gallier-Image zulegen, eingekeilt zwischen Gladbach, Köln und Düsseldorf. Es müsse mehr nach dem Motto "Wir gegen den Rest der Welt" gehen.

Holzhäuser formulierte seinerseits nun einen eigenen Vorschlag, wie die Wertschätzung der sportlichen Erfolge von Bayer 04 gesteigert werden könnte. "Unser Ziel muss es sein, der beliebteste Zweitverein Deutschlands zu sein. Wir müssen uns bundesweit positionieren, weil unser Spielraum lokal eben begrenzt ist", sagte Holzhäuser. Eine Studie hatte vor Jahren die Werkself mal als eben diesen beliebtesten Zweitclub ausgewiesen, also als Verein den man am liebsten mag hinter dem Club, dessen Fan man ist. Einig war sich Holzhäuser mit Reinartz in der Enttäuschung darüber, wie wenig die Öffentlichkeit vom dritten Platz der Leverkusener in der Vorsaison in der Öffentlichkeit Notiz genommen hatte. "Mich ärgert es kolossal, dass niemand registriert hat, dass wir direkt hinter den beiden besten Mannschaften Europas gelandet sind", führte Holzhäuser aus.

Doch nicht nur in Zell am See sorgte Reinartz' Vorstoß für Wirbel. Auch in der Heimat, in der BayArena, ja selbst im Bayer-Konzern wurde diese Klage aus dem Mannschaftskreis registriert. Dem Vernehmen nach soll das Thema "Image" beim Werksclub in nicht allzu ferner Zukunft relativ vorne auf der Tagesordnung landen. Holzhäuser kündete beispielsweise eine "emotional aufgeladene" Imagekampagne an. Titel: "Werkself 2.0".

Das Leverkusener Umfeld beschäftigte das Thema mindestens gleichermaßen. Bei RP Online äußerten viele ihre Gedanken. Bayer sei doch ein Riesenkonzern und der werkseigene Fußballclub sollte da eigentlich viel mehr Spielräume haben, nicht nur, aber vor allem in finanzieller Hinsicht, schrieb einer. Ein anderer kritisierte in diesem Zusammenhang das "Vereinslied, das mit Karaoke-Text vor dem Spiel abgespult wird". Und ein dritter formulierte, nicht nur im Fußball, die Stadt an sich sei nach außen hin eher unscheinbar und werde wenig beachtet, obwohl es sehr schöne Fleckchen gebe.

Dass die angelaufene Diskussion natürlich auch das Thema "Werksverein contra Traditionsverein" berührt, wurde in einem weiteren Kommentar bei RP Online deutlich. "Um an schöne alte Zeiten zu denken, gehe ich ins Museum. Um aktuell attraktiven, erstklassigen nationalen und internationalen Fußball zu sehen, gehe ich die BayArena", stand dort zu lesen. Das Thema "Image" dürfte Bayer 04 also noch länger beschäftigen.

(RP)
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