Kapitän Lars Bender rüttelt die Werkself in Düsseldorf wach

Sieg nach Halbzeitansprache in Düsseldorf : Lars Bender rüttelt die Werkself wach

Mit seiner Halbzeitansprache hatte der Kapitän von Bayer 04 erheblichen Anteil daran, dass sein Team beim Aufsteiger aus Düsseldorf nach schwachem Start noch 2:1 gewann. Heiko Herrlich fühlte sich an seine Zeit in Dortmund erinnert.

Im Sommer 2015 wurde Lars Bender zum Kapitän der Werkself ernannt. Seitdem führt der 29-Jährige das Amt des Spielführers von Bayer 04 mit Stolz aus und hat sich als würdiger Nachfolger von Simon Rolfes erwiesen. Es entspricht seinem Naturell, vorneweg zu gehen und Missstände klar anzusprechen. Selten war er seither in seiner Rolle als Lautsprecher jedoch so gefordert, wie am Mittwochabend beim 2:1 (0:0)-Erfolg seines Teams beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf.

„In der Halbzeit ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen“, sagte Stürmer Kevin Volland. Der zehnfache deutsche Nationalspieler machte die deutliche Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel vor allem an einer Person fest: Lars Bender. „Er hat eine super Rede gehalten und uns aufgeweckt“, erklärte Volland. Worum es in der Ansprache im Detail ging, wollte der zweifache Torschütze (50./60.), der erstmals seit April ins Schwarze traf, nicht verraten. Nur so viel: „Lars hat uns daran erinnert, dass wir gegen einen Aufsteiger spielen, und dass man das auch sehen muss.“

Tatsächlich knüpfte die Werkself zunächst nahtlos an die spielerisch schwache zweite Halbzeit gegen Mainz an und durfte sich beim mehrfach stark parierenden Torhüter Lukas Hradecky bedanken, dass es torlos in die Kabine ging. „Wir haben die erste Halbzeit verschlafen. Das war nichts Halbes und nichts Ganzes“, fand Volland klare Worte.

Sein Trainer Heiko Herrlich wusste den knappen Erfolg, der trotz des späten Gegentores in der 94. Minute durch einen von Rouwen Hennings verwandelten Foulelfmeter nicht mehr in Gefahr geriet, richtig einzuschätzen. „Der Druck ist nach wie vor da. Daran hat sich nichts geändert. Wir dürfen nicht nachlassen“, sagte der 46-Jährige. Der Weckruf seines Kapitäns in der Pause erinnerte Herrlich an seine Zeit als aktiver Spieler bei Borussia Dortmund. Sein damaliger Coach Ottmar Hitzfeld habe nie geschrien, obwohl ihm „sicherlich das ein oder andere Mal danach war“. In Düsseldorf sei es Herrlich ähnlich ergangen, doch habe er in der Halbzeitpause sachlich die Fehler sowie die ernüchternde Torschussbilanz (0:8) angesprochen und auf eine Reaktion aus der Mannschaft heraus gehofft. Zu seiner Zeit hätten dann Matthias Sammer, Jürgen Kohler oder Stefan Reuter das Wort ergriffen. „Bei uns war es der Lars“, betonte Herrlich.

Leverkusens Sportgeschäftsführer Rudi Völler, der am Donnerstag zur Delegation des Deutschen-Fußball-Bundes im schweizerischen Nyon bei der EM-Vergabe gehörte, war angesichts des zweiten Liga-Erfolgs in Folge erleichtert. „Die sechs Punkte binnen weniger Tage tun gut und geben Selbstvertrauen“, sagte der Weltmeister von 1990. Gleichwohl betonte der ehemalige Weltklassestürmer, dass nur eine gute Halbzeit am Samstagabend (18.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund kaum reichen dürfte. Völler: „Wir wissen, dass wir mehr können. Darüber täuscht auch der Sieg nicht hinweg.“

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