Julian Brandt könnte Joachim Löws Dampfmacher für die WM sein

Brandt kann als Joker für frischen Wind sorgen: Löws Dampfmacher für die WM

In der Schlussviertelstunde kam Julian Brandt zu seinem Einsatz gegen Saudi-Arabien in der Leverkusener Arena. Dabei hat er ziemlich exakt die Rolle gespielt, die er wohl auch während des Turniers in Russland einnehmen wird.

Ein Fußballfest waren die 90 Minuten gegen Saudi-Arabien nicht. Die Auswahl des DFB erspielte sich beim letztlich schmeichelhaften 2:1 (2:0)-Sieg in der BayArena zwar viele Chancen, doch es war noch Sand im Getriebe der Mannschaft von Joachim Löw. Verletzungsvermeidung schien das oberste Gebot. Julian Brandt kam als einziger Leverkusener im WM-Kader in der 74. Minute für Thomas Müller in die Partie - und brachte direkt Schwung in das Angriffsspiel. Das dürfte auch die Rolle sein, die ihm der Bundestrainer für das große Turnier in Russland zugedacht hat: Der offensive Dampfmacher für die Schlussphase in auf der Kippe stehenden Partien.

"Ich werde jede Rolle annehmen, die mir übertragen wird - und wenn ich als Joker frischen Wind reinbringen kann, werde ich das tun", sagte der 22-Jährige. "Dafür bin ich hier. Ich will mein Bestes einbringen." Das könne er aber freilich auch ab der ersten Spielminute. Die vergangenen Wochen bei der Nationalmannschaft empfindet Bayers dribbelstarker Blondschopf als gutes Vorspiel für die Operation Titelverteidigung. "Wir hatten ein gutes Trainingslager mit sehr vielen schweißtreibenden Einheiten", resümierte Brandt. "Mittlerweile verspüren wir aber das Gefühl, dass es losgehen sollte. Jeder sehnt das erste Spiel herbei."

Am kommenden Sonntag (ab 17 Uhr MEZ) startet Deutschland in Moskau in das Turnier. Erster Gegner in der Vorrunde ist Mexiko, gegen den es für Brandt ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Vereinskollegen Chicharito gibt. Am darauffolgenden Samstag ist ab 20 Uhr Schweden der Gegner in Sotschi, ehe es am Mittwoch, 27. Juni, zum letzten Spiel der Gruppe F in Kasan gegen Südkorea geht (ab 16 Uhr).

Pfiffe gegen Gündogan stören Brandt

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Brandt lobte bei seinem Heimspiel in der BayArena zwar die gute Atmosphäre im Stadion, konnte sich aber mit den Pfiffen gegen seinen Teamkollegen Ilkay Gündogan nicht anfreunden, der bei vielen Fans nach seinem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ungnade gefallen ist. "Es ist eine schöne Sache, mit der Nationalmannschaft in dem Stadion spielen zu können, wo man gefühlt jeden Grashalm kennt", sagte Brandt. "Meiner Meinung nach mussten die Pfiffe nicht sein, aber es ist das gute Recht der Zuschauer zu pfeifen, wann sie wollen."

Dass die Partie gegen Saudi-Arabien nur begrenzt als Gradmesser für die WM-Form taugt, ist dem Leverkusener bewusst. Am kommenden Sonntag werde die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen. "Ich glaube, wir werden zum richtigen Zeitpunkt reif für die WM sein. Heute hatten wir noch ein paar Mankos im Spiel, aber gegen Mexiko werden wir das liefern, was jeder von uns erwartet." Sein Ziel formuliert Brandt ähnlich offensiv, wie seine Spielweise ist: "Wir holen hoffentlich den Pokal nach Deutschland."

Nicht nur die Fans der Werkself werden ihm dafür spätestens ab Sonntag die Daumen drücken.

(RP)
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