1. Sport
  2. Fußball
  3. Bayer 04 Leverkusen

Josip Drmić: "Zu Stefan Kießling schaue ich auf"

Josip Drmić im Interview : "Zu Stefan Kießling schaue ich auf"

Herr Drmic, Sie waren am Wochenende in Sachen Zweitliga-Fußball unterwegs.

Herr Drmic, Sie waren am Wochenende in Sachen Zweitliga-Fußball unterwegs.

Drmic (lacht) Wenn der 1. FC Nürnberg in der Nähe ist, ist klar, dass ich meine ehemaligen Teamkollegen besuche und mir die Spiele anschaue. Ich wollte die Mannschaft unterstützen und habe bei der Gelegenheit ein paar Freunde getroffen.

Sie haben anschließend via facebook ein Foto mit den Worten "Ich bereue diese Liebe nicht" versendet. Das klingt nach besonderer Beziehung.

Drmic Nürnberg ist für mich noch immer eine Herzensangelegenheit. Ich hatte eine gute und vor allem erfolgreiche Zeit dort - und erinnere mich gerne zurück. Es ist schön zu sehen, wie sich die Leute freuen, wenn sie mich treffen. Sie verbinden schöne Momente mit mir - das tut gut und gibt mir Kraft. Ich habe dem Verein viel zu verdanken. Das will ich mit solchen Fotos zeigen.

Das klingt ein wenig wehmütig. Vielleicht auch, weil Sie in Leverkusen noch nicht so angekommen sind, wie Sie es sich selbst erhofft haben?

Drmic Es ist kein Geheimnis, dass ich in der Hinrunde unzufrieden war, weil ich mehr spielen wollte. Das habe ich auch kommuniziert. Und ich denke, das ist nachvollziehbar. Ich kam aus Nürnberg, wo ich überragend getroffen habe (17 Tore, Anmerkung d. Red.), habe dann bei der WM gespielt und kam motiviert mit guter Form zurück. Wenn man dann nur 292 Minuten in der Hinrunde spielt, frustriert das. Das hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Aber ich denke, dass man bei Bayer 04 von mir auch erwartet hat, mich damit nicht zufrieden zu geben.

Ihre Unzufriedenheit weckte das Interesse des HSV. Die Geschichte ist bekannt: Bayer 04 gab Ihnen keine Freigabe. Wie ist nun nach fünf Rückrundenspielen Ihre Gefühlslage?

Drmic Besser und anders.

Inwiefern?

Drmic Ich bekomme die Möglichkeit, zu spielen. Ich hatte zuletzt gute Gespräche mit Trainer Roger Schmidt und habe seitdem mehr Einsatzzeiten bekommen. Zwar hat mich meine Verletzung, die mich schon Monate verfolgt, noch einmal etwas zurückgeworfen, aber zweimal durfte ich von Beginn an ran. Gegen Augsburg ist mir ein Tor gelungen. Ich bin auf einem guten Weg und blicke positiv in die Zukunft.

Aber was muss passieren, dass ein Profi wieder sagen kann: "Ich fühle mich besser"? So viel Zeit ist seit dem Trainingslager ja nicht vergangen.

Drmic Meine Situation ist eine andere. Ich war nach der WM fit und aus meiner Sicht spielerisch auf einem guten Niveau. Aber ich konnte das nicht zeigen, weil ich nur draußen saß. In solchen Momenten kommen dann Leute zu dir und sagen, dass ich mehr Geduld haben müsste und Anpassung immer Zeit braucht. Ich habe das aber anders gesehen - ich war ungeduldig. Ich kam ja auch nicht als unerfahrener Bundesliga-Spieler. Dass ich bereit für 90 Minuten war, hat doch das Wolfsburg-Spiel gezeigt. Ich stand 90 Minuten auf dem Platz und habe getroffen. Das war aber nur einmal. In der Hinrunde ist es für mich einfach nicht gut gelaufen. Aber jetzt genieße ich das Vertrauen, das ich zum Fußballspielen brauche.

Sie bereuen es also nicht, dass Sie in Leverkusen geblieben sind?

Drmic Warum soll ich das bereuen? Ich habe immer - auch im Winter - gesagt, dass ich die Herausforderung Leverkusen und die Herausforderung Champions League annehmen möchte. Ich will mich auf dem Niveau präsentieren und mit dem Team Erfolg haben. Aber die Bundesliga ist kein Zuckerschlecken. Sich da durchzubeißen, ist eine wichtige Erfahrung für einen Profi.

Was für ein Verhältnis haben Sie zu zu Stefan Kießling?

Drmic Ein sehr gutes. Ich hatte in anderen Teams schon viele Konkurrenten, die mich auch als solchen gesehen haben. Aber zu Kies schaue ich auf. Er ist älter, sehr erfahren, ich respektiere ihn. Er hat Qualitäten, die ich mir abschauen kann. Was ich wirklich an ihm schätze, ist sein Charakter, wie er sich auf und neben dem Platz gibt. Er ist bodenständig und ein guter Fußballer. Das imponiert mir.

Bayer 04 hat nur eines seiner letzten sieben Heimspiele gewonnen. Zuletzt wurden in den Schlussminuten wichtige Zähler verschenkt. Ist die Kritik gerechtfertigt?

Drmic Natürlich, und wir sind uns auch bewusst, dass es in der Liga nun aus Ergebnissicht laufen muss, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen. Aber unser Spiel ist nicht so schlecht, wie es vielfach gemacht wird. Klar verlieren wir gegen Wolfsburg 4:5, aber wir holen auch zwei Mal einen Rückstand auf. In Augsburg führen wir nach acht Minuten, dominieren die erste Hälfte. Da hat man unsere Qualität ebenfalls gesehen. Es sind Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt. Wir müssen es schaffen, die Puzzleteile zusammen zu setzen, dann haben wir Erfolg.

Nach dem Last-Minute-Gegentreffer des Augsburger Torhüters zum 2:2 hingen die Köpfe schon sehr tief. Wie schafft man es, das abzuschütteln?

Drmic Es ist gut, dass es bereits in der Champions League weiter geht. Wir müssen aus solchen Erfahrungen lernen. Wichtig ist, den Kopf freizubekommen. Gegen Madrid zählt jedes Detail.

Sie selbst hatten die Chance zum 2:0 und haben es mit einem Heber versucht. Verzeihung, aber es sah so aus, als hätten Sie die Chance etwas zu lässig genommen.

Drmic Das sieht vielleicht so aus. Aber im Nachhinein ist es immer einfach zu fragen: Hätte er nicht flach schießen müssen? Ich hab mich so entschieden. Das war sicher die schwierigste Variante. Dass der Ball vorher aufspringt, haben aber wohl nur die wenigsten gesehen. Geht der Ball rein, ist alles gut.

Ungenauigkeiten beim Schuss, das Treffen falscher Entscheidungen: Sind es gerade diese Kleinigkeiten, die bei Bayer 04 nicht passen?

Drmic Wenn man unsere Spiele sieht, dann ist das sicher so. In Augsburg hatten wir genug Chancen, das Spiel zu entscheiden. Aber wir haben den besser postierten Mitspieler nicht gesehen oder es versäumt, einfache Bälle zu spielen. Was das angeht, sind wir noch zu oft zu egoistisch. Diese Eigensinnigkeiten müssen wir abstellen.

Was stimmt Sie positiv, dass es gegen Atlético Madrid klappt?

Drmic Wir sind richtig heiß darauf. Jeder will gegen ein Topteam wie Atlético das Beste abrufen. Klar sind die Spanier ein harter Brocken. Aber wir wissen, was wir können. Solche Champions-League-Spiele sind besonders - vergleichbar mit Derbys. Ich glaube fest daran, dass wir Madrid schlagen können.

Kommt dieses Spiel für Bayer 04 in seiner Situation da gerade recht?

Drmic Vielleicht ist das so. Man sagt immer: Nach Regen kommt wieder die Sonne. Wenn zwei Klubs aufeinander treffen, die etwas erreichen wollen, passiert meist etwas Besonderes. Ich will nichts versprechen, aber ich bin wirklich gespannt!

(RP)