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Bayer Leverkusen: Im Fokus wider Willen - für Bayer 04 nichts Neues

Bayer Leverkusen : Im Fokus wider Willen - für Bayer 04 nichts Neues

Das Phantom-Tor rückte Bayer 04 in einen öffentlichen Fokus, um den man sich nicht gerissen hatte – so wie schon frühere Vorfälle rund um dem Werksklub. Oft traf es den Verein schuldlos, zuweilen indes nicht.

Das Phantom-Tor rückte Bayer 04 in einen öffentlichen Fokus, um den man sich nicht gerissen hatte — so wie schon frühere Vorfälle rund um dem Werksklub. Oft traf es den Verein schuldlos, zuweilen indes nicht.

2012 muss Bayer das komplette Dach der 2009 umgebauten BayArena wegen Brandschutzbedenken austauschen. Nach dem Phantom-Tor von Sinsheim (r.) sieht sich Leverkusen aktuell wider Willen im Fokus. Foto: Miserius/Sky (archiv)

Die Debatte um Stefan Kießlings Phantom-Tor ist zwar jetzt um ein DFB-Urteil reicher, beendet ist sie deswegen jedoch noch lange nicht. Auf die Teilhabe am öffentlichen Fokus des Ganzen hätte Bayer 04 nur zu gerne verzichtet, entspricht sie doch nicht wirklich der Art zusätzlicher Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die die Verantwortlichen nachhaltig anstreben. Es ist indes nicht so, dass sich der Verein zum ersten Mal einem Wust — aus seiner Sicht — verzichtbarer Erwähnungen gegenüber sieht. Das Phantom-Tor von Sinsheim besitzt prominente Vorbilder — oft trafen diese Bayer 04 unverschuldet, manchmal aber auch nicht.

Ex-Hauptsponsor TelDaFax (l.) ist heute der größte Insolvenzfall der deutschen Geschichte. Ballacks Rückkehr 2010 (r.) erzeugte viel Wirbel und Unruhe, ein Erfolgsfaktor wurde der "Capitano" indes nie. Foto: ksmedianet/dpa (archiv)

Christoph Daum Groß war der mediale Hype im Sommer 2000, als der Vorwurf laut wurde, Leverkusens schillernder Erfolgstrainer Christoph Daum konsumiere Kokain. Es folgte eine monatelange medienübergreifende und bundesweite Berichterstattung, schließlich hatte Daum ja eigentlich neuer Bundestrainer werden sollen. Es ging um seine Flucht nach Florida, seine Rückkehr, sein Eingeständnis — und immer wurde als einordnender Kontext die Formulierung "der ehemalige Trainer von Bayer Leverkusen" verwendet.

Triple-Vize Zweiter in der Liga, Zweiter im Pokal, Zweiter in der Champions League — 2002 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte von Bayer 04. Aber es war eben auch das Jahr, in dem der Begriff "Vizekusen" endgültig Eingang fand in den deutschen Fußball-Sprachgebrauch. Dass der Verein ihn sich Jahre später patentieren ließ, zeugte zumindest von einer gewissen Selbstironie. Dass der verpasste Meistertitel in der Liga vielen in Verein und Umfeld zum nachhaltigen Trauma gereichte, ist indes sicher.

TelDaFax 2007 präsentierten Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser stolz den neuen Hauptsponsor TelDaFax. Damals ahnten sie noch nicht, dass sich dieses Unternehmen als größter Insolvenzfall der deutschen Geschichte entpuppen sollte, gegen dessen Führung die Staatsanwaltschaft ermittelt und mit dessen Insolvenzverwalter Bayer 04 in einem zähen Gerichtsverfahren um eine Rückzahlung von im schlechtesten Fall mehr als 17 Millionen Euro ringen muss. Zudem haben hunderttausende geprellter TelDaFax-Kunden Völlers Werbespot im Kopf, der ihnen zum Wechsel des Energieanbieters riet.

Ballacks Rückkehr Was 2010 als Transfer-Coup gedacht war, um dem eigenen Team den fehlenden Schuss Siegermentalität einzuimpfen, endete im medialen Eigentor. Ballack war lange verletzt — dafür konnten weder er noch Bayer 04 etwas —, aber wenn er nicht verletzt war, pflegte er das Image des Ich-bezogenen Altstars, der sich auch schon mal zu schade war, auf der Bank zu sitzen, dessen verpasste Dopingprobe die Uefa auf den Plan rief und der als minimum zwölf Millionen Euro teure Werbefigur für den Bayer-Konzern quasi unsichtbar blieb. Wo Leverkusen sich positive Berichte in der Sportschau erhofft hatte, fand man sich mit Ballacks Privatleben bei Explosiv und in der Yellow Press wieder.

Stadiondach 2009 war die runderneuerte BayArena eröffnet worden, drei Jahre später musste das 28 000 Quadratmeter große Stadiondach ausgetauscht werden — aus Brandschutzbedenken. Ein Ärgernis für den Bauherren Bayer 04 wie für den Mutterkonzern, dessen verbaute Platten aus einem Vorzeigematerial bestanden. Am 2. Juni 2012 sagt Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn im Gespräch mit unserer Zeitung, man habe zu Jahresbeginn zwischenzeitlich sogar die Schließung der BayArena erwogen.

(RP)