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Bayer Leverkusen: Hausapotheke für Bayer-Profis

Bayer Leverkusen : Hausapotheke für Bayer-Profis

Eine Fifa-Studie beklagt den wachsenden Einsatz von Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Präparaten bei Nationalteams. Im Verein sehe die Sache anders aus, versichert Bayers Mannschaftsarzt Karl-Heinrich Dittmar. Er schildert die Verwendung von Medikamenten im Werksclub.

Der Chefarzt des Fußball-Weltverbandes Fifa schlägt Alarm. "Die Ergebnisse sind erschreckend", sagt Professor Dr. Jiri Dvorak. Was den Tschechen beunruhigt, sind die Resultate einer Fifa-Studie zum Einsatz von Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten bei Nationalspielern während der WM 2010. 34,6 Prozent griffen demnach vor einem WM-Spiel in Südafrika zu solchen Präparaten. 2006 waren es 29 Prozent gewesen. Das gab die Fifa jetzt bekannt. Die zunehmende Verbreitung dieser Medikamente beunruhigt Mediziner wie Dvorak, denn sie können bei Einnahme über einen längeren Zeitraum Schäden an Nieren oder Leber verursachen. "Die Spieler wollen spielen. Sie tun alles, was erlaubt ist, um zu spielen" sagte Bert Mandelbaum, Arzt der US-Nationalmannschaft dem Magazin "Fifa World".

Nationalteams denken kurzfristig

Bayer Leverkusens Mannschaftsarzt Dr. Karl-Heinrich Dittmar ist es wichtig, bei der Frage nach dem Einsatz von Schmerzmitteln zwischen der Praxis bei National- und der bei Vereinsmannschaften zu unterscheiden. "Die Verantwortlichen bei Nationalteams denken kurzfristiger. Sie sehen den Zeitraum eines Turniers von vier Wochen, in dem die Spieler einsatzfähig sein sollen. Als Verein sind wir dagegen daran interessiert, dass die Profis über einen langen Zeitraum hinweg fit sind", sagt Dittmar.

In der sportmedizinischen Praxis kommen auch bei Bayer 04 in der Regel vier NSAR-Medikamente zum Einsatz (NSAR steht für nicht-steroidale Antirheumatika; die Mittel enthalten kein Cortison, ein Wirkstoff, der auf der Dopingliste steht): Voltaren, Ibuprofen, Paracetamol und Aspirin. Wobei Aspirin das Problem der Blutgerinnung mit sich bringt. "Diese Mittel sind alle keine reinen Schmerzmittel", sagt Dittmar. "Sie wirken dreifach: schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend." Man wolle jedoch, sagt Dittmar weiter, den Schmerz als Botschaft des Sportlerkörpers aber keinesfalls unterdrücken. "Er ist immer ein gutes Warnsignal, dass etwas nicht stimmt", sagt Dittmar. Den Schmerz einer kleineren Blessur zu betäuben, könne schlimmere Verletzungen zur Folge haben.

Generell gilt bei Bayer 04 laut Dittmar: Kein Spieler nimmt ein Medikament — egal welcher Natur — ein, ohne Dittmar oder dessen Kollegen Gregor Hencke vorher zu kontaktieren. Das ist in einer Vereinbarung zwischen Spielern und Verein festgehalten. "Wir sind Tag und Nacht erreichbar", sagt Dittmar. Diese Rücksprache tut Not, schließlich sind auch die oben genannten Medikamente für jeden frei in der Apotheke erhältlich. Außerdem weiß nicht jeder Spieler sofort, ob das Mittel, das er gerade einnehmen will, nicht womöglich auf der Dopingliste steht. Deswegen erhalten sämtliche Leverkusener Profis von den beiden Teamärzten eine unbedenkliche Hausapotheke.

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Das Thema Schmerzmittel geht untrennbar einher mit der Frage nach dem Grad der Belastung, dem ein Fußball-Profi über das Jahr hinweg ausgesetzt ist. "Es ist natürlich abhängig vom Alter und vom Fitnesszustand eines Spielers, wie gut er mit der Belastung vieler Spiele umgehen kann", sagt Dittmar. Generell seien 60 Spiele pro Saison aber kein Problem. "Es kommt auch auf die Regeneration zwischen den Spielen an. Nehmen Sie die NBA, da wird zwischen zwei Spielen kaum noch trainiert."

"Spieler als Menschen behandeln"

Bei der Fifa haben sie gemeinsam mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eine Arbeitsgruppe gegründet, die Empfehlungen aussprechen soll, wie viele Partien ein Profi maximal pro Jahr bestreiten sollte. "Wir müssen die Spieler als Menschen und nicht als Produkte behandeln", sagte Dvorak "Fifa World".

(RP/ac/seeg)