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Bayer Leverkusen: Geschäftsführer Schade sauer auf Pyro-Fans

Bayer Leverkusen : Geschäftsführer Schade sauer auf Pyro-Fans

In einem dreiseitigen offenen Brief hat sich Geschäftsführer Michael Schade an die Fans von Bayer 04 Leverkusen gewendet. Diese hatten im Spiel beim FC Augsburg Bengalos als Teil einer Choreografie verwendet.

Schade sieht einen kleinen Teil der Anhänger als großes Übel für alle: "Ein fauler Apfel bringt schnell den Inhalt eines ganzen Korbes zum Schimmeln." Der Geschäftsführer spricht von einem Vertrauensbruch und tiefer Enttäuschung. Er bringt den Einsatz von Pyrotechnik sogar in Zusammenhang mit den Vorfällen in Rom vergangene Woche, als acht Hooligans von Feyenoord Rotterdam festgenommen worden, 13 italienische Polizisten und fünf Niederländer verletzt wurden: "Was mit einem Bengalo scheinbar harmlos beginnt, kann mit einem Krawall großen Ausmaßes enden — wie jüngst in Rom erlebt".

Der Geschäftsführer kündigte an, die Täter zivilrechtlich zu verfolgen und das Fanbudget zu kürzen.

Der offene Brief im Wortlaut:

"Liebe Fans von Bayer 04,

ich habe mich in Augsburg sehr geärgert und war tief enttäuscht — und das lag nicht alleine am unglücklichen Ausgleich in der Nachspielzeit. Weitaus wütender war ich über die Pyro-Attacken in unserem Fanblock. Dafür habe ich mich geschämt und bei den Gastgebern des FC Augsburg entschuldigt. Denn Bengalos sind keine Wunderkerzen, mit denen man für ein paar Minuten Stimmung machen und Aufmerksamkeit erregen kann. Bengalos sind eine große Gefahr für alle — und deshalb zu Recht verboten.

Der FC Augsburg hat in einer Mail am Mittwoch die Enttäuschung zum Ausdruck gebracht, dass eine vorher genehmigte Choreografie der Bayer-Fans so schändlich missbraucht wurde. Man fühlt sich hintergangen, spricht von einem schwerwiegenden Vertrauensbruch und will die Kollegen in anderen Clubs über diesen Vorgang informieren. Die SGL-Arena ist jedenfalls für zukünftige Choreografien "verbrannt". Schade!

Ich habe immer wieder bekundet, ein "Fan der Fans" zu sein. Und das ist beileibe kein bloßes Lippenbekenntnis, denn ich habe großen Respekt vor jenen Anhängern, die weder Kosten noch Mühe und Zeit scheuen, um unsere Mannschaft überall auf der Welt zu unterstützen. Deshalb habe ich von Beginn meiner Tätigkeit an versucht, einen intensiven und regelmäßigen Gedankenaustausch mit den Fan-Vertretern zu unterhalten.

Wir haben uns häufig getroffen, haben diskutiert und unsere Meinungen ausgetauscht, die naturgemäß nicht immer übereinstimmend sein müssen. Wir haben unsere Fans über Planungen informiert und uns deren Wünsche angehört, von denen eine Vielzahl schnell erfüllt wurde.

Beginnend mit dem Ausbau der Nordkurve über die lang erhoffte Modernisierung von Kiosken und Toiletten bis hin zur Eröffnung der Fankneipe "Schwadbud" als kommunikativer Mittelpunkt für Bayer- Anhänger bei vielen Anlässen.

Wir haben finanzielle Unterstützung gewährt, so bei der Halbierung der Ticketpreise für das CL-Spiel in Paris oder mit einer Bezuschussung des Fan-Charters für das Spiel in Madrid. Derzeit arbeiten wir gerade an einer neuen Lösung für ein Fan-Haus, das ebenfalls vom Verein finanziell getragen wird.

Wir geben viel, aber wir fordern auch. Deshalb habe ich immer wieder unmissverständlich deutlich gemacht, dass über drei Dinge mit uns nicht diskutiert werden kann: 1. Gewalt im Stadion, 2. Diffamierung von Gegnern und Gästen und 3. Pyrotechnik. Noch beim jüngsten Treffen mit dem Fan- Beirat vor wenigen Tagen haben wir uns intensiv in sehr harmonischer Atmosphäre ausgetauscht und diese Spielregeln abermals untermauert — nicht zuletzt vor dem Hintergrund der derzeit in der Öffentlichkeit laufenden Diskussionen nach den Ereignissen in Mönchengladbach.

Ich bin davon überzeugt, dass die weit überwiegende Zahl unserer Fans so ist, wie jeder Club sich seine Anhänger wünscht: Begeistert, engagiert, treu und zuverlässig — ohne jeden Anflug von Gewalt. Aber leider bringen immer wieder einige wenige Hirnlose und Unbelehrbare sofort die ganze Gruppe in Misskredit.

Deshalb haben wir fortwährend gebeten: Schützt euch alle und euren guten Ruf und sortiert die Krawallmacher in einem Verfahren der Selbstreinigung aus. Denn: Ein fauler Apfel bringt schnell den Inhalt eines ganzen Korbes zum Schimmeln. Schaut nicht weg, wenn neben euch ein Bengalo gezündet oder ein diffamierendes Transparent ausgerollt wird. Für die öffentliche Wirkung ist dann immer die gesamte Nordkurve verantwortlich — Sie alle.

Vor dem Spiel in Augsburg hatten wir mit dem Fan-Beirat nochmals besprochen, dass ein "Samba-Express" zu einem Auswärtsspiel stets als offizielle Delegation des Vereins betrachtet wird. Deshalb waren wir uns einig, dass an Bord dieser Vergnügungsreise — die wir übrigens generell begrüßen und unterstützen — auch keine Fans mit aktuellem Stadionverbot sein dürfen. Zwar kann ich den Wunsch nach einem Gemeinschaftserlebnis durchaus nachvollziehen, aber Strafen müssen verbüßt werden — speziell, wenn grobe Vergehen zugrunde liegen.

Denn bevor wir bei Bayer 04 nach vielen Prüfungen und einer Betrachtung des Falles durch eine neutrale Kommission eine solche Maßnahme ergreifen, muss schon viel passiert sein.

Man hatte uns zugesagt, diese Abmachung einzuhalten. Wenn dann offenkundig wird, dass fünf Fans mit aktuellem Stadionverbot mit an Bord des Zuges waren, ist dies ein herber Bruch der Versprechungen und des Vertrauens. Und Vertrauen sollte die Basis jeglicher Kooperation sein.

Wer Gewalt sät, Gegner unflätig diffamiert und Pyrotechnik zündet ist kein echter Fan, sondern ein Krawallmacher, der den von uns allen geliebten Fußball nur als Bühne für hirnlose und gewalttätige Aktivitäten nutzt. Wir werden die Bilder aus Augsburg auswerten und alles versuchen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Wir werden alles in die Wege leiten, um die auf uns zukommenden Kosten bzw. Strafen zivilrechtlich einzuklagen oder aber — falls dies nicht gelingen sollte — diese Summe aus dem Fanbudget zu streichen. Das mag hart klingen, ist aber als abschreckendes Beispiel unumgänglich. Wer nicht hören will, muss fühlen!

Pyrotechnik ist gefährlich — und deshalb zu Recht verboten. Das ist kein Kavaliersdelikt oder eine nette Unterhaltung mit Feuerwerk. Wir wollen nicht, dass es irgendwann einmal zu einem schweren Unfall kommt, wie in anderen Stadien bereits geschehen. Deshalb werden wir den Weg des Verbots konsequent weiter beschreiten. Denn wir wollen stolz sein auf unsere Fans, die dies zu 99 Prozent auch rechtfertigen und verdienen. Aber wir wollen nicht irgendwann zum Aufmacher der Medien werden. Was mit einem Bengalo scheinbar harmlos beginnt, kann mit einem Krawall großen Ausmaßes enden — wie jüngst in Rom erlebt.

In diesem Sinne bitte ich unsere Fans: Unterstützen Sie unsere Mannschaft, leben Sie Ihre Freude am Fußball, Ihre Begeisterung, vielleicht auch manches Mal Ihre Enttäuschung aus, aber halten Sie sich an die Spielregeln. Dann werden wir bei Bayer 04 stets ein zuverlässiger und großzügiger Partner sein. Ich möchte ein stolzer "Fan der Fans" bleiben — ohne jede Einschränkung. "

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayer-Fans fackeln in Augsburg Bengalos ab