Bayer 04 Leverkusen: Fehler im System

Bayer 04 Leverkusen: Fehler im System

Bayers Chancenlosigkeit gegen Schalke hatte viele Ursachen: das Fehlen fußballerischer Grundtugenden, unglückliche Personalentscheidungen, abhandengekommenes Selbstbewusstsein und das Wissen um die nicht zu ersetzenden Vidal und Kießling.

Nach 41 Minuten schallte es aus der Ecke der Treuesten: "Wir wollen Euch kämpfen sehen!". Eine durchaus berechtigte Forderung, denn das feine Gespür von Volkes Seele hatte registriert, dass seine Lieblinge im Leverkusener Trikot Zweikämpfe an diesem Samstagabend nur als Notlösung anzusehen schienen. "Wir dürfen so in einem Heimspiel nicht auftreten", attestierte Ersatzkapitän Manuel Friedrich und musste sich nach seinen Fehlern bei beiden Schalker Toren im harten Griff der eigenen Nase widmen.

Bestand das defensive Mittelfeld-Duo gegen Hamburg und in Dortmund noch aus schnellen, wendigen und im Umschalten fixen Spielertypen (Vidal, Castro), setzte Jupp Heynckes gegen S 04 in Stefan Reinartz und Toni Kroos auf zwei Akteure, die zwar strategische Fähigkeiten, aber an diesem Tag offen zu Tage tretende Defizite im direkten Duell vorwiesen. Reinartz, der im Vorfeld noch gesagt hatte, ihm widerstrebe die Schalker Spielweise, musste bitter erkennen, dass sein Potential für die Bundesligaspitze (noch) nicht ausreicht. Kroos war auf der Doppel-Sechs zu weit hinten und fehlte als Passgeber nach vorne. "Es war ein unheimlich schlechtes Spiel von uns. Wir haben zu keiner Phase des Spiels zu unserem Spiel gefunden", gab Bayerns Leihgabe zu.

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Renato Augusto spielte wieder wie zu schlechtesten Bruno-Labbadia-Phasen, ließ schon nach zehn Minuten den Kopf hängen, weil das Zusammenspiel mit dem indisponierten Daniel Schwaab nicht funktionierte und er gegen den von Felix Magath auf die linke Seite beordeten Landsmann Rafinha nicht den Hauch einer Chance auf einen gewonnenen Zweikampf besaß. Diagonal gegenüber gewann Felix Magath seinen zweiten Schachzug gegen den Kollegen Heynckes. Der von Leverkusens Trainer auf die linke Seite versetzte Gonzalo Castro hatte riesige Probleme mit dem starken Jefferson Farfan. Ich kann mir unsere Leistung nicht erklären", sagte Castro. Der verletzte Bayer-Kapitän Simon Rolfes vermisste die Grundtugenden des Fußballs bei seinen Kollegen. Und Wolfgang Holzhäuser attestierte das "schlechteste Saisonspiel".

Ach ja, da war ja noch Patrick Helmes. Der Kießling-Ersatz, der sein Startelf-Debüt so bestritt, dass Heynckes ihn trotz Ermangelung von Alternativen zur Pause auswechselte. Es musste wie die Höchststrafe wirken.

(RP)