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Bayer Leverkusen: Europa League — mehr Fluch als Segen

Bayer Leverkusen : Europa League — mehr Fluch als Segen

Die Bilanz der Europa League fällt für Bayer 04 in vielerlei Hinsicht dürfig aus: finanziell, sportlich und in punkto TV-Präsenz. Die Kluft zur Champions League minimiert den Reiz des früheren Uefa-Cups.

Was war sie denn nun für Bayer 04, die in Lissabon zu Ende gegangene Europa-League-Saison? Segen oder Fluch? Gewinn oder Belastung? Bühne oder Störfaktor? Die Analyse der relevanten Aspekte zeichnet ein deutliches Bild:

Einnahmen: Legt man die von der Uefa veröffentlichte Einnahmenverteilung in der Europa League zugrunde, hat Bayer 04 in seinen acht Spielen insgesamt 2,6 Millionen Euro an Prämien verdient. Der DFB zahlt allein für den Gewinn des DFB-Pokalfinales 2,5 Millionen Euro. Und noch ein Vergleich: Die beiden schlechtesten Teams in der Gruppenphase der Champions League, Dinamo Zagreb und der FC Nordsjælland (jeweils nur ein Punkt aus sechs Spielen), kommen auf 9,1 Millionen Euro an Prämien.

Hinzu kommen für Bayer 04 die Gelder aus dem nationalen "Marktpool" (TV- und Werbeeinnahmen). Dieser betrug in der Europa-League-Saison 2011/2012 für den Deutschen Markt knapp 13,9 Millionen Euro. Weil Mainz 05 in der Qualifikation gescheitert war, teilten Hannover 96 (~6 Millionen Euro) und Schalke 04 (~7,9 Millionen Euro) diesen Topf unter sich auf. In dieser Saison balgen sich allerdings neben Bayer 04 drei weitere deutsche Teams um Gelder aus diesem Pool. Weil der Anteil eines Vereins daran unter anderem von der Zahl der Spiele im Wettbewerb abhängt, vergrößert sich aktuell Stuttgarts Anteil mit jeder weiteren Runde, die der VfB übersteht.

Zuschauerinteresse: In den vier Heimspielen der Europa League kamen im Schnitt 17 763 Zuschauer in die BayArena. Damit stünde man in der 2. Bundesliga auf Rang acht. Der Schnitt über alle Europa-League-Teilnehmer hinweg liegt bei gut 19 900 Fans. Selbst ohne den Faktor "Anstoßzeit 21.05 Uhr" wird deutlich, dass für diejenigen Leverkusener Anhänger, die sich vor jedem Spiel aufs Neue überlegen, ob sie eine Karte kaufen, der Event-Charakter der Europa League dafür offenbar nicht ausreicht. Weil die Erlöse aus Ticketverkäufen zu 100 Prozent beim Heimverein verbleiben, schlägt der Zuschauerschnitt unmittelbar beim Verdienst zu Buche.

TV-Präsenz: Achtmal hatte der Free-TV-Rechteinhaber "Kabel eins" die Möglichkeit, ein Europa-League-Spiel von Bayer Leverkusen live zu zeigen. Nur einmal (am 8. November, 3:0 gegen Wien) entschied man sich dafür. Ansonsten spielte die Werkself in der quotentechnischen Bedeutungslosigkeit des Pay-TV. Kabel eins zeigte übrigens viermal Gladbach und dreimal Hannover — und ab sofort zeigt es nur noch Stuttgart.

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Renommee: Internationaler Fußball ist für den Hauptsponsor seit jeher ein wichtiger Faktor, aber solange Bayer 04 in Duellen mit Charkow oder Trondheim genannt wird, kocht das Echo von Medien und Öffentlichkeit eben auf Sparflamme. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erwähnte in der Vorwoche, bei der Auslandsvermarktung der Bundesliga habe die Europa League nur statistische Bedeutung. Immerhin: Im Hinblick auf die Wahrnehmung der Bundesligisten im Ausland liegt Bayer 04 auf Rang fünf.

Fazit: Eine Saison in der Europa League ist für Bayer 04 erst in zweiter Linie eine Saison im Europapokal. Zuallererst ist es eine Saison ohne die im nationalen Kräftemessen immer relevanter werdenden Champions-League-Einnahmen. Die Europa League wirkt am Ende wie der Fluch der guten Tat, auf Rang fünf eingelaufen zu sein.

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(RP/can)