Interne Stürmerhierarchie Es bleibt kompliziert zwischen Bayer und Alario

Leverkusen · Bayer Leverkusen hat den Vertrag von Lucas Alario verlängert. Ein Wechsel des Argentiniers und die Personalie Sardar Azmoun sind damit vom Tisch. Offen bleibt die Frage, wer Stürmer Nummer drei wird.

Lucas Alario (Mitte) feiert mit seinen Teamkollegen Florian Wirtz und Moussa Diaby (r.) eines seiner vielen Tore für die Werkself.

Lucas Alario (Mitte) feiert mit seinen Teamkollegen Florian Wirtz und Moussa Diaby (r.) eines seiner vielen Tore für die Werkself.

Foto: AP/Martin Meissner

Leverkusen Hätten Bayer Leverkusen und Lucas Alario einen Beziehungsstatus, wäre dieser wohl am ehesten mit „es ist kompliziert“ zu beschreiben. Zwar versichern sich beide Seiten nach der Vertragsverlängerung bis 2024 gegenseitig die höchste Wertschätzung, aber zur Wahrheit gehört auch, dass die vielen netten Worte vor allem der Professionalität geschuldet sind. Denn wirklich glücklich sind Alario und die Werkself bis heute nicht miteinander.

Seit 2017 spielt der Argentinier für Schwarz-Rot. Seitdem wird er den Status, nur Stürmer Nummer zwei im Klub zu sein, nicht los. Entsprechend lanciert sein Berater in regelmäßigen Abständen die Unzufriedenheit seines Schützlings. Von einem Ferrari, den man besser nicht dauerhaft in der Garage parken sollte, war unter anderem metaphorisch die Rede.

Fakt ist, dass die Zahlen für Alario sprechen. Er ist ein Strafraumstürmer klassischer Bauart, glänzt durch Kopfballstärke und die Fähigkeit, auch mit dem Rücken zum Tor den Ball sichern und an Mitspieler weiterleiten zu können. Allerdings hat er Schwächen in der Arbeit gegen den Ball und gilt nicht unbedingt als mitspielender Stürmer. Davon abgesehen erfüllt er seine Hauptaufgabe zuverlässig. In seinen vier Jahren unter dem Bayer-Kreuz hat Alario 131 Pflichtspiele bestritten, dabei 51 Tore erzielt und 16 vorbereitet – eine sehr ordentliche Quote, wenn man seine eher begrenzte Einsatzzeit mit in die Gleichung nimmt.

Doch erst war der Argentinier Stürmer Nummer zwei hinter Kevin Volland, dann hinter dem nach Vollands Abgang im Sommer 2020 verpflichteten Patrik Schick. In der Startelf steht er eigentlich nur, wenn es Verletzungen oder Belastungssteuerung notwendig machen. Ansonsten muss er sich mit der Rolle des Edeljokers begnügen. Dass Trainer Gerardo Seoane regelmäßig mit zwei Stürmern spielen lässt, ist unwahrscheinlich. Im Testspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen am Samstag standen Schick und Alario gemeinsam auf dem Platz. Der Argentinier traf doppelt, der Tscheche steuerte ein Tor zum 3:1-Sieg bei.

Bei einem passenden Angebot hätte Alario wohl den Verein in diesem Sommer verlassen können. Sein Vertrag lief bis 2022, als Ersatzkandidat wurde bereits der Iraner Sardar Azmoun gehandelt, der bei Zenit St. Petersburg sowie der Nationalmannschaft seines Heimatlandes durch eine auffällig hohe Torquote überzeugt. Doch offenbar konnte keiner der Interessenten, die es laut Sportgeschäftsführer Rudi Völler gegeben hat, eine zufriedenstellende Ablösesumme bieten. Damit blieben im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Vertrag verlängern oder Alario nach der Saison ablösefrei ziehen lassen. Letzteres kam für Bayer freilich nicht in Frage.

„Uns war natürlich schon vorher bewusst, wie wertvoll Lucas für Bayer 04 ist. Doch seine sehr gute letzte Spielzeit hat das Interesse anderer Klubs geweckt“, sagt Völler über den Argentinier, der in der abgelaufenen Saison in 33 Pflichtspielen an 19 Toren beteiligt war. „Deshalb sind wir sehr froh, dass wir den Vertrag verlängern konnten.“ Sportdirektor Simon Rolfes ist sich der Qualitäten des 28-Jährigen ebenfalls bewusst: „Lucas ist ein Torjäger durch und durch. Auf ihn war und ist immer Verlass, wenn man ihn braucht.“Auch Alario freut sich über die Vertragsverlängerung. „Ich habe immer betont, dass ich mich bei Bayer 04 sehr wohl fühle. Der Klub ist sehr professionell aufgestellt, und wir wollen zusammen viel erreichen“, lässt er sich in der Klubmitteilung zur Verlängerung zitieren.

Da die Leverkusener mit Bundesliga, Pokal und Europa League erneut eine intensive Saison erwartet, wird Alario seine Einsatzzeiten bekommen. Und vermutlich wird es auch wieder Aussagen aus seinem Umfeld geben, um Wechselgedanken zu lancieren, wenn der Stürmer zu selten zum Einsatz kommt. Immerhin wechselte er 2017 für kolportierte 24 Millionen Euro Ablöse von River Plate Buenos Aires ins Rheinland.

Bleibt nur die Frage, wer Stürmer Nummer drei ist, falls Alario und Schick nicht spielen können. Joel Pohjanpalo wird hartnäckig mit einem Wechsel zum 1. FC Köln in Verbindung gebracht und Emrehan Gedikli ist gerade erst aus der U19 zu den Profis gestoßen. Entsprechend kursieren Gerüchte über Offensivspieler im Umfeld des Werksklubs. Werder Bremens Josh Sargent soll Bayers Interesse auf sich gezogen haben, zudem geistert auch der Name Arthur Cabral immer wieder durch die Medien. Der 23-jährige Brasilianer geht derzeit noch für den FC Basel auf Torejagd. In Iker Bravo kam zudem unlängst ein 16-jähriges Mittelstürmer-Talent aus der Jugend des FC Barcelona nach Leverkusen.

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