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Bayer Leverkusen: Eine Offensiv-Alternative mehr täte gut

Bayer Leverkusen : Eine Offensiv-Alternative mehr täte gut

Der Auftritt in Stuttgart zeigt, dass die Werkself Probleme zu bekommen droht, wenn vorne neue, andere Impulse gefragt sind.

Spätestens, als Philipp Wollscheid nach 82 Minuten den Stuttgarter Rasen betrat, war jedem klar, dass die Werkself an diesem Tag ihr Vertrauen in eigene Offensivaktionen minimiert hatte. Es ging nur noch darum, dass dünne 1:0 über die Zeit zu retten. Dass sich die Bank um Trainer Sami Hyypiä zu dieser für ein spielstarkes Leverkusen ungewöhnlichen Marschroute entschloss, lag nicht zuletzt daran, dass sie zuvor hatte miterleben müssen, wie der eigene Spielvortrag aussehen kann, wenn die Protagonisten mal keinen guten Tag erwischen. Insofern waren die 90 Minuten Wasser auf Hyypiäs Mühlen, der unter der Woche gesagt hatte, er würde sich wohler fühlen, wenn er noch einen zusätzlichen Offensivspieler bekommen könnte.

Das Leverkusener Offensivspiel lebt davon, dass selbiges als schnelles, das heißt auch passsicheres Umschaltspiel über die beiden Außen Sidney Sam und Heung-Min Son daherkommt. Weil in Stuttgart die Passgenauigkeit zuweilen zu Wünschen übrig ließ, Konter teilweise schlecht zu Ende gespielt wurden und sich Sam und Son letztlich zu oft in Einzelaktionen verzettelten, musste Bayer 04 fast ausschließlich auf Stefan Kießling und seine Torgefahr vertrauen. Doch der Torschützenkönig erwischte — obwohl es es manch einer wohl kaum noch für möglich gehalten hätte — gegen seinen Lieblingsgegner keinen guten Tag und ließ drei Großchancen liegen. In so einer Situation hätten neue Offensiv-Impulse von der Bank gut getan. Doch die gab es nicht, weil Jens Hegeler in seinen 20 Spielminuten keine Bindung zu den Mitspielern fand und die Verantwortlichen in Roberto Hilbert oder dem für solche Fälle ja eigentlich verpflichteten Konterspieler Robbie Kruse offenbar keine Option sahen, sondern die Variante mit Verteidiger Wollscheid favorisierten.

Das Problem der neuen Impulse mag kein akutes sein, aber es werden Spiele kommen, in denen man einer gegnerischen Defensive auch mal andere Lösungsversuche als die herkömmlichen anbieten muss, oder in denen es darum geht, mit Macht einen Rückstand aufholen zu müssen. Dann wäre frisches Vitamin B von der Bank gefragt. Arkadiusz Milik (zuletzt angeschlagen und zudem noch auf dem Weg zum erforderlichen Spielniveau) und Karim Bellarabi nach seiner langen Verletzung stellen auf Sicht noch keine Alternativen dar.

Insofern ist es nur allzu verständlich, wenn Michael Reschke und Co. nach wie vor nach einer zusätzlichen Offensivkraft forschen. Einen für noch mehr bessere Breite. Und für Hyypiäs Wohlempfinden.

(RP)