Bayer Leverkusen: Die Unverzichtbaren

Bayer Leverkusen : Die Unverzichtbaren

In der Sommerpause hat sie wieder Hochkonjunktur: die Wunschelf. Verantwortliche und Fans zerbrechen sich gleichermaßen den Kopf, welche elf Spieler das Optimum für ihren Verein auf den Rasen bringen können.

Auch bei Bayer 04 gibt es wahrlich nicht nur eine denkbare Variante — vor allem, nachdem der Kader in den vergangenen Wochen eine hohe Fluktuation zu verzeichnen hatte.

Unersetzlich: Bernd Leno beweist seit einem Jahr, wie wichtig er für Bayer 04 ist. Der Qualitäts-Unterschied zu den beiden Torhütern hinter ihm ist enorm groß. Foto: Manu Fernandez

Das Ziel der Kaderplaner um Michael Reschke lautet längst nicht mehr nur, Qualität zu verpflichten, sondern den Verantwortlichen auch — und vor allem — Qualität in der Breite zu garantieren. Dieser Auftrag scheint ein niemals endender, selbst wenn Sportdirektor Rudi Völler am Freitag bei "Sport1" festhielt: "Wir werden jetzt nichts mehr tun, die Mannschaft passt so."

Unersetzlich: Tschechiens Nationalspieler Michal Kadlec (r.) ist der einzige gelernte Linksverteidiger im Kader der Werkself. Foto: Petr David Josek

Die ständig zu aktualisierende Bestandsaufnahme mündet jedoch in der Frage: Haben wir auf der Position X einen gleichwertigen Ersatz B, wenn Spieler A ausfällt? Momentan lässt sich nach Meinung vieler diese Frage zumindest auf drei Positionen im Kader der Werkself nicht mit "Ja" beantworten: im Tor, auf der linken Abwehrseite und im Sturmzentrum.

Als David Yelldell jetzt im Spiel gegen Gent einen harmlosen Flankenball fallen ließ und wenig später unbedrängt den Ball faustete, statt ihn zu fangen, raunte es hörbar unter den 1800 Zuschauern im Haberland-Stadion.

Dem Ersatz von Bernd Leno haftet immer noch das schwer verdauliche Pokalaus von Dresden an — sein bislang einziger Pflichtspieleinsatz für Bayer 04. Leno kam vor einem Jahr, weil man im Club weder Yelldell noch Fabian Giefer (inzwischen Fortuna Düsseldorf) zutraute, dauerhaft als Vertreter des verletzten René Adler (inzwischen Hamburger SV) zu agieren. Diese Zweifel sind im Fall Yelldell bei vielen geblieben, und so darf eine Verletzung Lenos wohl als "Worst-Case-Szenario" in Leverkusen angesehen werden.

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Ähnliches gilt für Stefan Kießling, der im Sturmzentrum (erstmal) ohne Alternative dasteht. Bayers Lebensversicherung in der vergangenen Rückrunde (13 Tore) bringt ein Profil mit, das sonst niemand im Kader der Werkself aufweist.

In Eren Derdiyok wurde der andere groß gewachsene Strafraum-Stürmer nach Hoffenheim verkauft, im Chilenen Junior Fernandes ein Ersatz geholt, der in erster Linie als hängende, zweite Spitze oder als Außenstürmer gesehen wird und mit Sicherheit eine gewisse Zeit braucht, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen.

Fällt Kießling aus, müsste Fernandes ins kalte Wasser geworfen werden, oder Bayer entschiede sich für eine Variante mit Renato Augusto oder gar André Schürrle in vorderster Front.

Quasi konkurrenzlos stellt sich die Situation für Linksverteidiger Michal Kadlec dar. Nach dem Verkauf von Bastian Oczipka nach Frankfurt ist der tschechische EM-Teilnehmer der einzige Linksfuß für diese Position.

Andererseits traute man Oczipka zu Saisonende letztlich auch nicht zu, den verletzten (und über weite Strecken höchstens soliden) Kadlec zu vertreten, sondern beorderte Allzweckwaffe Gonzalo Castro auf seine Position. Dass sich bei diesem die Begeisterung über Einsätze links hinten in engstem Rahmen hält, verriet seine Körpersprache schon all zu oft.

Kießling, Leno, Kadlec — Bayers Unverzichtbaren dürften sich in jeder Leverkusener Wunschelf wiederfinden — bei Fans wie beim Trainergespann.

(RP)