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Bayer Leverkusen: Die Stunde der Selbstkritischen

Bayer Leverkusen : Die Stunde der Selbstkritischen

Das Beste hatten sich Leverkusens Profis in Augsburg für die Minuten nach dem Spiel aufgehoben: die selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung beim 3:1-Sieg. "Wir haben nie unseren Spielrhythmus und unsere Sicherheit gefunden", sagte auch Trainer Sascha Lewandowski.

Die Mehrheit derer, die nach dem Schlusspfiff in Augsburg mit der kleinen Fangemeinde den 3:1-Sieg feierten, legte in diesem Moment ein beachtliches schauspielerisches Talent an den Tag. Denn nur Augenblicke später zeigten die meisten Bayer-Profis beim Gang in die Kabine, was sie wirklich von der eigenen Leistung hielten. Und das war herzlich wenig, wie sie mit gesenkten Köpfen, betretenen Mienen und bemerkenswert selbstkritischen Einschätzungen deutlich machten.

Stefan Reinartz, der nach einem Ausfallschritt kurz vor der Pause mit einer Adduktorenzerrung ausscheiden musste und für das morgige Spiel gegen Fürth je nach Ergebnis des MRT auszufallen droht, fand den Auftritt "äußerst mau". Torschütze und Innenverteidiger Philipp Wollscheid, der mit Nebenmann Ömer Toprak in Hälfte zwei mehr Arbeit zu verrichten hatte, als er sich wohl bei einer 3:0-Pausenführung einer für Konterfußball prädestinierten Mannschaft hatte träumen lassen, befand angesäuert: "Das war keine gute Leistung. Wir hatten viel zu viele leichtfertige Ballverluste." Sportdirektor Rudi Völler stimmte freimütig in den Chor dieser kritischen Stimmen ein ("Heute hat eine Durchschnittsleistung gereicht. Gegen Gladbach haben wir um Klassen besser gespielt"), lobte aber immerhin: "Wir waren sehr, sehr effektiv."

Bayers Glück war es, dass man an diesem Abend auf einen Gegner traf, der in einer "Mischung aus Unvermögen und Pech", wie es die "Augsburger Allgemeine" gestern formulierte, über den Platz stolperte. Warum die Leverkusener Gäste gegen solch ein verunsichertes und harmloses Team allerdings selbst nur auf Sparflamme zu kochen bereit waren, sollte dringend ein Punkt in der Spielanalyse (gewesen) sein. Stefan Kießling bekannte trotz seines 88. Bundesligatreffers, er fühle sich angesichts der angelaufenen Englischen Wochen "ziemlich platt". Weitgehende Verweigerung engagierter Zweikampfführung im Mittelfeld in der zweiten Halbzeit erklärt dies freilich nicht. "Wir haben zu keinem Zeitpunkt unseren Spielrhythmus und unsere Sicherheit gefunden", sagte Trainer Sascha Lewandowski.

Morgen, gegen Fürth, will Bayer 04 das eigene Punktekonto in den zweistelligen Bereich hieven. Dass sie bei diesem Vorhaben auf einen vornehmlich defensiv eingestellten Gegner treffen werden, gilt als Einschätzung im Mannschaftskreis als mehrheitsfähig. Gleiches gilt für die Annahme, dass ein Gegner nicht in jeder Partie derart freigiebig Geschenke verteilen wird, wie am Mittwochabend die Augsburger. "Wir müssen schauen, dass wir kräftemäßig wieder auf den Damm kommen, und dann geht es weiter", sagte Kießling. Optimal wäre, wenn seine Kollegen und er sich nachher vor den eigenen Fans nicht wieder als Laiendarsteller betätigen müssten.

(RP/ac)