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Das sind die neuen Stärken von Bayer Leverkusen

Frühe Starts und mehr Wucht : Das sind die neuen Stärken von Bayer 04

Bayer 04 Leverkusen hat einen erfolgreichen Saisonstart unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane hingelegt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Wichtige Rollen spielen die effizienten Anfangsviertelstunden und mehr körperliche Präsenz in den Zweikämpfen.

Fünf Bundesliga-Partien hat die Werkself bislang absolviert. Mit zehn erbeuteten Punkten belegt Bayer 04 derzeit den vierten Platz, stellt mit 15 erzielten Toren die drittstärkste Offensive und hat nach Spitzenreiter München die beste Tordifferenz (plus acht). Der gelungene Start unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane hat viele Gründe.

Schnelle Starts Das 1:0 nach 90 Sekunden durch Robert Andrich am vergangenen Sonntag in Stuttgart war schon der siebte Treffer des Werksklubs in der Anfangsviertelstunde – einsamer Spitzenwert in der Liga. Und selbst den internationalen Vergleich braucht das Bayer-Team in dieser Hinsicht nicht zu scheuen: In keiner der anderen europäischen Top-Ligen findet sich zu diesem Zeitpunkt der Saison eine Mannschaft mit auch nur annähernd vielen Toren in den ersten 15 Spielminuten.

„Wir wollen von Anfang an aktiv sein“, sagt Seoane mit Blick auf diese statistische Auffälligkeit. „Wenn der Schiedsrichter anpfeift, müssen wir bereit sein.“ Agieren statt reagieren lautet die Vorgabe des Schweizer Fußballfachmanns. „Das versuchen wir schon in der Spielvorbereitung in die Köpfe der Spieler zu bekommen.“ Gleichwohl er sicher nichts dagegen hätte, glaubt Seoane nicht daran, dass seine Profis die Quote in der Anfangsviertelstunde mit Blick auf die gesamte Saison aufrechterhalten können. „Das wird sich einpendeln“, betont der 42-jährige Übungsleiter.

Mehr Physis Seoane macht keinen Hehl daraus, dass der Fokus bei den Verpflichtungen diesen Sommer darauf lag, gezielt Spieler dazuzuholen, die zweikampfstark sind und auch über eine gewisse Körpergröße verfügen. Odilon Kossounou, Mitchel Bakker, Piero Hincapie und Andrich würden dieses Anforderungsprofil erfüllen, bestätigt der Coach von Bayer 04.

In den vergangenen Spielzeiten wurde die Werkself nicht selten dafür kritisiert, auf dem Rasen zu „brav“ zu sein. Davon kann aktuell keine Rede sein. Derzeit ist Leverkusen mit 13 Gelben und einer Roten Karte Letzter in der Fair-Play-Tabelle (siehe Info-Kasten). Bisweilen sind die Profis der Werkself – wie bei den Fouls von Andrich an Stuttgarts Tanguy Coulibaly oder Bakker an Gladbachs Stefan Lainer – auch schon über das Ziel hinausgeschossen.

Seoane sieht indes keine Relation zum Ansatz, in dieser Saison mit mehr Wucht und Physis agieren zu wollen. „In der Tabelle der begangenen Fouls sind wir ganz unten und andere Mannschaften ganz oben. Die Fair-Play-Tabelle spiegelt nicht immer die ganze Wahrheit“, beschwichtigt er. In der Tat hat die Werkself bislang erst 43 Fouls gegen sich gepfiffen bekommen, nur Gladbach und München kommen auf weniger. „Foul-Spitzenreiter“ ist aktuell indes Bayers Gegner am Samstag (15.30 Uhr): Mainz 05 mit 77 Fouls. „Ich denke nicht, dass wir eine unfaire Mannschaft sind“, sagt Seoane.

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Formstarke Führungsspieler Mittelfeldmann Kerem Demirbay hat seine bislang stärkste und konstanteste Phase seit seinem Wechsel nach Leverkusen, Angreifer Patrik Schick hat seine EM-Form konservieren können und Florian Wirtz schwingt sich zunehmend zum Unterschiedsspieler auf. Jonathan Tah gehört mit einer Passquote von 94,02 Prozent in dieser Kategorie zur absoluten Liga-Spitze, Moussa Diaby hat den nächsten Schritt in punkto Effizienz gemacht und auch die Sommer-Transfers überzeugen bislang. Keine Frage: Beim Werksklub greifen gerade viele Rädchen ineinander. Das Ziel muss nun sein, weiter Stabilität in die Leistungen zu bekommen, um auch dann noch um die ersten vier Plätze mitzumischen, wenn es auf die Zielgeraden der Saison zugeht. 

Der Saisonstart darf den Fans zumindest Hoffnung geben, dass die Mannschaft den Umbruch schneller als angenommen vorantreiben kann.