Bayer 04 Leverkusen: Das große Rätsel um Anderson

Bayer 04 Leverkusen: Das große Rätsel um Anderson

Die Leverkusener "verleihen" einen Brasilianer nach Osnabrück, obwohl der gar keinen Vertrag mit ihnen besitzt. Dafür aber hat der Bundesligist bis zum nächsten Frühjahr eine Kaufoption auf den 20-jährigen Innenverteidiger. Ex-Sportchef Günter W. Becker hat mit dem Verein gebrochen.

Irgendwann war die Verwirrung dann richtig komplett. Da meldete der Fußball-Zweitligist VfL Osnabrück gestern die Verpflichtung eines Brasilianers auf Leihbasis von Bayer Leverkusen für ein Jahr: Anderson Soares de Oliveira heißt der 20-jährige Innenverteidiger, kurz Anderson.

Nur: Bayer beeilte sich kurz nach Bekanntgabe dieser Nachricht sogleich auf seiner Internet-Homepage darauf hinzuweisen, dass Anderson gar keinen Vertrag mit den Leverkusener besitze. Und der einzige Bezug zu Bayer ergebe sich dadurch, dass Chef-scout Norbert Ziegler den Abwehrspieler gesichtet und den Osnabrückern empfohlen habe.

Zugriffsrecht bis zum März

Das ist freilich nicht die ganze Wahrheit. Die Leverkusener haben das getan, was in früheren Jahren unter der Führung von Reiner Calmund sehr häufig der Fall war: Sie haben sich auf den Spieler eine Option gesichert. "Wir haben bis zum nächsten März ein Zugriffsrecht auf diesen Spieler", bestätigt Manager Michael Reschke.

Anderson aus dem Nachwuchsteam von Flamengo Rio de Janeiro war sich eigentlich schon mit dem spanischen Zweitligisten Real Sociedad San Sebastian über einen Wechsel einig. Nachdem der Verein aber nun vor dem Konkurs steht, scheiterte die Verpflichtung.

Davon bekamen die Leverkusener Wind. Da Norbert Zieglers Beurteilung über den talentierten Vorstopper sehr positiv ausfiel ("Schnell, groß, ein richtig guter Junge, der Zukunft hat"), entschied Bayer, seine freundschaftlichen Kontakt zum VfL Osnabrück spielen lassen.

Ergebnis der Unterredungen zwischen Michael Reschke und VfL-Sportdirektor Lothar Gans sowie Trainer "Pele" Wollitz: Bayer übernimmt für die Osnabrücker die Leihgebühr für ein Jahr und erhält dafür eine Kaufoption bis zum nächsten Frühjahr. Einen "Spieler parken" nennt man das mittlerweile in der Fußballersprache.

Ähnliches hat der FC Barcelona mit Henrique bei Bayer im Sinn — nur mit dem Unterschied, dass der Nationalspieler auch einen Vertrag bei den Katalanen besitzt. "Sich für kleines Geld eine Option auf Spieler zu sichern in der Hoffnung, dass sie zünden, macht immer wieder mal Sinn. Das Risiko ist ja auch sehr überschaubar", sagt Bayers Sportchef Rudi Völler.

Dass diese Vorgehensweise dennoch nicht zwingend zum Erfolg führt, haben die Leverkusener in der Vergangenheit schon einige Male feststellen müssen, auch in der Verbindung mit den Osnabrückern. 2003 hatte Bayer schon mal einen bosnischen Nationalspieler beim VfL übergangsweise stationiert, der dann aber nie auch nur ein Spiel für die Leverkusener gemacht hat und dessen Name heute sicherlich nicht mehr vielen ein Begriff ist: Dzemal Berberovic.

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(RP)
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