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Bayer Leverkusen: Das Ende der Ungeschlagenheit: Bayer unterliegt Espanyol mit 0:3

Bayer Leverkusen : Das Ende der Ungeschlagenheit: Bayer unterliegt Espanyol mit 0:3

Schon die Hinreise gestaltete sich beschwerlich. Zumindest für Fans. Die hießen damals noch Schlachtenbummler, und 2000 davon hatten Karten für das Final-Hinspiel von Bayer 04 bei Espanyol Barcelona ergattert (1400 Stehplatzkarten wurden vom Verein verschenkt), und einige davon mussten bei der Anreise improvisieren, als einer der beiden für Fans gecharterten Flieger vom Flugunternehmen gestrichen wurde.

Das Team selbst hob hingegen am Vortag der Partie plangemäß mit Trainer- und Betreuerstab, 18 Spielerfrauen und der Aufstiegsmannschaft von 1979 vom Flughafen Köln-Bonn ab. Allerdings flog die Werkself ihrer ersten sportlichen Bruchlandung auf internationalem Terrain entgegen. 14 Mal war Leverkusen bis zum 4. Mai 1988 im Uefa-Cup im Einsatz gewesen. Bilanz: sieben Siege, sieben Remis.

Den Abend, an dem die Ungeschlagenheit endete, ging Bayer mit viel Offensive an. Neben Herbert Waas und Andrzej Buncol bot Trainer Erich Ribbeck unerwartet den Brasilianer Tita auf. Mit so vielen Fachkräften für den Angriff sollte im Sarria-Stadion der Treffer gelingen, den der Coach herbeiwünschte: "Ein Tor wäre schon schön und vor allem hilfreich". Und die Dinge schienen sich zunächst gut zu entwickeln. Die Gäste kombinierten, lieferten eine abgeklärte Vorstellung. "Wir haben 44 Minuten lang so gut gespielt wie noch nie im Uefa-Cup", meinte Routinier Bum-kun Cha, der nach 18 Minuten angeschlagen vom Feld musste. Der so gelobte Auftritt endete, als Falko Götz Espanyols Soler zu ungestüm angriff und dessen Flanke von Losadas Kopf zum 1:0 veredelt wurde.

Auch die Pause brachte Bayer nicht zurück in die Spur. Vier Minuten nach Wiederanpfiff brachte die Defensive den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Schuss Soler, 2:0. Als sich Florian Hinterberger nach 57 Minuten einen Ballverlust leistet und den zweiten Kopfballtreffer Losadas einleitet, scheint der europäische Gipfelsturm Leverkusens endgültig gestoppt. Den Bemühungen, den vom Trainer herbeigewünschten Auswärtstreffer zu erzielen, entsprang nur noch ein Kopfball von Alois Reinhardt über das Tor.

Espanyol, das zuvor unter anderem Borussia Mönchengladbach, AC und Inter Mailand aus dem Wettbewerb befördert hatte, schien nach halber Strecke am Titelgewinn angekommen. Immerhin: Als gute Gewinner gaben spanische Balljungen Bayer-Torwart Rüdiger Vollborn bei dessen Gang vom Platz aufmunternde Klapse mit auf den Weg. Einer der Wenigen aus dem Leverkusener Lager, die Zuversicht versprühten, war Präsident Gert-Achim Fischer: "Wir packen das trotzdem noch", verkündete er, während sich Ribbeck für das zwei Wochen später anstehende Rückspiel zumindest zwei Szenarien vorstellen konnte: "Entweder wir schaffen dann das Wunder oder wir gehen mit fliegenden Fahnen unter."

(RP)