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Bayer Leverkusen: Daran ist Robin Dutt gescheitert

Bayer Leverkusen : Daran ist Robin Dutt gescheitert

Das Aus für Leverkusens Trainer kommt nicht überraschend. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen in Dutts Persönlichkeit genauso wie in der Struktur der Bayer- Mannschaft, in Fehlentscheidungen der Verantwortlichen und Irrtümern aus der Vergangenheit.

Robin Dutt hatte die Mechanismen des Geschäfts klar vor Augen, als er dieser Zeitung Ende Juni das erste Interview nach seinem Dienstantritt als Leverkusener Trainer gab. "Wenn ich keinen Erfolg habe, werde ich entlassen. Wenn ich Erfolg habe, darf ich noch ein bisschen länger bleiben", hatte Dutt damals in der BayArena gesagt, während seine neue Mannschaft eine Etage höher leistungsdiagnostische Tests durchlief. Knapp neun Monate später wurde Dutt gestern entlassen. Weil der Erfolg ausblieb. Doch der augenscheinlichste Grund ist beileibe nicht der einzige für Dutts Scheitern unter dem Bayer-Kreuz. "Es gibt nur einen Verantwortlichen für die Leistung der Mannschaft, und der sitzt vor ihnen", sagte Dutt nach dem 0:2 gegen Freiburg. Für das Klima rund um den Werksclub, das in dieser Saison zwischen Depression und Galgenhumor schwankt, sind indes viele zuständig.

Dutt machte Fehler. Er unterschätzte Leverkusen. Den Verein wie das Umfeld. Die Erwartungshaltung wie den Umgang mit Nationalspielern. Er brauchte trotz aller Warnungen zu lange, um zu begreifen, dass er Bayer 04 nicht wie den Sportclub Freiburg führen konnte. Dass Aussagen in der Medienlandschaft am Rhein ein anderes Echo erzeugen als im Breisgau. Als er all das schließlich realisierte, hatte er schon zu viel Kredit im Team und in der Öffentlichkeit verspielt. "Der gute Robin Dutt hatte sicherlich einen schweren Start hier", sagte Wolfgang Holzhäuser gestern.

Den Start hatte ihm die Vereinsführung jedoch auch denkbar schwer gemacht. Weil Jupp Heynckes entgegen der Leverkusener Planungen vor dem Problemfall Michael Ballack flüchtete, kam Dutt schon vor dieser Saison. Und er wurde mit Vorschusslorbeeren und Erwartungen überhäuft. Er sollte mehr aus dem Team herausholen als Heynckes, der Vizemeister geworden war. Dutt wurde zum idealen Trainer stilisiert, den man – überspitzt formuliert – seit dem Kindergarten beobachtet hatte. All das schmeichelte Dutts Ego – zu sehr womöglich. Die Erwartungen des Vereins trafen auf Dutts Dankbarkeit dafür, dass er, der nur Amateurfußballer war, die Chance bekam, einen Champions-League-Teilnehmer zu trainieren. Aus dieser Rolle heraus nahm er den Verkauf von Arturo Vidal wie auch den Verzicht auf einen erfahrenen Innenverteidiger hin.

Dutt sagte zwar, man habe ihn auf mündige Spieler vorbereitet, allein die Handhabe der Rolfes', Ballacks und Balitschs gelang ihm nicht. Die Mannschaft, die Heynckes regelrecht geliebt hatte, begegnete Dutt mit Skepsis – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Die unzähligen Interna, die im Verlauf der Hinrunde aus dem Team in die Medien gelangten, zeichneten das Bild einer Zusammenarbeit, in der so ziemlich alles im Argen lag. Dies zu leugnen, war nur ein Reflex der Beteiligten. Einer ohne Überzeugung.

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"Es gibt Dinge, die muss man hintan stellen, wenn es um das große Ganze geht", sagte Holzhäuser gestern. Das große Ganze ist der Laden Bayer 04, der seinem Geschäftsführer in der Vorwoche endgültig um die Ohren zu fliegen drohte. Fans, Sponsoren, Medien – bei vielen Begleitern des Werksclubs hatte sich ein unverrückbares Bild vom Oberlehrer Dutt, vom Trainer, der sein Wissen nur aus Büchern hat, vom beratungsresistenten Feingeist festgesetzt. Einzig dauerhafter sportlicher Erfolg hätte für Dutt verloren gegangenen Kredit zurückholen können. Doch der blieb letztlich aus. Nur 14 Siege in 37 Pflichtspielen sind eine ernüchternde Quote für einen Leverkusener Trainer. "Der Schritt ist aus Sicht der Verantwortlichen nachzuvollziehen, um auch die letzte Patrone einzusetzen", sagte Dutt gestern zum Abschied.

Was bleibt als Bilanz der "Ära Dutt"? Eigentlich nur das traurige Bild eines Vereins, der als Gemengelage von Einzelinteressen auf allen Ebenen daherkommt. Dessen Führung nach der passenden Erwartungshaltung und Einschätzung der eigenen Stärke fahndet. Einer, in dem viele Leute viele Fehler gemacht haben. Dutt ist einer. Aber für viele nicht der einzige.

(RP)