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Bayer Leverkusen: Charaktertest für die Bayer-Profis

Bayer Leverkusen : Charaktertest für die Bayer-Profis

Sportlich ist nach dem 0:4 im Achtelfinal Hinspiel der Champions League wohl nicht mehr viel zu holen. Doch gegen Paris St. Germain sind die Spieler von Cheftrainer Hyypiä auch als Botschafter der Bundesliga gefordert.

Ganze 90 Minuten hat Bayer Leverkusen benötigt, um die Ausgangslage in seinem Champions-League-Achtelfinale um 180 Grad zu drehen. Vor dem desaströsen 0:4 im Hinspiel gegen den großen Favoriten Paris St. Germain war die Werkself ein Außenseiter, der nichts zu verlieren hatte und nur gewinnen konnte. Vor dem heutigen Rückspiel in der französischen Hauptstadt ist Leverkusen nun eine Mannschaft, die wohl nichts mehr gewinnen kann, aber umso mehr zu verlieren hat. Dieses Dilemmas sind sich die Verantwortlichen bewusst. "Ich erwarte, dass wir uns so präsentieren, wie es sich gehört, und dass wir zeigen, dass wir zurecht in der Champions League dabei waren", sagte Sportdirektor Rudi Völler.

Doch wie fahren Profis im Formtief die Motivation in einem Spiel hoch, in dem am Ende keine Belohnung in Form sportlichen Erfolgs zu erwarten ist? Wie kitzelt ein Trainerteam aus einer Truppe ohne Selbstvertrauen den letzten Ehrgeiz für eine Partie heraus, die für sie nach menschlichem Ermessen nicht in der Qualifikation fürs Viertelfinale münden wird? "Grundsätzlich braucht Motivation die Hoffnung auf Erfolg. Nur dann wird eine hohe Bereitschaft zur Anstrengung und Leistung vorhanden sein. Das Gegenteil, die Furcht vor Misserfolg, kann lähmend wirken, da die Gedanken sich dann nur noch um den erwarteten psychischen Verlust, beispielsweise die Blamage kreisen", sagt Professor Jens Kleinert, Psychologe an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Wie sehr Respekt vor großen Namen Kopf und Beine lähmen kann, bewies die Werkself eindrucksvoll im Hinspiel, und deswegen sagt Geschäftsführer Michael Schade in diesen Tagen mit Nachdruck: "Ich erwarte nicht, dass wir das Wunder von Paris schaffen, aber wir hoffen, dass die Mannschaft es schafft, sich zu rehabilitieren." Eine Europacup-Partie quasi abzuschenken, eine B-Elf auf den Rasen zu schicken, um alle Kräfte für die Endphase der Bundesliga zu bündeln, verbietet sich aus diversen Gründen. Immerhin überträgt das ZDF die Partie heute live, immerhin sind gut 2000 Bayer-Fans mitgereist. Und auch der vom Werksklub eingeladene Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, dürfte genau hinsehen, wie Leverkusen sein Premiumprodukt Bundesliga international präsentiert.

In der Spielzeit 2002/2003 hatte Bayer es unter Interimstrainer Thomas Hörster anders gehalten, in der Champions League wichtige Spieler für den Abstiegskampf in der Liga geschont und sich den Unmut von Sepp Blatter zugezogen. "Das ist nicht gut für den Fußball. Das Ziel ist zu gewinnen. Wenn jemand nicht will, soll er nicht mehr mitmachen", polterte der Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa).

Die Zielsetzung, mit der Sami Hyypiäs Team heute bei PSG antritt, muss also eine sein, die sich von der Aussicht auf zählbaren Erfolg löst. Sportpsychologe Kleinert beschreibt sie so: "Die Aussicht auf Erfolg oder Misserfolg kann vor allem dann ausgeklammert werden, wenn Spieler sich einfach nur auf das Spiel konzentrieren, das heißt, auf die Aufgaben, die der Trainer oder die Situation fordern. Dieses Im-Hier-und-Jetzt-Sein ist die beste Motivationsform." Hinter vorgehaltener Hand sagt so mancher im Verein, er wäre froh, wenn diese Woche ohne weitere Blamagen vorüberginge. Denn nach Paris wartet am Samstag das nicht minder schwere Gastspiel beim FC Bayern. "Danach haben wir neun Endspiele", sagt Geschäftsführer Michael Schade.

(RP)