Bayer Leverkusen: Boldt: Bayer 04 muss sich weiterentwickeln

Bayer Leverkusen : Boldt: Bayer 04 muss sich weiterentwickeln

Bayers neuer Kadermanager freut sich auf mehr taktische Flexibilität unter Roger Schmidt. Der hätte gerne Peter Hermann als Co-Trainer zurückgeholt. Merkliche Fluktuation im Kader steht wohl erst nach dem Trainingslager an.

Seinen ersten Arbeitstag in neuer Position verbrachte Jonas Boldt gestern fern ab von Leverkusen. Zum Abschluss seiner Scouting-Tour durch Brasilien schaute sich der neue Kadermanager von Bayer 04 in der Arena von São Paulo noch das WM-Achtelfinale zwischen Argentinien und der Schweiz (mit dem Neu-Leverkusener Josip Drmic) an und flog danach zurück in die Heimat.

Jonas Boldt (32), seit gestern Kadermanager von Bayer 04. Foto: verein

"Natürlich sind die Tage im Moment noch ein Stück länger als vorher", erzählt der 32-Jährige, als ihn unsere Zeitung am Flughafen von São Paulo erreicht. Das bringt der Jobwechsel eine Position nach oben eben mit sich. Wobei Boldt indes kein komplettes Neuland betritt. Im Gegenteil: das Gros der Arbeit, das Gros der Abläufe und Strukturen hatte er zuletzt als Scouting-Leiter und vorher auch schon als enger Mitarbeiter von Sportdirektor Rudi Völler und seines eigenen Vorgängers seines Vorgängers Michael Reschke - der hatte genauso wie Fitnesstrainer Holger Broich gestern seinen ersten Arbeitstag beim FC Bayern - verinnerlicht. Als Reschke nun dem Werben der Münchner nachgab, stellte sich für die Vereinsoberen in der BayArena gar nicht erst die Frage, ob man ihn womöglich mit einem externen Kandidaten ersetze. Boldt war die Wunschlösung. Er ist trotz seiner jungen Jahre in der Branche akzeptiert. Vor allem die Transfers von Arturo Vidal und Dani Carvajal taugen für ihn als idealer Arbeitsnachweis.

Nach Brasilien war der Lateinamerika-Kenner Boldt gereist, weil "wir ein paar Dinge beobachten", wie es Völler am Montag formuliert hatte. Konkrete Namen gibt es indes noch nicht zu vermelden. In drei, vier Wochen, nach dem Trainingslager wird vielleicht merkliche Bewegung in den Kader kommen. Dann, wenn der neue Trainer Roger Schmidt sich ein umfassenden Bild vom vorhandenen Personal gemacht hat. Wobei sich bei der aktuellen Kadergröße für den Werksklub eher die Aufgabe stellt, noch ein paar Spieler abzugeben und den Kader parallel nur punktuell zu verstärken. Klar ist: Ein zentraler offensiver Mittelfeldspieler soll und wird in jedem Fall noch kommen. Ob der nun Hakan Calhanoglu oder doch Mister X heißt.

Dieser Spieler soll der letzte zentrale Baustein für die neue Werkself sein, die Schmidt formen soll. Dass die Spielauffassung der Bayer-Elf sich verändern muss, darüber sind sich Verantwortliche, Trainer und auch die Spieler selbst im Klaren. "Unser Problem in der vergangenen Saison war, dass wir uns nicht weiterentwickelt haben", sagt Boldt. Stillstand ist im Fußball der hochtechnisierten Gegneranalyse jedoch spürbarer Rückschritt, und so merkte die Werkself, dass ihr anderthalb Jahre lang funktionierender Konterfußball mit den hohen Außenverteidigern zuletzt für keinen Gegner mehr ein Buch mit sieben Siegeln darstellte. "Der neue Trainer wird uns flexibler machen", sagt Boldt. Auch hier fällt wieder Dortmund als Beispiel. Als Vorbild. Wo Sami Hyypiä letztlich (zu) stur an System und Marschroute festhielt, soll Schmidt Bayer 04 taktisch wieder in eine vordere Position bringen. Das Ganze übrigens wohl erstmal mit dem vorhandenen Trainerteam. Schmidt hätte Peter Hermann gerne aus Schalke an dessen alte Wirkungsstätte zurückgelotst, aber S 04 schob dem Wechsel einen Riegel vor.

(RP)