Börsengang ist für Bayer 04 Leverkusen keine Option

Bayer Leverkusen: Börsengang ist für Bayer 04 keine Option

Heute vor 15 Jahren entstand die Fußball GmbH. Das Konstrukt als Bayer-Tochter hat große Vorteile, engt aber auch Spielräume ein.

Auch 15 Jahre nach ihrer Gründung am 1. April 1999 sieht die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH in dieser Struktur der Kapitalgesellschaft den bestmöglichen Rahmen für den eigene Handeln. Ein Börsengang zur Akquise weiterer Gelder stellt für Bayer 04-Geschäftsführer Michael Schade jedenfalls keine Option für die nähere Zukunft dar. "Diese Überlegung bestand und besteht nicht. Die GmbH ist gut aufgestellt und hat mit der Bayer AG einen verlässlichen und nachhaltigen Eigentümer und Partner", sagte Schade.

Schades Vorgänger Wolfgang Holzhäuser hatte einen Börsengang zumindest nicht als undenkbar abtun wollen. "Ich schließe es für die Zukunft nicht ganz aus", sagte er vor Jahren. In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf die Rahmenbedingungen, in denen Bayer 04 heute als hundertprozentige Tochter des Bayer-Konzerns agiert, denn diese zeigen, dass das Konstrukt bei allen Vorteilen auch Spielräume einengt.

25,2 Millionen Euro stellt die Bayer AG ihrer Fußball GmbH jährlich zur Verfügung. Das ist natürlich viel Geld. Es ist aber auch wenig Geld, wenn man VW und dessen Engagement beim VfL Wolfsburg betracht, das die "Süddeutsche Zeitung" schon 2011 auf bis zu 100 Millionen Euro bezifferte (der VfL dementierte diese Zahl). Bayers 25,2 Millionen Euro sind auch dann vergleichsweise wenig Geld, wenn man ihnen den Werbewert gegenüberstellt, den die Fußballer ihrem Mutterkonzern verschaffen. Just dieser Einsatz als Werbeträger für die Bayer AG ist als Unternehmensgegenstand der Fußball GmbH explizit niedergeschrieben. Der Werbewert dürfte bei knapp 80 Millionen Euro jährlich liegen, schreibt Bayer 04 auf seiner eigenen Homepage.

Für die Bayer AG wäre die Fußballtochter demnach ein klares Gewinngeschäft. Zumal die Fußball GmbH vertraglich verpflichtet ist, ihren gesamten Gewinn an die Mutter, beziehungsweise an die "Erste K-W-A Beteiligungsgesellschaft mbH" (ebenfalls eine hundertprozentige Tochter des Bayer-Konzerns), abzuführen. Und so weist die Bayer AG in ihrem Geschäftsbericht 2013 dann auch "einen Gewinn von 22 Millionen Euro aus dem Verkauf von Transferrechten bei der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH" aus. André Schürrle und Dani Carvajal lassen grüßen. Allerdings übernimmt die "Erste K-W-A" auch etwaige Verluste in der Jahresbilanz der Fußballer. Die Fußball GmbH weist übrigens keine Jahresbilanz aus, sie macht von einem entsprechenden Passus im Handelsgesetzbuch Gebrauch.

Klar ist, dass die 25,2 Millionen Euro allein Bayer 04 nicht davon befreien, außerhalb des eigenen Konzerns weitere Gelder zu erwirtschaften. "Jeder Bundesligist wird versuchen müssen, noch mehr Gelder zu akquirieren", hatte Schade im RP-Interview Mitte Oktober gesagt, als er unter anderem über den interessanten asiatischen Markt sprach. Doch sind der Fantasie der Marketingleute im Verein Grenzen gesetzt, weil es eben gilt, Unternehmen dafür zu gewinnen, in einem Umfeld zu werben, das von einem Weltkonzern omnipräsent besetzt ist. Wo also die jährlichen Zuwendungen der AG wegen ihrer Verlässlichkeit und jahrelangen Planbarkeit Bayers Fußballern einen großen Vorteil bieten, kann sich der Status als Werksverein beim Bemühen um weitere Finanzmittel durchaus als hinderlich erweisen.

Womöglich wird demnächst mal der Zeitpunkt kommen, wo man sich in der Konzernzentrale der Bayer AG entscheiden muss, wie man die finanzielle Förderung der eigenen Fußballer künftig gestalten will. Ein Wettrüsten mit Volkswagen will man offensichtlich nicht eingehen, also wird die Aufgabe sein, das Bild in der Öffentlichkeit auch dahingehend zu korrigieren, dass 2014 Werksklub eben nicht mehr gleich Werksklub ist. Bayer 04 besitze "konkurrenzfähige Strukturen", sagt Schade. Doch die Konkurrenz bewegt sich, während die Nische von Bayer 04 klare Grenzen besitzt. Grenzen mit Vor- und Nachteilen.

(RP)
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