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Bayer Leverkusen: Bayers zwei Strategen im Hintergrund

Bayer Leverkusen : Bayers zwei Strategen im Hintergrund

In seine erste Saison als alleinverantwortlicher Trainer bei Bayer 04 geht Sami Hyypiä mit den beiden Co-Trainern Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski an seiner Seite. Das Duo steht für einen neuen Typ Trainer.

Es wird wieder ein langer Arbeitstag für Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski. Zwei Trainingseinheiten sind in Zell am See absolviert. Doch die Videoanalyse für den nächsten Morgen will noch erstellt werden.

Und vorher wartet an diesem Abend noch dieser Medientermin im Mannschaftshotel auf die beiden Co-Trainer von Bayer 04. Medientermine sind selten im Arbeitsalltag der zwei. Und Lichte gelingt es, in einem Satz mit einem Augenzwinkern zu sagen, warum das so ist: "Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung von Daniel oder mir jede Woche zwei Statements haben möchte. Wenn sie das möchte, bin ich für sie da."

Die Öffentlichkeit nimmt in der Tat kaum Notiz von Lichte und Niedzkowski, den neben Fitness-Trainer Holger Broich und Torwarttrainer David Thiel wichtigsten zwei Mitarbeitern von Cheftrainer Sami Hyypiä. Doch wo andere im Fußball um jede Sendeminute kämpfen, sich von Kameras magisch angezogen fühlen und der Versuchung nicht widerstehen können, sich medial zu platzieren, genießen die zwei das Wirken im Hintergrund. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job. Ich kann mich völlig auf Fußball konzentrieren, was riesig Spaß macht. Ich kann das einbringen, was ich mir vom Fußball vorstelle", sagt Lichte, dem nach dem Ausscheiden von Sascha Lewandowski noch mehr Verantwortung in puncto Trainingssteuerung zufällt.

Die Aufgaben im Trainerteam sind ohnehin klar verteilt. "Wir haben es so aufgeteilt, dass ich mich in der Vorbereitung mehr um die Trainingsinhalte und um die mannschaftstaktischen Dinge kümmere, Daniel die individuelle Entwicklung der Spieler im Blick hat. Daniel wird sich auch intensiv um die Gegneranalyse kümmern", sagt der 33-jährige Lichte. Und der drei Jahre ältere Niedzkowski fügt hinzu: "Ich denke, dass das eine gute Entwicklung ist. Ein Spezialistentum macht Sinn — natürlich immer mit Fußballverstand im Kern."

Die beiden stehen symbolisch für einen neuen Typ Trainer, einen, den die Spezialisierung der Aufgabengebiete verlangt. "Ich denke gerne über Fußball nach, analysiere gerne Fußball und arbeite unheimlich gerne mit Menschen", sagt der studierte Sportwissenschaftler und frühere Oberligaspieler Lichte. Er wie auch Niedzkowski und Hyypiä pflegen den ruhigen, sachlichen Umgang mit den Spielern. In Zell am See brüllt niemand über den Trainingsplatz. "Es ist immer wichtig, dass man authentisch ist. Ich glaube, dass wir das sind", sagt Niedzkowski, der mit Wuppertal in der Regionalliga spielte und zuletzt in Hennef Assistent von DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth war, bevor ihn der Lockruf aus Leverkusen ereilte.

Nun bereiten die beiden die Werkself auf die Herausforderungen einer Champions-League-Saison vor. Wobei Niedzkowski klarstellt, dass eine zunehmende Spezialisierung der Traineraufgaben nicht bedeutet, den Spielern alle Eventualitäten auf dem Platz vorzukauen. "Die Spieler müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Wenn man alles begleitet, nimmt man den Spielern auch viele Entscheidungen ab", sagt er. Es gehe immer darum, Probleme zu lösen und den Gegner vor Probleme zu stellen, sagt Lichte. Daran arbeiten sie. Tag für Tag. Im Hintergrund.

(RP)