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Bayern München deklassiert Bayer Leverkusen im Topspiel

Machtdemonstration in Leverkusen : Bayern deklassieren Bayer im Topspiel

Bayer Leverkusen fängt sich gegen Bayern München binnen sieben Minuten vier Gegentore und rettet sich mit einem schmeichelhaften 0:5 in die Halbzeit. Patrik Schick erzielt nach dem Seitenwechsel den Ehrentreffer.

Gerardo Seoane nannte den FC Bayern vor dem Spiel die Referenz für den Entwicklungsstand seiner Mannschaft. Nach der Niederlage im Topspiel muss nicht nur er konstatieren: Die Werkself ist noch lange nicht so weit, wie einige vielleicht dachten. Stattdessen erhielt Bayer Leverkusen beim 1:5 (0:5) gegen den Rekordmeister eine Lektion in Demut. Vor allem in der ersten Halbzeit boten die Gastgeber eine phasenweise desolate Vorstellung.

Seoane musste auf Charles Aránguiz verzichten, der wegen Wadenproblemen kurzfristig ausfiel. Der Argentinier Exequiel Palacios kehrte hingegen mit einer Erkältung von seiner Länderspielreise zurück, Piero Hincapie, der mit Ecuador unterwegs war, saß immerhin auf der Ersatzbank – so wie erstmals das erst 16-jährige Toptalent Zidan Sertdemir. Neu in der Startelf im Vergleich zum 4:0 vor zwei Wochen in Bielefeld: Mitchel Bakker, Nadiem Amiri und Paulinho.

Die Werkself erlebte den denkbar schlechtesten Start gegen den Rekordmeister. Joshua Kimmich brachte einen Freistoß aus dem linken Halbfeld weit raus Richtung zweiter Pfosten auf Dayot Upamecano. Der nutzte den großzügig gewährten Freiraum für einen scharfen Pass ins Zentrum, wo Robert Lewandowski ebenso eiskalt wie technisch anspruchsvoll zum 1:0 per Hacke vollstreckte (4.).

Bayer mühte sich, den Rückschlag schnell wegzustecken, wurde aber von der griffigen Verteidigung der Münchner bereits im Ansatz ausgebremst. Die Startphase des Topspiels ging klar an die Gäste aus München, die auch nach ihrer Führung mehr Gefahr und Raffinesse mit dem Ball ausstrahlten. Immer wieder fanden Thomas Müller, Leroy Sané, Serge Gnabry oder Lewandowski Räume sowie Lücken. Das 2:0 lag in der Luft, fiel aber auch dank einiger beherzter Blocks nicht – so wie beispielsweise Amiri bei Sanés Versuch aus der zweiten Reihe (16.).

Dass der Münchner kurz danach aus rund 20 Metern Bayers rechten Innenpfosten traf, passte ins bis dahin recht einseitige Bild (19.). Auch Alphonso Davies probierte es bei einem Vorstoß, scheiterte aus relativ spitzem Winkel aber an Leverkusens Schlussmann Lukas Hradecky (21.). Insgesamt wirkten die Bayern wacher, agiler, abgebrühter und cleverer, Entlastung für die Rheinländer gab es kaum. Es war vielleicht kein Klassenunterschied, aber doch ein deutliches Leistungsgefälle zwischen beiden Mannschaften.

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Die Werkself erspielte sich ein paar Eckbälle, hatte auch die ein oder andere vielversprechende Szene rund um den Strafraum vor Manuel Neuer, doch die erste gute Chance war der Kopfball von Jonathan Tah nach einer Ecke von Kerem Demirbay, der über das Tor flog (29.). Kurz darauf setzte Lewandowski dem aufkeimenden Aufbegehren der Gastgeber aber wieder schnell ein Ende und legte das 2:0 nach. Der Pole nahm einen Ball von Davies mit, spazierte mit Leichtigkeit durch den Strafraum, legte sich den Ball noch einmal zurecht und traf aus kurzer Distanz (30.).

Spätestens jetzt war es dann doch ein Klassenunterschied, und zwar ein deutlicher, denn Müller stellte zügig auf 3:0 – und Serge Gnabry ließ 17 Sekunden später das 4:0 folgen (35.). Bayer zeigte Auflösungserscheinungen und die Bayern hatten richtig Bock. Nach 37 Minuten stand es 5:0, weil Gnabry seinen Torhunger noch nicht gestillt hatte. Wie die Tore gefallen sind, war nebensächlich, Leverkusens extrem junge Viererkette zahlte nicht nur Lehrgeld, sondern wurde nach allen Regeln der Fußballkunst auseinandergenommen. Es gab weitere Chancen, etwa bei Sanés Volley kurz vor der Halbzeit, doch der Versuch des Nationalspielers ging weit über Hradeckys Kasten (42.).

So blieb zur Halbzeit die bemerkenswerte Tatsache, dass München binnen sieben (!) Minuten von 1:0 auf 5:0 (!!) erhöhte. Das dürfte ein historischer Wert sein, selbst für die Kantersiege gewohnten Bayern. Das Motto für die zweite Halbzeit war für Leverkusen klar: Schadensbegrenzung. Seoane brachte Innenverteidiger Edmond Tapsoba für Linksaußen Paulinho. Es war das erste Saisonspiel des Abwehrmannes nach seinem Syndesmoseriss in der Vorbereitung. München ging ein bisschen vom Gas, Leverkusen kam besser aus der Kabine – und nach einer guten Chance von Demirbay (52.) auch noch zum Ehrentreffer durch Patrik Schick (55.).

Danach plätscherte die längst entschiedene Partie dem Abpfiff entgegen. Die Münchner hatten zwar noch ein paar Torchancen, setzten jetzt aber nicht mehr alles daran, Leverkusen noch weiter zu demütigen. Nun ist die Frage, wie Bayer diese Schmach aus den Köpfen kriegt, denn schon am Donnerstag geht es in der Europa League bei Betis Sevilla weiter (18.45 Uhr), ehe am Sonntag das Derby beim 1. FC Köln ansteht (15.30 Uhr). Immerhin: Auch der Rivale von der anderen Rheinseite hatte einen gebrauchten Spieltag und verlor am Freitag 0:5 in Hoffenheim.

Statistik:

Leverkusen: Hradecky - Frimpong (64. Bellarabi), Kossounou, Tah, Bakker - Amiri, Demirbay - Diaby (64. Adli), Wirtz (79. Retsos), Paulinho (46. Tapsoba) - Schick (79. Alario). - Trainer: Seoane

München: Neuer - Süle (72. Richards), Upamecano, Hernandez, Davies (40. Stanisic) - Kimmich, Goretzka (46. Sabitzer) - Gnabry, Thomas Müller (64. Coman), Leroy Sane - Lewandowski (64. Musiala). - Trainer: Nagelsmann

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)

Tore: 0:1 Lewandowski (4.), 0:2 Lewandowski (30.), 0:3 Müller (34.), 0:4 Gnabry (35.), 0:5 Gnabry (37.), 1:5 Schick (55.)

Zuschauer: 29.542 (ausverkauft)

Beste Spieler: - Gnabry, Sane, Lewandowski

Gelbe Karten: keine

Torschüsse: 7:27

Ecken: 4:7

Ballbesitz: 42:58 %

Zweikämpfe: 80:91

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