Bayer Leverkusens Kai Havertz wünscht sich mehr Reife

Frust nach Wolfsburg-Pleite : Kai Havertz wünscht sich mehr Reife

Der 19-Jährige übt nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg Kritik an der Spielweise von Bayer 04. Teamkollege Jonathan Tah regt eine große Aussprache an und Trainer Heiko Herrlich blickt schon nach München.

Für Kai Havertz hätte es eine perfekte Woche werden können. Erst rief ihn Bundestrainer Joachim Löw an und lud ihn zum ersten Mal in den erlesenen Kreis der Nationalmannschaft ein, dann sollte mit einem Sieg gegen den VfL Wolfsburg die Auftaktniederlage gegen Mönchengladbach ausgebügelt werden. Doch es kam anders. Bayer 04 verlor mit 1:3 (1:1) gegen die Niedersachsen – und Havertz fährt nun mit einer gehörigen Portion Vereinsfrust im Gepäck zu den Länderspielen gegen Frankreich und Peru.

„Fußball ist ganz einfach geworden. Wolfsburg hat seine Chancen genutzt, wir nicht“, sagte der 19-Jährige im Anschluss an die verlorengegangene Partie in der BayArena. „Sie waren effektiver als wir, aber wir haben es ihnen auch zu einfach gemacht“, analysierte er das Geschehen auf dem Platz. Dass die Partie im zweiten Abschnitt wie schon in Gladbach durch einen Doppelschlag in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff hergeschenkt wurde, sei ärgerlich, betonte der Mittelfeldspieler, der erneut auf der Sechs aufgestellt wurde.

„Eigentlich müssen wir uns aber vorwerfen, dass wir nicht versucht haben, das Spiel noch zu drehen.“ In der vergangenen Saison habe man gesehen, dass Leverkusen in vielen Spielen auch nach Rückständen noch gepunktet hat. Der Mannschaft fehle die „Erwachsenheit“, Chancen konsequent zu nutzen. Auch sei ab und an mal ein langer Ball anstatt eines Kurzpasses angebracht, mutmaßte Havertz. „Wir probieren es immer mit Ballbesitzfußball. Das ist auch nicht die Lösung. Wir haben viel Nachholbedarf.“ Sein ernüchterndes Fazit lautete: „Zwei Spiele, zwei Niederlagen – schlechter kann es für uns aktuell nicht laufen.“ Auch Jonathan Tah, der ebenfalls von Löw für die Länderspiele nominiert wurde, zeigte sich nach der erneuten Niederlage geknickt. Er regte eine große Aussprache an: „Wenn alle zurück sind, sollten wir uns mal zusammen hinsetzen. Denn das hat nichts mit Qualität zu tun, sondern mit der Einstellung und dem Kopf“, betonte der Innenverteidiger.

Die Einstellung – ein leidiges Thema unterm Bayer-Kreuz. Trainer Heiko Herrlich sagte nach der Partie: „Wir haben mit zu wenig Intensität verteidigt.“ Bei den Gegentreffern sei das Abwehrverhalten seiner Spieler nicht so gewesen, wie er und sein Trainerteam sich das vorgestellt hätten. Vor allem das 1:2 durch Renato Steffen (60.) ist Herrlich sauer aufgestoßen. „Das war viel zu einfach“, sagte er. Jetzt gehe es darum, die richtigen Lehren aus der Partie zu ziehen. Der 46-Jährige warf seinen Blick schon einmal auf die nächste Partie beim FC Bayern München (15. September). „Das ist ein schwieriger Gegner, aber auch für ihn werden wir einen Plan entwickeln und unsere Chance suchen. Aber in der Defensive müssen wir robuster stehen“, sagte er.

Bis dann soll auch Linksverteidiger Wendell wieder fit sein. Der Brasilianer verletzte sich am linken Sprunggelenk, wird aber wohl nur eine Woche pausieren müssen.

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