Alonso neuer Trainer bei Bayer 04 Ein Weltstar im Rheinland

Leverkusen · Der kriselnde Bundesligist Bayer Leverkusen landet mit Xabi Alonsos Verpflichtung einen Coup. Bei seiner Vorstellung weckt der Spanier große Erwartungen.

Xabi Alonso übernimmt das Trainerzepter bei Bayer Leverkusen.

Xabi Alonso übernimmt das Trainerzepter bei Bayer Leverkusen.

Foto: dpa/Thomas Banneyer

In seiner phänomenalen Karriere als Profi hat Xabi Alonso alles erlebt und alles gewonnen. Mit Spanien wurde er Welt- und Europameister, mit dem FC Liverpool und Real Madrid gewann er die Champions League, beim FC Bayern feierte er drei Deutsche Meisterschaften – und das ist nur ein Auszug aus seiner unerhört erfolgreichen Vita. Während seiner Zeit in München hat er Deutsch gelernt, ein Wort allerdings hat er noch nie gehört: Abstiegskampf. Abstiegskampf? Alonso muss sich bei seiner Vorstellung den sperrigen Begriff erklären lassen. Bayer Leverkusens Medienleiterin Valeska Homburg hilft auf Englisch aus, dann antwortet er: „Um ehrlich zu sein, ich schaue nicht auf das Saisonende im Mai, sondern immer nur von Spiel zu Spiel.“

Gegen den FC Schalke wird er am Samstag (15.30 Uhr) sein Debüt als Trainer des Werksklubs geben. Am Mittwoch trennte sich Bayer nach anhaltender sportlicher Talfahrt von Gerardo Seoane, zu verheerend war die Bilanz von acht Niederlagen aus den bislang zwölf Spielen in dieser Saison. Leverkusen ist in der ersten Runde aus dem Pokal geflogen, belegt in der Bundesliga Platz 17 und muss nach dem 0:2 beim FC Porto, das Seoanes Aus besiegelte, in der Champions League ums Weiterkommen bangen. Zeitgleich mit der Entlassung des Schweizers verkündete der Verein die Verpflichtung von Alonso – ein Coup, der für Aufsehen sorgt.

Xabi Alonso: Weltstar bei Real Madrid und beim FC Bayern, nun Trainer
18 Bilder

Das ist Xabi Alonso

18 Bilder
Foto: dpa/Marius Becker

Das war auch bei der Vorstellung des 40-Jährigen nicht zu übersehen. Ungewohnt voll war es in Bayers Konferenzraum, viele Journalisten waren zudem noch per Videoschalte dabei. Das Interesse an dem Mann, dessen Status im internationalen Fußball nur noch mit dem Prädikat „Lichtgestalt“ adäquat umschrieben werden kann, ist gigantisch. Er bringt maximalen Glanz in das dafür nicht unbedingt bekannte Leverkusen. Das überdeckt für den Moment sogar die Probleme der Werkself. Doch so erfahren und erfolgreich Alonso als Profi auch war, als Trainer ist er ein Novize.

Nach seiner aktiven Laufbahn war er Jugendtrainer bei Real Madrid, zuletzt coachte er drei Jahre lang die B-Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian, die zwischen der dritten und zweiten Liga Spaniens pendelt. Nun folgt der Sprung auf die große Bühne. „Ich habe viel zu tun. Das erste ist, die Spieler kennenzulernen“, sagte Alonso vor der ersten Einheit unter seiner Leitung. „Es geht darum, eine Verbindung mit ihnen herzustellen und zu erfahren, wie ihre Stimmung ist, wie sie sich fühlen. Wir brauchen jetzt eine neue Energie.“

Warum er sich trotz anderer Angebote für Leverkusen entschieden hat – 2021 war er auch in Mönchengladbach im Gespräch – begründet der Spanier mit einer Mischung aus Überzeugung und Instinkt. „Ich habe das Gefühl, dass jetzt der richtige Moment ist. Ich fühle mich für diese Herausforderung bereit.“ Mit Bayer will er dominanten, intensiven und dynamischen Ballbesitzfußball zeigen. „Ich habe keine Zweifel, dass die Qualität in dieser Mannschaft vorhanden ist. Jetzt müssen wir alle Kräfte bündeln, um dem Team zu helfen. Es ist ein Neuanfang.“

Bayer 04 Leverkusen: Alle Trainer seit 1996
23 Bilder

Alle Bayer-Trainer seit 1996

23 Bilder
Foto: dpa/Bernd Thissen

Alonsos Verpflichtung ist für alle Beteiligten Risiko und Chance zugleich. Gelingt es dem neuen Trainer, das zweifellos vorhandene Potenzial aus dem Kader der Werkself zu kitzeln, ist in dieser Saison noch einiges möglich. Scheitert er an seiner ersten Station auf höchstem Niveau, erhält sein bislang makelloses Image einen Kratzer – und Bayers Verantwortliche um Sportgeschäftsführer Simon Rolfes müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Einen Teil der aktuellen Probleme der Werkself hat der Weltmeister von 2010 immerhin bereits messerscharf erkannt. „Wir brauchen Mentalität und Konzentration – und zwar 95 Minuten lang. Denn in einem Moment kann alles verloren sein, wenn man nachlässt. Es reicht nicht, nur 80 Minuten gut zu sein“, betont Alonso.

Am Samstag vor dem Anpfiff dürften erneut alle Kameras auf ihn gerichtet sein. Es ist eine dieser kuriosen Geschichten des Fußballs, dass er 2014 nach seinem Wechsel zum FC Bayern direkt das Spiel gegen den FC Schalke bestritten hat – unmittelbar nach seiner Landung in Deutschland. „Jetzt ist es anders, aber auch ein bisschen ähnlich“, sagt er. „Ich hatte damals fast keine Zeit, jetzt haben wir zwei Tage, um uns vorzubereiten. Zeit ist ein Luxus im Fußball.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort