Ohne Wirtz und Frimpong Auf diese Bayer-Profis kommt es jetzt an

Leverkusen · Nach dem Kreuzbandriss von Florian Wirtz ereilt Bayer Leverkusen die nächste Hiobsbotschaft: Jeremie Frimpong fällt mit einem Syndesmoseriss bis zum Saisonende aus. Welche Alternativen hat Trainer Gerardo Seoane? Eine Übersicht.

 Kerem Demirbay ist nicht nur wegen seiner Rückennummer eine Option für die Position des langzeitverletzten Florian Wirtz als „Zehner“ im offensiven Mittelfeld.

Kerem Demirbay ist nicht nur wegen seiner Rückennummer eine Option für die Position des langzeitverletzten Florian Wirtz als „Zehner“ im offensiven Mittelfeld.

Foto: imago images/Eibner/Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de

Viel katastrophaler hätte es für die Werkself kaum laufen können. Das 0:1 gegen Köln ist bitter, durch seine personellen Konsequenzen aber Nebensache. Die Diagnosen nach dem Derby schmerzen mehr als das Ergebnis. Florian Wirtz zog sich einen Kreuzbandriss zu, seit Dienstag ist zudem klar, dass die Saison auch für Jeremie Frimpong gelaufen ist. Der 21-Jährige hat einen Syndesmoseriss im rechten Sprunggelenk davongetragen. Am Donnerstag (18.45 Uhr) geht es mit dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo weiter. Nach dem 2:3 im ersten Vergleich muss ein Sieg her, um ins Viertelfinale einzuziehen. Welche Alternativen hat Trainer Gerardo Seoane?

Timothy Fosu-Mensah Der offensichtlichste, weil positionsgetreue Ersatz für Frimpong auf der rechten Abwehrseite ist Timothy Fosu-Mensah. Der 24-Jährige feierte Mitte Januar gegen Gladbach sein Comeback, zuvor hatte ihn ein Kreuzbandriss rund zehn Monate außer Gefecht gesetzt. Gegen Köln übernahm er für Frimpong und erledigte die Aufgabe ordentlich. Der Niederländer bringt aber nicht das gleiche Tempo wie sein Landsmann auf den Rasen und spielt mit deutlich weniger Vorwärtsdrang. Das gilt auch für weitere Alternativen im Kader. Odilon Kossounou, der gegen Köln mit muskulären Problemen zur Halbzeit vom Platz musste, hat schon auf der rechten Seite gespielt, auch Jonathan Tah kam auf der für ihn ungewohnten Position bereits zum Einsatz. Das wäre aber eher eine Notlösung.

Kerem Demirbay Kniffliger ist es, das offensive Genie von Florian Wirtz zu kompensieren. Der 18-Jährige ist für seine perfekten Pässe in die Schnittstelle und den Lauf des Mitspielers bekannt, seine Übersicht sucht ihresgleichen. Kerem Demirbay ist ein Spieler, der über Spielintelligenz und Erfahrung verfügt. Er kann die Position des Zehners spielen, ist aber anfällig für Ballverluste. Zudem würde er eine Lücke im defensiven Mittelfeld hinterlassen, für das neben dem just genesenen Julian Baumgartlinger noch Exequiel Palacios, Charles Aránguiz und Robert Andrich infrage kommen. Bei Letzterem ist indes unklar, ob er nach seiner Reizung im Knie wieder voll belastbar ist. Die jüngsten Signale deuten darauf hin.

Paulinho Unter Bayers ehemaligen Trainer Peter Bosz kam der Brasilianer auch im offensiven Mittelfeld zum Einsatz, wo er ordentliche bis überzeugende Leistungen zeigte. Seit seinem Kreuzbandriss, wegen dem er beinahe die gesamte vergangene Saison verpasste, ist er allerdings auf Formsuche. Unter Seoane kam er auf den Flügeln zum Einsatz, konnte aber nicht nachhaltig überzeugen. Sein wohl größtes und auch gegen Köln sichtbares Manko ist die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Der 21-Jährige wirkt blockiert, sobald er sich dem Strafraum nähert. Dazu fehlt es ihm bisweilen an Ruhe und Cleverness in direkten Duellen. Allerdings: Man kann Paulinho einen gewissen Spielwitz unterstellen, der im offensiven Mittelfeld nützlich ist.

Amine Adli Der Franzose kam vor der Saison vom Zweitligisten FC Toulouse zur Werkself und hat seitdem eine gute Entwicklung hingelegt. Der 21-Jährige ist eher auf der Außenbahn zuhause, kann aber auch (hängende) Spitze spielen. Ob er im offensiven Mittelfeld ebenfalls funktioniert, ist mangels praktischen Versuchen ungewiss. Klar ist, dass er zu kopflosen, teils hektischen Aktionen neigt und es an Übersicht vermissen lässt. Bei der Wahl zwischen Abschluss und Pass auf besser positionierten Mitspieler trifft er häufiger falsche Entscheidungen – keine guten Voraussetzungen für die Mittelfeldregie.

Sardar Azmoun Der Winterzugang kam mit den Vorschusslorbeeren nach Leverkusen, ein polyvalenter Offensivspieler zu sein. Seine Vielseitigkeit konnte er allerdings bislang nicht unter Beweis stellen, weil der Iraner nach Corona, Mandelentzündung und Trainingsrückstand erst seit kurzem in einer Verfassung ist, die zumindest kurze Einsätze erlaubt. Gegen Köln legte er ein denkbar unglückliches Debüt vor dem Leverkusener Publikum hin. Der einstige Topscorer von Zenit St. Petersburg ließ eine gute und zwei erstklassige Torchancen ungenutzt, weil er den Ball nicht richtig traf. Ob der 27-Jährige nach dem Wirtz-Schock sofort eine Hilfe sein kann oder noch mehr Zeit braucht, wird sich zeigen. Eine spannende Alternative für personelle Planspiele ist er aber allemal.