Bayer Leverkusen verliert in Unterzahl gegen abstiegsgefährdete Kölner

Bayer verliert zu neunt gegen Abstiegskandidat Köln : „Wir waren dumm und nicht klar im Kopf“

Kai Havertz geht mit sich und der Werkself nach der 0:2-Niederlage in Köln hart ins Gericht. Sportgeschäftsführer Rudi Völler fehlen für Leon Baileys zweite Rote Karte in dieser Saison die Worte.

Er hatte es kommen sehen. Rudi Völler wusste ganz genau, was die Werkself in Köln erwarten würde. Der Sportgeschäftsführer von Bayer Leverkusen ist lange genug an vorderster Front dabei, um die besondere Brisanz des Rhein-Derbys zu kennen – und die Tricks und Taktiken des spielerisch eigentlich unterlegenen Gegners. Man habe im Vorfeld des 63. Aufeinandertreffens beider Vereine in der Bundesliga intern darüber gesprochen, betonte der 59-Jährige. „Keine dummen Fouls und sich nicht provozieren lassen“, sei die Maxime in Köln gewesen. Und doch: genau das passierte und führte letztlich zur 0:2-Niederlage der Werkself gegen Abstiegskandidat 1. FC Köln.

Aleksandar Dragovic sah erst eine unberechtigte, dann eine berechtigte Gelbe Karte und flog vom Platz (62.), der rund 22 Minuten vorher eingewechselte Leon Bailey langte Kingsley Ehizibue ins Gesicht und sah vier Minuten nach dem 0:1 die Rote Karte (77.). Bayer war in doppelter Unterzahl und verlor das Spiel 0:2 durch Tore von Jhon Cordoba (73.) und Sebastiaan Bornauw (84.). „Damit hat er der Mannschaft nicht geholfen. Das werde ich mit ihm besprechen“, sagte Leverkusens Trainer Peter Bosz – und es war am Unterton erkennbar, dass es kein erfreuliches Gespräch für den Jamaikaner wird.

Schon bei der 1:2-Niederlage gegen Mönchengladbach Anfang November ließ er sich in den Schlussminuten zu einer Tätlichkeit hinreißen. „Was soll ich sagen? Bei ihm fehlen mir im Moment ein bisschen die Worte“, sagte der sonst verbal nicht zurückhaltende 59-Jährige. Zwei Mal in kurzer Zeit sich so provozieren zu lassen dürfe Bailey nicht passieren. Man muss kein Experte sein, um zu erahnen, dass die nächste Strafe für den Wiederholungstäter hoch ausfallen wird. Nach seinem Vergehen gegen Gladbachs Patrick Herrmann wurde er vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für zwei Partien gesperrt – inklusive 12.000 Euro Strafe. Hinzu kam eine vermutlich ebenfalls fünfstellige Summe, die er vereinsintern zahlen musste.

„Wir haben vor der Partie oft genug besprochen, dass genau das nicht passieren darf“, sagte Kai Havertz, der am Samstag im Alter von 20 Jahren und 186 Tagen als bislang jüngster Spieler seinen 100. Einsatz in der Bundesliga absolvierte. „Wir kriegen zwei Rote Karten, die extrem blöd sind und das Spiel auf den Kopf stellen. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen.“ Aber das seien nicht die einzigen Gründe für die Niederlage gewesen. „Wir haben schlecht Fußball gespielt, haben zu lange den Ball gehalten, waren nicht kreativ genug und haben keine Tiefenläufe gemacht.“ Im Grunde, hob der 20-Jährige an, habe die Werkself alles vermissen lassen, was sie in den letzten Wochen auszeichnete. „Wir waren dumm, haben es schlecht ausgespielt und nicht klar im Kopf.“ Vor allem Baileys Platzverweis sei völlig unnötig gewesen: „Das war sicher nicht seine klügste Aktion. Das weiß er aber auch selbst.“ Immerhin: Bereits am Mittwoch geht es weiter. Dann gastiert Hertha BSC Berlin in der BayArena (18.30 Uhr).

„Gottseidank spielen wie am Mittwoch wieder“, sagte Völler mit dem Hintergedanken, die Derby-Niederlage schnell verdrängen zu können. In seiner Analyse ist er sich sicher: „Mit elf Spielern hätten wir dieses Spiel nicht verloren.“