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Bayer Leverkusen: Trainer Heiko Herrlich vor Entscheidungsspiel

Heiko Herrlich bei Bayer 04 unter Druck : Trainerverschleiß bei der Werkself

Der Druck nimmt zu: Bayer-Trainer Heiko Herrlich ist schon nach zwei Niederlagen zum Saisonstart angezählt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Trainer der Werkself eine eher kurze Halbwertszeit haben

Die Saison ist noch jung, doch nach zwei Niederlagen zum Auftakt ist die Lage unterm Bayer-Kreuz angespannt: Erst dreimal zuvor ist Bayer 04 in seiner 40-jährigen Ligazugehörigkeit derart schwach in eine Bundesliga-Spielzeit gestartet. Die angestrebte Qualifikation für die Champions League droht früh aus den Augen verloren zu werden. Für Sportgeschäftsführer Rudi Völler ist das noch kein Grund, den Trainer infrage zu stellen. Andere Teams hätten ebenfalls noch nicht gepunktet, sagt der Weltmeister von 1990 und verweist auf die Konkurrenz. „Das ist eine Hysterie, die nicht zu ertragen ist“, sagt er und stellt sich damit demonstrativ vor Heiko Herrlich.

Für den Bayer-Trainer könnte es trotzdem schnell eng werden, sollte er es nicht schaffen, möglichst bald die ersten Zähler zu sammeln. Seit seinem Wechsel von Regensburg nach Leverkusen im Sommer 2017 wird der 46-Jährige schließlich nicht müde zu betonen, dass Punkte seine Währung seien und er sich an den Ergebnissen messen lassen will. Da zuletzt aber weder die Resultate noch die Leistungen beim ambitionierten Europa-League-Teilnehmer stimmten, ist die Sorge bei den Fans groß, erneut den Anschluss zu verpassen. Viele von ihnen hatten gehofft, dass die nach wie vor junge, aber durchaus erfahrene Mannschaft den viel zitierten „nächsten Schritt“ machen könne, und sich von Rückschlägen nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen lässt. Für die Werkself wird die Partie beim Rekordmeister aus München am Samstag (15.30 Uhr) damit auch unabhängig vom Ergebnis zur Charakterfrage – und wegweisend für Herrlich.

Dass Trainer in Leverkusen zumindest gefühlt eine eher kurze Halbwertszeit haben, kommt nicht von ungefähr. Seit Rudi Völler 2005 zum zweiten Mal das Amt des Sportdirektors bei seinem Herzensklub vom Rhein übernommen hat, durften sich neben Völler zehn weitere Trainer in der selbsternannten „Farbenstadt“ probieren: Klaus Augenthaler, Michael Skibbe, Bruno Labbadia, Jupp Heynckes, Robin Dutt, Sami Hyypiä, Sascha Lewandowski, Roger Schmidt, Tayfun Korkut und Heiko Herrlich. Während die schiere Zahl der Übungsleiter für diesen Zeitraum durchaus branchenüblich ist, fällt auf, dass keiner der Genannten für einen vergleichsweise längeren Zeitraum auf der Bayer-Bank sitzen durfte: Mit zwei Jahren und acht Monaten ist der im März 2017 entlassene Roger Schmidt bereits der Trainer mit der längsten Amtszeit unterm Bayer-Kreuz.

Dabei waren die Gründe für die Wechsel auf der Bank durchaus unterschiedlicher Natur. Für Augenthalers frühzeitige Entlassung genügten Leverkusens damaligen Verantwortlichen 2005 eine Bilanz von nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen. Skibbe verspielte am letzten Spieltag der Saison 2007/08 den sicher geglaubten Uefa-Cup-Platz und musste deshalb gehen. Der Kredit von Nachfolger Labbadia war trotz des Einzugs ins Pokalfinale, das Bayer 2009 mit 0:1 gegen Bremen verlor, schneller aufgebraucht als der eines Mesut Özils bei vielen deutschen Fans. Dutt traf es 2012 nach einer Niederlagenserie von fünf Partien. Und auch der beliebte Hyypiä schaffte es nicht, der Werkself langfristig auf die Erfolgsschiene zu verhelfen. Der inzwischen verstorbene Lewandwoski war zweimal nur Übergangslösung, gleiches gilt für Tayfun Korkut.

Mit einem möglichen Aus will sich Herrlich, der aus Leverkusen in der vergangenen Saison wieder eine Mannschaft formte und sie zurück in den internationalen Wettbewerb führte, nicht beschäftigen. Auf und am Rande des Trainingsplatzes gibt sich der 46-Jährige in diesen Tagen betont locker. „Ich begreife jedes Spiel als Chance“, sagt er. Natürlich sei München „ein übermächtiger Gegner“. Trotzdem fahre sein Team mit dem Ziel dort hin, etwas mitzunehmen. „Wir haben einen Plan und den wollen wir umsetzen.“

Die Kritik an seiner Position habe ihn in den vergangenen Wochen überrascht. „Vor 180 Spielminuten waren wir gefühlter Zweiter, da konnten wir uns gar nicht gegen wehren.“ Plötzlich sei alles schlecht. „Wir haben Potenzial in unserer Mannschaft. Das müssen wir aber nicht nur sagen, sondern auch zeigen“, betont Herrlich – wohl wissend, dass Punkte jetzt erst recht seine Währung sind.

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