Bayer Leverkusen: Trainer Heiko Herrlich blendet die Diskussionen um seine Person aus

Anhaltende Trainerdiskussion : Herrlich ist im Neandertaler-Modus

Mit einem eigenwilligen Vergleich gibt der Trainer der Werkself die Richtung vor. Er will vor dem Gastspiel auf Schalke morgen Abend alle Störfaktoren ausblenden – vor allem aber die Diskussionen um seine Person.

Heiko Herrlich ist derzeit nicht zu beneiden. Der Trainer der Werkself steht seit Wochen in der Kritik und streng genommen wird seine Arbeit bereits seit Monaten in Frage gestellt. Nun gesellt sich das hartnäckige Gerücht dazu, dass seine Ablösung in der Winterpause bevorstehe und in Peter Bosz bereits ein Nachfolger bereitstehe. Ungünstiger könnten die Rahmenbedingungen vor dem Auswärtsspiel morgen Abend auf Schalke (18.30 Uhr) kaum sein. Unruhe und Trainerdiskussionen begleiten die Werkself bislang durch die Saison.

Der 47-Jährige will das alles ausblenden. Er will sich auf das Sportliche fokussieren: Die Möglichkeit, drei wichtige Punkte zu gewinnen. „Meine Befindlichkeit ist nicht wichtig“, sagt er. „Für mich ist es nach wie vor so, dass ich mich auf das Wesentliche konzentriere.“ Er wolle es wie ein Neandertaler machen, der auf der Jagd sei. „Bevor er morgens aus der Höhle rausgeht, blendet er alles aus. Es gibt unheimlich viele Unwägbarkeiten, die auf ihn zukommen.“ Würde besagter Urmensch dauernd daran denken, was alles passieren könne, würde er gar nicht erst in die Wildnis gehen. „Ähnlich ist es auch für einen Trainer in der Bundesliga“, sagt Herrlich.

Der Subtext: Von etwaigen Säbelzahntigern lässt er sich nicht beeindrucken. Er spüre auch den Druck, aber er empfinde die Situtation als „erträglich“. Den größten Druck mache er sich selbst – „und das sollten wir als Mannschaft auch machen, um unsere Ziele zu erreichen.“

Wenn Schalke auf Leverkusen trifft, ist das auch ein Duell zwischen zwei Mannschaften aus dem Westen, die in dieser Saison im Grunde seit dem ersten Spieltag ihren Erwartungen hinterherhinken. Der von Domenico Tedesco trainierte Vizemeister ist ebenfalls ambitioniert in die Saison gegangen und hängen nun mit 15 Punkten auf Platz 13 fest. Die Werkself hat zwei Ränge höher drei Zähler Vorsprung. Das verdeutlicht die Bedeutung der Partie für beide Teams. Aber auch das ist – ähnlich wie die Gerüchte um sein baldiges Ende bei Bayer 04 – für Herrlich irrelevant. „Mich interessiert weniger, in welcher Verfassung Schalke ist. Es geht für uns um drei Punkte und die wollen wir holen.“

Einen prominenten Ausfall muss der Trainer kompensieren. Kapitän Lars Bender wird wohl nicht rechtzeitig seine muskulären Probleme auskuriert haben. Dafür ist sein Bruder Sven wieder fit und ein Kandidat für die Startelf. Die Frage, worauf es am Mittwochabend ankomme, beantwortet Herrlich eindeutig: „Wir müssen bereit sein, an das Maximum ranzugehen, mit voller Intensität und voller Leidenschaft.“ Das sei immer die Grundlage für sportlichen Erfolg.

Daran hat es allerdings in dieser Saison bereits häufiger gemangelt. Nach der 1:2-Niederlage in Frankfurt am Sonntag sprach nicht nur Lukas Hradecky davon, dass der Gegner in den entscheidenden Situationen konsequenter und aggressiver agiert hätte.

Auch in dieser Hinsicht kann die Werkself wohl noch etwas vom Neandertaler lernen.