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Bayer Leverkusen: Trainer Gerardo Seoane sucht nach dem passenden Ton

Bayer unter Druck : Seoane sucht nach dem passenden Ton

Nach Bayers Fehlstart ist Trainer Gerardo Seoane als Löser von Blockaden gefragt. Vor dem Spiel gegen Hoffenheim geht der Schweizer optimistisch voran und spricht von den „richtigen Tasten“, die er bei seinen Spielern treffen will.

Die Bundesliga ist natürlich auch in der Schweiz von Interesse, das Duell Bayer Leverkusen gegen TSG Hoffenheim hat aber einen besonderen Reiz. André Breitenreiter kam als Meistercoach des FC Zürich im diesem Sommer in den Kraichgau, Gerardo Seoane hat die Young Boys Bern gleich drei Mal zum Titel geführt – zuletzt 2021, ehe er nach Leverkusen wechselte. Das Duell der Schweizer Meistermacher spielt für den Trainer der Werkself allerdings keine Rolle. Wichtiger ist, dass er im dritten Ligaspiel am Samstag (15.30 Uhr), die ersten Punkte einfährt. „Solche Konstellationen kann es geben, aber wir können beide wahrscheinlich nichts damit anfangen“, betont Seoane. „Das steht zuhause in einer Vitrine, aber zählt jetzt alles nicht.“

Der Subtext ist klar: Die Erfolge der Vergangenheit sind schön, aber irrelevant für die Gegenwart. Letztere ist für Bayer einigermaßen unangenehm. Nach dem Aus im Pokal und zwei Niederlagen in der Liga ist der Druck gewaltig. Geht auch das Heimspiel gegen Hoffenheim schief, reift der Fehlstart zur ausgewachsenen Krise heran. „Ein Coach versucht, inhaltlich und mit seinen Emotionen die richtigen Tasten zu treffen“, beschreibt Seoane seine Vorgehensweise unter der Woche. In Einzel- und Mannschaftsgesprächen habe er versucht, die jeweils passende Tonlage zu finden. „Die wichtigen Botschaften kann man auch bestimmt sagen, das darf dann ein bisschen lauter sein, aber ohne dabei eine Grenze zu überschreiten.“

Der 43-Jährige spricht im Vorfeld der Partie von einer „schwierigen Situation“ für seine Mannschaft, ist aber zuversichtlich, dass sich die Profis aus der misslichen Lage befreien. Zudem sieht der Coach eine Schieflage zwischen Leistung und Resultat, denn das 0:1 in Dortmund und das 1:2 gegen Augsburg waren in unterschiedlichen Graden vermeidbare Niederlagen.

Florian Wirtz (Aufbau nach Kreuzbandriss), Amine Adli (Schlüsselbeinbruch), Karim Bellarabi (Meniskusriss) und Andrey Lunev (Sehnenverletzung im Oberschenkel) fallen aus. Ebenfalls gegen Hoffenheim nicht dabei ist Joel Pohjanpalo, dessen Wechsel zum FC Venedig unmittelbar bevorsteht.

Gute Nachrichten gibt es indes von Robert Andrich. Er hat seinen Bluterguss im Hüftbereich aus dem Spiel beim BVB überstanden und ist wieder fit. „Er konnte die letzten drei Einheiten mit der Mannschaft zu 100 Prozent mitmachen“, berichtet Seoane. „Er spürt noch ein bisschen von der Prellung, aber er ist für den Spieltag freigegeben.“

Mit Andrich und Kapitän Lukas Hradecky, der seine Rotsperre abgesessen hat, kehrt nach Ansicht des Trainers Führungsstärke zurück. Er will sich aber nicht nur auf die Leitwölfe verlassen. „Es ist allgemein wichtig, dass die Spieler Verantwortung übernehmen“, betont Seoane. „Leadership ist immer extrem gefragt.“ Andrich und Hradecky seien Profis, die über diese Qualität verfügen. „Das gilt aber auch für viele andere Spieler bei uns, die auf ihre Art Verantwortung übernehmen.“

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Objektiv ist der Kader der Werkself freilich besser, als es die Tabelle aussagt. Doch bisweilen entscheidet nicht alleine die fußballerische Qualität über Erfolg oder Misserfolg. „In einer schwierigen Phase braucht es sicherlich auch Extra-Meter und die gegenseitige Unterstützung. So gewinnt man mehr Vertrauen“, sagt Seoane. „Das sind wichtige Punkte, die natürlich immer dazugehören, aber im Moment etwas mehr gewichtet sind.“ Der Fehlstart sei eine Herausforderung, die sein Team annehmen müsse. „Das soll eine zusätzliche Motivation sein. Wir wollen uns gegen diese Widerstände durchsetzen.“