Bayer Leverkusen: Supertalent Kai Havertz macht den Unterschied

Leverkusens Supertalent : Havertz rettet die Werkself - schon wieder

Kai Havertz machte bei Bayers erstem Bundesligasieg dieser Saison erneut den Unterschied. Während sich um ihn herum alle in mehr oder weniger euphorischen Jubelarien ergehen, bleibt der 19-Jährige nüchtern.

Nach 90 umkämpften Minuten gegen den FSV Mainz war Matchwinner Kai Havertz ein gefragter Mann. Von Interview zu Interview wurde der 19-Jährige geschleust. Geduldig beantwortete er alle Fragen zu seiner unglaublichen Fußballwoche: Erst sein Doppelpack zum Start der Europa League bei Ludogorez Rasgrad (3:2) und nun der 1:0 (0:0)-Sieg gegen Mainz, bei dem er erneut der beste Mann auf dem Platz war. Der Sieg hat nach drei Niederlagen in der Liga erlösenden Charakter für die Werkself.

Havertz hatte gegen Mainz die meisten Laufkilometer auf dem Tacho, die meisten Sprints absolviert, die meisten Torschüsse abgegeben, hatte eine überragende Passquote und köpfte für sein überlegenes Team das verdiente Tor des Tages nach einer Flanke von Julian Brandt (62.). Angesichts seines bärenstarken Auftritts blieb das hochveranlagte Eigengewächs des Vereins beachtlich kühl. Er sei froh, wenn er mit seinen Toren der Mannschaft helfen könne, sagte er in der wohl allen Fußballprofis antrainierten Bescheidenheit und fügte hinzu: „Das gibt uns ein gutes Gefühl.“

In der Tat hat sich die Stimmungslage in Leverkusen binnen weniger Tage deutlich gewandelt. Der zuvor punktlose Krisenklub bläst jetzt zur Aufholjagd in der Liga – mit Havertz an vorderster Front. „Wir haben gezeigt, wozu wir in der Lage sind und können mit breiter Brust auftreten“, betonte er. „Wir müssen weiter Gas geben.“

Seine Mitspieler gerieten nach dem Schlusspfiff regelrecht ins Schwärmen. Torwart Lukas Hradecky sprach vom „besten Talent, das ich je gesehen habe“. Vorlagengeber Brandt, der sich mit Havertz auch außerhalb des Platzes nach eigenem Bekunden blendend versteht, beschrieb die außergewöhnlichen Fähigkeiten seines Teamkollegen und Freundes hingegen deutlich präziser.

„Man muss jetzt natürlich aufpassen, dass er nicht anfängt zu fliegen“, sagte der Nationalspieler nur halb im Scherz. „Seine Ruhe“, sei die hervorstechendste Eigenschaft des 19-Jährigen. „Ich habe noch keinen gesehen, der so ruhig am Ball ist. Bei ihm hat man das Gefühl, dass er einen Ruhepuls von 60 hat. Das macht er überragend.“ Gefühlt könne Havertz alles: „Er ist extrem schnell, kann mit beiden Füßen schießen und ist kopfballstark. Da stimmt einfach das Gesamtpaket“, sagte Brandt.

Übertrieben ist das freilich nicht, doch bei aller Schwärmerei ist auch klar, dass der erste Ligasieg gegen Mainz nur ein kleiner Schritt auf dem Weg ins obere Tabellendrittel ist, wo Leverkusen nach seinem Selbstverständnis hingehört. „Wir haben in der ersten Halbzeit Fußball gespielt und in der zweiten Halbzeit Fußball gearbeitet“, lautete Trainer Heiko Herrlichs eher nüchternes Fazit.

Angesichts der strapaziösen Auswärtsreise nach Bulgarien nebst verspäteter Rückkehr am Freitagmorgen gegen 8 Uhr sprach der zuletzt stark in die Kritik geratene 46-Jährige nach dem knappen Sieg von einer „Riesenerleichterung“ und verteilte reichlich Lob an seine Mannschaft und an Havertz: „Er arbeitet stark gegen den Ball, übernimmt immer mehr Verantwortung und entwickelt jetzt auch einen Killerinstinkt“, beschrieb der ehemalige Torjäger den Leverkusener Mann der Stunde.

Genau diese Qualitäten werden auch am Mittwoch in Düsseldorf (18.30 Uhr) gefragt sein, wenn die Aufholjagd in der Liga weitergehen soll. „Ich habe immer noch viel zu verbessern“, sagt Havertz – und es klingt mit Blick auf seine aktuelle Form wie eine Drohung an die Konkurrenz.

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