Bayer Leverkusen stürzt mit Heiko Herrlich nach Fehlstart in der Bundesliga immer tiefer und die Krise und muss jetzt handeln.

Kommentar zu Absturz von Werkself: Der Glaube an Herrlich fehlt

So schlecht ist Bayer Leverkusen noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet. Das Team wirkt kopflos auf dem Platz – und es sieht so aus, als ob Trainer Heiko Herrlich in der Krise nicht mehr in den Schalter umlegen könnte. Die Zeichen stehen auf Trennung. Ein Kommentar.

Heiko Herrlich ist ein angenehmer Zeitgenosse: ehrlich, freundlich, zuvorkommend. Alles Eigenschaften, die in der Profifußballbranche keine Selbstverständlichkeiten mehr sind. Aktuell hat der Trainer von Bayer 04 Leverkusen aber ein Problem, denn seine Mannschaft steht nach der dritten Niederlage im dritten Spiel punktlos am Tabellenende der Bundesliga. Für ein Team, das mit dem Ziel in die Saison gegangen ist, die Champions League zu erreichen, ist das naturgemäß zu wenig. Nie ist die Werkself in ihrer 40-jährigen Erstliga-Zugehörigkeit schlechter gestartet.

Das nackte Resultat am Samstag in München ist dabei nicht einmal entscheidend. Auch Leverkusen kann beim Rekordmeister 1:3 verlieren. Die Art und Weise, wie die Pleite zustandegekommen ist, stimmt jedoch bedenklich. Herrlich hatte sein Team mit einer Mauertaktik aufs Feld geschickt, die bereits nach 20 Minuten hinfällig war. Auch wenn beide Teams bis in die Schlussphase nur ein Tor trennte, kam beim Zuschauer nie das Gefühl auf, dass die Gäste vom Rhein tatsächlich gewillt waren, alles zu investieren, um zumindest einen Punkt mitzunehmen. Verängstigt, verunsichert, ideen- und chancenlos präsentierte sich der Werksklub in der bayerischen Landeshauptstadt.

Viele Alarmsignale zu erkennen

Dass Leverkusens Kapitän Lars Bender nach der Partie zugab, dass sich das Team noch „im Urlaub“ befinde, muss als Alarmsignal gewertet werden. Torwart-Routinier Ramazan Özcan hatte nach der Pleite gegen Wolfsburg vor zwei Wochen schon Galligkeit und Gier eingefordert. Gesehen haben die Anhänger von Bayer 04 in München davon aber herzlich wenig.

Die Leverkusener Führungsriege um Sportgeschäftsführer Rudi Völler und Sportdirektor Jonas Boldt stärkte Herrlich auch nach der erwartbaren Niederlage in München demonstrativ den Rücken. In der vergangenen Saison hatte es der 46-jährige Fußballlehrer aus Mannheim geschafft, aus einer dysfunktionalen Gruppe aus talentierten Spielern wieder eine Einheit zu formen und sie zurück ins internationale Geschäft geführt. Doch Vergangenes darf bei der Bewertung der aktuellen Situation nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Saisonziele der Bayer-Elf sind jetzt schon akut gefährdet – und nun geht es gegen Rasgrad und Mainz. Zwei Gegner, die Leverkusen in der aktuellen Verfassung das Sportlerleben schwer machen werden.

Es ist Herrlich zu wünschen, dass er wie schon in seiner ersten Spielzeit unter dem Bayer-Kreuz die Wende schafft. Allein, es fehlt nach den jüngsten Auftritten der Glaube.

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