1. Sport
  2. Fußball
  3. Bayer 04 Leverkusen

Bayer Leverkusen: Spieler der zweiten Reihe machen Werkself erfolgreich

Vor dem Spiel auf Schalke : Bei der Werkself sitzt auch der zweite Anzug

Dass Bayer Leverkusen trotz Verletzungspech sicher durch die bisherige Saison navigiert, liegt auch an den unerwarteten Helden im Kader. Am Sonntag ist die Werkself beim FC Schalke zu Gast.

Das Flugzeug mit der Werkself an Bord landete am Freitagmittag früher als geplant in Köln/Bonn. Ursprünglich wollte Peter Bosz mit seiner Mannschaft noch in Nizza trainieren, doch heftige Regenschauer in der Stadt an der französischen Riviera veranlassten den Trainer dazu, seine Pläne zu ändern und schnellstmöglich zurück ins Rheinland zu fliegen. Auf den gewohnten Plätzen nahe der BayArena bereiteten sich Leverkusens Profis schließlich in Ruhe auf das Duell am Sonntag (18 Uhr) beim FC Schalke vor. 

Dem geneigten Beobachter fällt es derzeit schwer, nach dem jüngsten 3:2-Sieg in der Europa League in Frankreich, Gründe dafür zu finden, warum Bayer seine erfolgreiche Serie nicht auch in der Bundesliga beim Tabellenletzten fortsetzen sollte. „Der Glaube und das gute Gefühl sind da, weil wir einfach viele Spiele gewinnen“, sagte Bosz. Eine wirkliche Erklärung, warum es derzeit so gut für ihn und sein Team läuft, ist das zwar nicht. Allerdings umschreibt es das Mantra des Werksklubs derzeit ziemlich gut: einfach weitermachen und Spiele gewinnen.

„Ausschlaggebend war, dass wir bei jedem Rückschlag weiter an uns geglaubt haben“, sagte Aleksandar Dragovic zum Erfolg beim OGC Nizza, der sich nach der Niederlage gegen Leverkusen von Trainer Patrick Vieira trennte. Laut Dragovic habe Bayer der Strategie für die Partie vertraut, diese durchgezogen und verdient gewonnen. Mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 hatte der Österreicher einmal mehr großen Anteil am Erfolg der Leverkusener. Wie einige weitere Profis des Werksklubs profitiert der 29-Jährige derzeit vom Verletzungspech seiner Mitspieler. Mit seinen durchweg soliden bis starken Leistungen ist er einer der unerwarteten Helden aus der zweiten Reihe in dieser Saison.

Ein weiterer Kandidat, auf den diese Beschreibung zutrifft, ist sein Landsmann Julian Baumgartlinger. Der 32-Jährige verleiht der Werkself seit Wochen die Stabilität im Zentrum, die ihr Kapitän Charles Aránguiz derzeit nicht geben kann. Der Chilene laboriert an äußerst hartnäckigen Problemen mit der Achillessehne – ein Mitbringsel aus der Länderspielpause im Oktober.

So wurde Baumgartlinger zum Dauerläufer im defensiven Mittelfeld. Die Aufgabe steht ihm gut, er glänzt mit Zweikampfstärke und Übersicht bei der Ballverteilung. Inzwischen gehört aber etwas überraschend auch das Toreschießen zu seinem Repertoire, das sonst nicht unbedingt seine Kernkompetenz war. In Nizza erköpfte der Österreicher den 3:2-Siegtreffer, beim wichtigen Erfolg gegen Mönchengladbach hatte er mit seinem Tor großen Anteil daran, dass der Dauerkonkurrent um Platz vier im direkten Duell mit 4:3 geschlagen werden konnte.

Baumgartlinger hat eine „konzentrierte, dominante Leistung“ in Nizza gesehen, wie er es nach Schlusspfiff umschrieb. „Wir haben viel Kraft und Energie investiert und hochverdient gewonnen“, betonte der Mittelfeldmann. Der Sieg an der Südküste Frankreichs war indes auch ein Verdienst von Kerem Demirbay, der nicht nur mit seiner traumhaften Vorlage auf Moussa Diaby vor dem 1:0 überzeugte, sondern auch mit Spielwitz und kreativen Ballweiterleitungen. Der Rekordzugang zeigte die Qualitäten, die Bayers Verantwortlichen im Sommer 2019 32 Millionen Euro wert waren. Gelingt es dem 27-Jährigen, diese Form über einen längeren Zeitraum zu halten, dürfte er nach schwierigen knapp anderthalb Jahren in Leverkusen endlich in die von ihm wohl auch erwartete Rolle des Stammspielers wachsen. So oder so ist es Demirbay hoch anzurechnen, dass er auch dann ruhig und selbstkritisch blieb, als er kaum zum Zug kam und immer wieder anderen den Vortritt lassen musste.

Auch das ist ein Indiz für den intakten Teamgeist der Werkself – ebenso wie die Tatsache, dass die Spieler aus der vermeintlichen zweiten Reihe ohne Murren für ihre verletzten Kollegen in die Bresche springen, um den Erfolg der Mannschaft zu sichern.